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StartseiteInformationen am MittagDeutschland auf dem Weg in die Altersarmut01.12.2015

OECD-RentenvergleichDeutschland auf dem Weg in die Altersarmut

Rentner haben in Deutschland ein deutlich höheres Armutsrisiko als in anderen EU-Ländern wie Frankreich oder Dänemark. Die Weichen dafür habe die Bundesregierung gestellt, kritisiert die OECD. Gleichzeitig sei Deutschland Spitzenreiter in einer Altersgruppe.

Von Gerhard Schröder

Ältere Menschen sitzen auf einer Bank. (Imago/Mangold)
Rentner können im kommenden Jahr mit einem kräftigen Anstieg der Bezüge rechnen. (Imago/Mangold)
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Das deutsche Rentensystem steht im internationalen Vergleich gut da. Die Rentenkassen sind gut gefüllt und nach Einschätzung der Organisation für Wirtschaftliche  Zusammenarbeit und Entwicklung OECD ist die Finanzlage auch langfristig stabil. Bis zum Jahr 2060 werden die Ausgaben – trotz demographischen Wandels nur moderat steigen, von derzeit 10 Prozent auf über 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein verkraftbarer Anstieg, sagt die OECD-Rentenexpertin Monika Queisser.

"Allerdings müssen wir in Zukunft darauf achten, dass auch die soziale Nachhaltigkeit des Rentensystems gewährleistet ist, das heißt dass diejenigen, die eben nicht durchgehend arbeiten oder nur sehr wenig Geld verdienen, auch ausreichend in der Rente geschützt sind. Heute ist die Altersarmut noch sehr gering, aber in der Zukunft muss man darauf achten, dass sie nicht ansteigt."

Gebrochene Erwerbsbiographien

Knapp drei Prozent der Ruheständler in Deutschland sind derzeit auf staatliche Leistungen angewiesen. Das allerdings wird sich ändern. Weil das Rentenniveau sinkt, die Zahl der Geringverdiener gestiegen ist, und es mehr gebrochene Erwerbsbiographien gibt. So nennen das die Rentenexperten, wenn die Zeiten der Beschäftigung immer wieder mal von Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen werden.

"Es sind vor allen Dingen die gefährdet, die sehr wenig Beiträge zahlen, weil sie nur vorübergehend arbeiten oder nur geringfügig arbeiten und sich von der Versicherungspflicht haben befreien lassen. Es sind aber auch kleine Selbstständige gefährdet, die in Deutschland eben keinen obligatorischen Versicherungsschutz haben. Das ist in anderen Ländern anders geregelt."

Wer mehr bezahlt hat, muss mehr herauskriegen?

Da viele Solo-Selbständige nicht ausreichend privat vorgesorgt haben, droht vielen von ihnen im Alter die Armut. Hier sollte der Gesetzgeber reagieren, und kleine Selbständige verpflichten, Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Was aber ist mit Geringverdienern, die lange in die Rentenkasse eingezahlt haben, und am Ende trotzdem nur eine Rente auf Sozialhilfeniveau heraus bekommen. Auch hier sieht die OECD-Expertin Handlungsbedarf:

"Vielleicht muss man dann auch von dem Prinzip der absoluten Äquivalenz - wer mehr bezahlt hat, muss mehr herauskriegen - bis zu einem gewissen Grad abweichen und denen, die wenig verdient haben, aber immer eingezahlt haben, auch eine bessere Rente geben."

Überraschend Spitzenreiter

Pläne dafür gab und gibt es, die frühere Arbeitsministerin Ursula von der Leyen konnte sich damit aber nicht gegen den Koalitionspartner FDP durchsetzen. Auch die Pläne der amtierende Arbeitsministerin Andrea Nahles für eine solidarische Lebensleistungsrente sind erstmal in den Schubladen verschwunden.

Gedämpft wird der Problemdruck derzeit durch die robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt. Davon profitieren auch ältere Beschäftigte, deren Chancen auf einen Job haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert:

"Deutschland ist in der Tat Spitzenreiter bei der Zunahme der Beschäftigung Älterer. Im OECD-Vergleich hat kein anderes Land so stark die Beschäftigung erhöhen können. Das ist eine sehr gute Entwicklung. Und gerade auch bei Frauen sehen wir, dass die Zunahme ganz stark ist. Das muss natürlich jetzt auch weitergehen, denn es gibt große Aufgaben zu bewältigen durch die Bevölkerungsalterung und auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel."

Mit der Rente ab 63 steige der Anreiz, vorzeitig aus dem Job auszusteigen. Damit habe die Bundesregierung genau die falschen Signale gesetzt, kritisierte Queisser.

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