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StartseiteInformationen am Mittag"Wir brauchen auch einen Platz zum Leben"18.06.2014

Obdachlose in Brasilien"Wir brauchen auch einen Platz zum Leben"

15.000 Obdachlosen gibt es offiziell in Sao Paulo. Auch durch Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen wurden sie im Vorfeld der Weltmeisterschaft von vielen Orten vertrieben. Doch viele wollen das nicht hinnehmen - und zeigen Präsenz.

Von Jonas Reese

Blick auf eine Platz mit fußballspielenden jungen Männern.  (Deutschlandradio.de / Jonas Reese)
Obdachlos in Sao Paulo: Die Betroffenen wollen auf ihre Situation aufmerksam machen (Deutschlandradio.de / Jonas Reese)
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Protesttag in Brasilien | Tumulte bei Demonstrationen in WM-Städten (Deutschlandfunk, Aktuell, 16.05.2014)

Vor dem schmucken Konzerthaus in Sao Paulos Innenstadt spielen eine Handvoll Männer in Flip Flops Fußball. Ihr Feld haben sie mit Kreide aufgemalt. Zwei Rucksäcke markieren die Torpfosten.

Einer von ihnen ist Alexandre. Er sieht nicht aus wie ein typischer Obdachloser. Silberne Halskette, Baseballkappe, Sonnenbrille. Er ist 32 Jahre alt, aber er kann sich nicht mehr erinnern, wie lange er schon auf der Straße wohnt.

"Das ist hier ein Kampf gegen Vertreibung und Unterdrückung. Wir spielen hier um mehr Rechte für uns einzufordern. Wir brauchen auch einen Platz zum Leben. Die Polizei glaubt, wir sind alle kriminell. Wir wollen auf uns aufmerksam machen und darauf, dass die Polizei immer härter gegen uns vorgeht. Im Moment ist die Lage ziemlich angespannt."

Alexandre ist einer von offiziell geschätzten 15.000 Obdachlosen in Sao Paulo. Mehr als halb soviele wie in ganz Deutschland. Zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft gab es eine große Vertreibungsaktion der Stadt. Auch durch Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen wurden die Obdachlosen zum Beispiel aus einem großen Auto-Tunnel auf dem Weg zum neuen WM-Stadion verscheucht.

Man wolle den WM-Touristen eben keine Stadt voller Penner präsentieren, sagt Padre Julio Lancelote. Er ist einer der Organisatoren dieses Fußballspiels.

"Die Stadt soll gewissermaßen gesäubert werden von diesen Personen. Die Obdachlosen sollen verschwinden. Sie sollen nicht sichtbar sein. Und mit der WM hat sich das Vorgehen verschlimmert. Bereits vor zwei Jahren mit den WM-Vorbereitungen. Und auch jetzt während der WM gibt es viel häufiger solche Aktionen."

In dieser Gegend vor dem Konzerthaus und auch ringsum das nicht weit entfernte offizielle FIFA-Public-Viewing sollen einige Vertreibungsaktionen stattgefunden haben. Um auf dieses Vorgehen aufmerksam zu machen hat Pfarrer Lancelote dieses Fußballspiel zusammen mit anderen Vereinen organisiert. In diesen Tagen der WM hilft der Fußball offenbar auch dabei, auf die Probleme aufmerksam zu machen, die er mitverschuldet hat.

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