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StartseiteKommentare und Themen der WocheTarifforderung geht nicht ins Unermessliche26.08.2021

Öffentlicher DienstTarifforderung geht nicht ins Unermessliche

Im Öffentlichen Dienst fordern die Gewerkschaften fünf Prozent mehr für die Beschäftigten. Damit bewege sich Verdi am oberen Rand der Forderungen in diesem Tarifjahr, kommentiert Birgid Becker. Aber gerade bei den unteren Lohngruppen könne man über die gestiegenen Preise nicht hinwegsehen.

Ein Kommentar von Birgid Becker

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Augsburg: Mitarbeiter der Stadtentwässerung Augsburg stehen bei einem Warnstreik hinter einem Transparent mit der Aufschrift «Tarifverhandlungen ohne das Recht zum Streik wäre kollektives Betteln».  (dpa/ Karl-Josef Hildenbrand)
Warnstreik während der letzten Tarifrunde im öffentlichen Dienst (dpa/ Karl-Josef Hildenbrand)
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Es gab noch keine Tarifrunde im Öffentlichen Dienst, die das Attribut "einfach" bekommen hätte. "Einfache" Runden gibt es eh nicht im Tarifgeschäft, auch nicht in diesem Jahr, da die DGB-Gewerkschaften zusammengerechnet über die Einkommensverhältnisse von zwölf Millionen Beschäftigen verhandeln. Bei gut 33 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland ist das eine ganze Menge, ein gutes Drittel, "einfach" ist da einfach nichts.

Aber trotzdem: Es hat schon etwas arg Ritualhaftes, immer aufs Neue jeder Tarifrunde, noch bevor sie begonnen hat, das Beiwort "schwierig" anzuhängen. Denn wie ist die Ausgangslage für die Öffentlich Beschäftigten der Länder in diesem Jahr? Mit fünf Prozent bewegt sich Verdi zwar am oberen Rand der Forderungen in diesem Tarifjahr – Banken, Einzelhandel, die Eisen-und Stahlindustrie und andere sind mit 4,5 Prozent ins Rennen gegangen.

Die Messlatte liegt hoch

Für die Beschäftigten der Energiebranche stehen im Forderungskatalog ebenfalls fünf Prozent. Für den Öffentlichen Dienst legt Verdi damit die Messlatte hoch, aber sie geht nicht ins Unermessliche. Und damit wäre die Ausgangslage für diese Tarifrunde schon mal weder "schwierig" noch "einfach" – sie wäre "normal".

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Orientierungspunkte für Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst bietet immer auch der Blick auf die Abschlüsse zuvor. Der vorangegangene Abschluss von Bund und Kommunen war eher mager; mit einem Rekordabschluss wie vor drei Jahren - ein Plus von rund acht Prozent - ist jedoch nicht mehr zu rechnen. Also, den Rekord gab es, das magere Jahr auch – da bleibt man doch jetzt am besten bei der "normalen" Mitte.

Inflationsraten, wie man sie lange nicht hatte

Was natürlich in der Tarifarithmetik zu Buche schlägt, das sind Inflationsraten, wie man sie lange nicht hatte. Drei Prozent und mehr, darüber kann man bei den Vergütungen gerade der unteren Lohngruppen nicht hinwegsehen.

Ansonsten aber: Wenn die öffentlichen Arbeitgeber die Tarifrunde nicht unnötig kompliziert machen - etwa durch Akrobatik bei der Eingruppierung - und wenn Verdi nicht nach dem Motto vorgeht: Nur eine Tarifrunde mit Streik ist eine gute Tarifrunde, dann steht einer nicht schwierigen, nicht einfachen, sondern einer normalen Tarifrunde nichts im Wege. Was hieße: Fordern, dagegenhalten, anbieten, ablehnen, verhandeln – fertig. Gute Tarifpolitik eben, geräuschlos, effizient, ein bisschen aus der Mode gekommen vielleicht.

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