Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk KroatienJournalisten halten kritische Berichterstattung für bedroht

Justitia vor grauem Himmel (imago stock&people)
Der Journalistenverband möchte das Mediengesetz ändern (imago stock&people)

Kroatische Journalisten und Medienwissenschaftler werfen dem Management des öffentlich-rechtlichen Rundfunks HRT vor, mit Klagen gegen Redakteure des eigenen Hauses kritische Berichterstattung unterbinden zu wollen.

Hintergrund sind Klagen wegen Berichterstattung, die vom HRT-Management als beleidigend empfunden wird. Der Sender ist unter anderem gegen den Verband der Medienschaffenden HND und gegen Redakteure des eigenen Hauses vor Gericht gezogen. Der Journalist und Kommentator der kroatischen Tageszeitung "Novi list", Tihomir Ponoš, sagte dem Deutschlandfunk (Audio), ganz besonders empfindlich reagiere das Führungspersonal, wenn ihm Misswirtschaft und eine falsche Senderpolitik vorgeworfen würden: "Sie mögen nicht, wenn Korruption und Probleme des Senders thematisiert werden. HRT hat sich schon vor langer Zeit von journalistischen professionellen Standards entfernt."

Die Mediendozentin der Universität Zagreb, Viktorija Car, sprach von einem "Klima der Angst" bei HRT. Es herrsche gegenseitiges Misstrauen zwischen Chefredaktion und Redakteuren.

HRT spricht von "Falschaussagen"

Die Führung der Rundfunkanstalt weist solche Vorwürfe zurück und betonte in einer Mitteilung, dass der HRT "die verfassungsrechtlichen Werte zur Sicherung der Meinungsfreiheit respektiere". Man sei zu rechtlichen Schritten gezwungen worden, um den guten Ruf des Rundfunks zu schützen. So hätten Journalisten des eigenen Hauses behauptet, beim HRT werde Zensur ausgeübt, obwohl sie wüssten, dass das nicht wahr sei.

Die kroatische Journalistenassoziation verzeichnet nach eigenen Angaben derzeit rund 1.000 Klagen gegen KollegInnen. Allein 30 Prozesse strengte der Staatssender HRT an. Der Journalistenverband HND organisierte im Frühjahr eine Protestaktion und forderte eine Überarbeitung des Mediengesetzes, um solche Klagen zu erschweren. Derzeit dürfe jede Person Schadensersatz fordern, wenn ihnen eine Berichterstattung "seelische Qualen" verursache.