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StartseiteKommentare und Themen der WocheAndere Länder helfen ihren Schulen besser als Deutschland14.04.2021

OECD-PandemieberichtAndere Länder helfen ihren Schulen besser als Deutschland

Deutschland hat die Digitalisierung der Schulen verschlafen. Das hat uns nun auch die OECD mit Bezug auf Corona bescheinigt. Man solle besser auf Pragmatismus als auf Perfektion setzen, um die Pandemie und ihre Folgen im Bildungsbereich zu bekämpfen, kommentiert Claudia van Laak. Das gilt auch für analoge Hilfsmaßnahmen.

Kommentar von Claudia van Laak

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Eine Frau öffnet ein Fenster (Imago / Sonja Jordan)
Deutschland mag das Lüften in Präsenz-Klassenzimmern ordentlich machen, anderswo sieht die OECD Nachholbedarf (Imago / Sonja Jordan)
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Wir wussten es schon – aber es ist hilfreich, wenn eine unabhängige und über jeden Zweifel erhabene Organisation wie die OECD es noch einmal bestätigt: Deutschland hat die Digitalisierung der Schulen, die Digitalisierung der Bildung verschlafen. Um nicht weniger als 10 Jahre – wie es OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher am Mittwoch (14.04.21) auf den Punkt brachte.

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Pragmatik gewinnt

Wir erinnern uns: Jahrelang debattierten Bund und Länder über den milliardenschweren Digitalpakt für Schulen. Das Geld ist inzwischen da, fließt aber nicht ordentlich ab. Weil wieder einmal alles perfekt sein soll. Perfektion ist allerdings keine gute Eigenschaft, um eine Pandemie und ihre Folgen im Bildungsbereich zu bekämpfen, das hat der vorgelegte OECD-Bericht zu den Schulen gezeigt. Es gewinnen die Länder, die pragmatisch und kreativ vorgehen.

Beispiele Spanien und Niederlande

Beim Lernen auf Abstand gewinnt tatsächlich Spanien – das Land nutzt Bildungssendungen im Radio und Fernsehen, um die Lernlücken bei den Schülerinnen und Schülern zu schließen. Und die Handys, die fast alle Kinder besitzen. Die Bildungsministerinnen und Minister der Länder dagegen haben fast ausschließlich auf digitale Lern-Plattformen gesetzt – die anfangs unter der Belastung zusammenbrachen. Auch bei der Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit digitalen Endgeräten waren andere Länder schneller und kreativer – die Niederlande zum Beispiel. Hier zählte die Nachbarschaftshilfe. Auf lokaler Ebene konnten Firmen, Verwaltungen, Institutionen nicht mehr benötigte, aber noch funktionsfähige Laptops spenden – so kamen ärmere Schülerinnen und Schüler schnell an ihre Digitalgeräte und konnten so dem Distanzunterricht folgen.

Und wir? Vorgaben, Verordnungen & Co

In Deutschland scheitert ein pragmatisches Vorgehen in der Regel an Vorgaben, Verordnungen, an Haftungsfragen. Am Brandschutz! Mit diesen Argumenten erstickten die Schulverwaltungen auch die Initiativen von Eltern, die selber Lüftungsgeräte für die Klassenzimmer bauen oder spenden wollten.

Perfektion statt Pragmatismus – dies droht als nächstes beim geplanten milliardenschweren Bund-Länder-Nachhilfepaket. Eigentlich sollte das Programm vor den Sommerferien starten – schließlich müssen die entstandenen Lernlücken schnell geschlossen werden.

Karlicek vertröset beim Nachhilfepaket

Am Mittwoch nun vertröstete Bundesbildungsministerin Anja Karliczek auf den Herbst. Bis das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird, nämlich bei den bedürftigen Schülerinnen und Schülern, dürfte noch mehr Zeit vergehen.

Doch die nächste PISA-Studie kommt bestimmt – und mit ihr wieder einmal die Erkenntnis, dass der Bildungserfolg in Deutschland stärker als anderswo von der Herkunft abhängig ist.

Claudia van Laak  (Deutschlandradio / Bettina Straub) Claudia van Laak (Deutschlandradio / Bettina Straub)Claudia van Laak, Jahrgang 1963, zog nach ihrem Studium von Germanistik, Journalistik und Wirtschaftswissenschaften in die "Noch-DDR". In Thüringen arbeitete sie beim MDR, wechselte dort als Landeskorrespondentin zum Deutschlandradio. Danach Korrespondentin in Brandenburg, jetzt Leiterin des Landesstudios Berlin.

 

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