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StartseiteUmwelt und VerbraucherOchsenfrosch und Riesenbärenklau05.02.2003

Ochsenfrosch und Riesenbärenklau

Eingewanderte Arten richten Schäden in der Natur an

<strong>Was haben Bisamratten, Riesenbärenklau, Staudenknöterich, Ochsenfrösche und Pharaonenameisen gemeinsam? Sie sind alle aus anderen Ländern und Kontinenten nach Deutschland eingewandert. Welchen Einfluss diese eingewanderten Tiere und Pflanzen auf die heimische Umwelt und Artenvielfalt haben, das beobachtet das Bundesamt für Naturschutz. </strong>

Von Elke Drewes

Die Bisamratte ist über mehrere Wege hierher gekommen. Und zwar hat man mal gedacht, dass das Fell sehr wertvoll ist. Sie ist dann in Frankreich und Tschechien aus Pelztierfarmen ausgebrochen und von beiden Seiten nach Deutschland eingewandert. Hauptsächliche Schäden richten sie an Dämmen an, die sie untergraben, so dass es bei Hochwasser zum Problem werden kann.

Doris Eberhardt vom Bundesamt für Naturschutz beobachtet, wie sich eingewanderte Tiere und Pflanzen verbreiten und ob sie ihre Umwelt verändern. Nicht alle eingewanderten Arten richten Schaden an. Mehr als 900 Tier- und Pflanzenarten sind in den vergangenen Jahrzehnten nach Deutschland gekommen. Nur 2 Prozent von ihnen aber sind für Mensch und Umwelt gefährlich. Ein bekanntes Beispiel ist der Riesenbärenklau. Sein Milchsaft verbrennt die Haut und löst Allergien aus. Weniger bekannt sind die Schäden, die der Staudenknöterich verursacht. Er hat weiße Blüten, große, runde Blätter und wächst an Bachufern:

Er verdrängt alle anderen Arten, weil er starke Wuchskraft hat, aber dennoch kann er die Ufer nicht halten, so dass sie abbrechen und in die Bäche reinfallen. Und was mich stark schockiert hat: ich hab ihn schon in den Gärten der Leute gesehen. Es ist sicher kein böser Wille, aber darauf sollte man achten, dass man solche Arten nicht in Gärten pflanzt. Man tut seinem eigenen Garten nichts Gutes und sie büchsen auch schnell mal aus.

An Bachufern verdrängt der Staudenknöterich alle andern Pflanzen, die aber wichtig sind, weil sie das Ufer mit ihren Wurzeln festhalten. Und dann wird es teuer, die absackenden Bachufer wieder zu befestigen. Ebenfalls eine große Gefahr an Teichen ist der Ochsenfrosch. Ursprünglich stammt er aus Nordamerika, fühlt sich aber auch in Baden-Württemberg ganz zu Hause. Der Frosch ist grünbraun und außergewöhnlich groß, etwa so wie zwei Handteller. Besonders in Teichen am Rhein ist er verbreitet. Und bei Hochwasser besteht die Gefahr, dass er aus den Teichen in den Rhein springt und von dort aus nach Norddeutschland gelangt:

Das Problem ist sein Fraßverhalten: er frisst heimische Amphibien, die alle geschützt sind und macht auch vor kleinen Vögeln nicht halt. Und da muss man zusehen, dass man die Ausbreitung kontrolliert.

Wenig Freude verbreitet auch die Pharaonenameise. Einem Gerücht zufolge soll sie aus Vorderasien in einem Sarkophag nach Deutschland gelangt sein. Reinhard Urner von der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen kennt die Tücken dieses kleinen Tieres:

Sie ist nur lebensfähig in Gebäuden und macht Probleme in Krankenhäusern, indem sie durch ihre Winzigkeit in sterile Verpackungen eindringt. Es ist schwer, sie wieder loszuwerden, weil sie in Klimaanlagen und Kabelkanälen drin sein kann. Man kann ein Haus nicht so entseuchen, dass man in jeden Winkel reinkommt.

Wenn neue Arten nach Deutschland kommen, weiß niemand, was genau passiert. Sie können dem Menschen lästig werden, ihre Umwelt verändern und sie können sich per Genmutation auch selbst verändern und dann explosionsartig ausbreiten. Ein Beispiel für das komplizierte Zusammenspiel von neuer Art und Umwelt ist die Kanadische Wasserpest. Sie hat sich auf Seen rasant ausgebreitet und wurde mit viel Aufwand und hohen Kosten auf dem Wasser gemäht. Jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Dann kam ein Fadenwurm und fraß ihre Knospen weg. Der Fadenwurm hält also die Wasserpest auf natürliche Weise in Schach.

Jetzt könnte man meinen, na gut, die ganze Bekämpfung war umsonst. Doch im Steinhuder Meer ist die Schwesterart, die Blutwasserpest aufgetreten. Die Art hat geringere ökologische Ansprüche, kommt mit schlechterer Wasserqualität zurecht und da ist die Frage, wird sich das alleine regulieren über Fadenwürmer oder andere Tiere, die die fressen oder wird diese Art wirklich zum Problem und zwar auf Dauer. Und das unterstreicht noch mal: man kann nicht vorher sehen, welche Arten zum Problem werden.

Deshalb richtet das Bundesamt für Naturschutz demnächst ein Internethandbuch ein mit Steckbriefen von 30 eingewanderten Arten. In einem weiteren Diskussionsforum kann jeder, der eine eingewanderte Art gesehen hat, Beobachtungen eintragen. So erhält das Bundesamt Informationen aus allen Landkreisen Deutschlands mit dem Ziel, die Ausbreitung der Arten zu verfolgen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

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