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StartseiteUmwelt und VerbraucherNur noch für Kammerjäger21.09.2012

Nur noch für Kammerjäger

Umweltministerium will Gebrauch von Rattengift beschränken

In manchen Städten gibt es mehr Ratten als Menschen. In vielen Häusern und Kellern wird darum Rattengift gestreut. Dieses Gift ist aber alles andere als harmlos. Darum soll der Einsatz jetzt beschränkt werden.

Von Susanne Arlt

Tote Ratte (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Tote Ratte (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)

Sein Rattenbekämpfungsarsenal verwahrt Mario Heising sicher im Kellergeschoss. Dort lagert der Berliner Schädlingsbekämpfer zum Beispiel zig Schlagfallen. Als Köder verwendet er Erdnussbutter. Sobald die Ratte in die Falle tappt, schnappt sie zu und tötet das Tier durch Genickbruch.

Um den Nagern den Garaus zu machen, setzt er aber auch giftige Köder ein, sogenannte Biozide. Das sind Schädlingsbekämpfungsmittel, die für den Gesundheitsschutz eingesetzt werden. Heising zeigt auf eine Tüte, Haferflockenmehrkornköder steht darauf.

"Hier haben wir zum Beispiel ein Fertigköderprodukt mit dem Wirkstoff Difenacoum. Hier drinnen sind jetzt Getreideprodukte, die mit dem Wirkstoff zersetzt sind. Das ist ein loser Köder."


Die losen, rot verfärbten Körner sind mit einem Blutgerinnungshemmer versetzt. Nach wenigen Tagen verbluten die Tiere innerlich. Dieser lose Rattenköder darf jedoch nicht einfach auf den Boden gestreut werden. Er muss in Behälter gefüllt werden, die verschließbar sind und zwei rattengroße Eingänge haben. Doch mit dem unbegrenzten Einsatz dieser Mittel ist bald Schluss. Rattengifte mit Gerinnungshemmer, die man derzeit noch in vielen Geschäften kaufen kann, sollen schrittweise aus dem freien Handel genommen werden. Nur noch professionellen Schädlingsbekämpfern wie Mario Heising soll es dann gestattet sein, diese giftigen Köder auszulegen. Kammerjäger Heising, der zudem Vorsitzender des Landesverbands Berlin-Brandenburg im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband ist, befürwortet solch ein Gesetz.

"Wir haben in unserer Berufsgruppe einen relativ hohen Ausbildungsstand. Wenn ich mir überlege, dass ein Endverbraucher mit diesen Stoffen, was er anrichten könnte, wenn wir darüber reden. Wir arbeiten mit Köderdepots, der nicht, der legt das vielleicht auf der Kaffeeuntertasse aus und wie schnell kann es dann zu einer Vergiftung von Haustieren und oder Ähnlichen führen und da denke ich schon, da ist diese Entscheidung korrekt."


Der Senat von Berlin hat schon vor vielen Jahren festgelegt, dass nur noch Experten die giftigen Köder auslegen dürfen. Auf der Insel Amrum wurde die Rattenbekämpfung weniger strikt gehandhabt. Die Kommune kaufte die Köder und verteilte sie dann an seine Bewohner. Erik Schmolz, Rattenexperte beim Umweltbundesamt, kritisiert diese Vorgehensweise. Auch er hält ein bundesweites Gesetz für sinnvoll.

"Man hat festgestellt, dass eine Reihe dieser Blutgerinnungshemmer inakzeptable Umwelteigenschaften aufweisen. Sie sind ganz schlecht abbaubar in der Umwelt und sie reichern sich auch in anderen Lebewesen an und damit gibt es ein Risiko für die Umwelt."


Kritiker solch eines Gesetzes befürchten, dass durch das Verbot die Rattenpopulation wieder ansteigen könnte. Die Nager übertragen eine Vielzahl schwerer Krankheiten. FDP-Umweltpolitiker Lutz Knopek hält darum nichts von dem Verbot. Es stelle eine unverhältnismäßige Gefährdung der menschlichen Gesundheit dar, sagte der Biologe. In ländlichen Gegenden dürfen Bauern das Gift dann nicht mehr auf ihren Höfen auslegen, sondern müssen den Kammerjäger rufen. Das aber kostet Geld. Erik Schmolz:

"Natürlich wird es teurer, wenn man jetzt auf die Hilfe von Profis angewiesen ist. Natürlich sind Schädlingsbekämpfer Personen, die von Berufswegen eine solche Sachkunde besitzen, die auch eine Ausbildung durchlaufen haben. Aber es gibt auch andere berufsmäßige Anwender wie zum Beispiel Landwirte, die im Rahmen ihrer Ausbildung eine solche Sachkenntnis erworben haben."

Um dieses Fachwissen zu erlangen, wollen jetzt vermehrt Institutionen wie der TÜV Rheinland diese Schulungen anbieten.

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