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StartseiteKalenderblattÖffnung nach außen03.01.2008

Öffnung nach außen

Vor 140 Jahren endete die Militärherrschaft in Japan

Durch einen Staatsstreich erlangte der japanische Kaiser Mutsuhito nach einer 700-jährigen Herrschaft des Militärs wieder die Macht über die Armee. Gleichzeitig vollzog das bis dahin isolierte Land eine Öffnung.

Von Barbara Geschwinde

Der heutige 125. japanische Kaiser Akihito und die Kaiserin Michiko. (AP)
Der heutige 125. japanische Kaiser Akihito und die Kaiserin Michiko. (AP)

"Sie nahm das Fernrohr und ließ den Blick über die Bucht schweifen. Am Abend zuvor hatten hier sechs Schiffe geankert, Kriegsschiffe aus Russland, Britannien und Amerika. Inzwischen lag da ein siebtes, ein Dreimastschoner."

Eine Szene aus dem Roman "Die Stunde des Samurai" von Takashi Matsuoka. 1853 ankerten amerikanische Kriegsschiffe in der Bucht von Tokio. Diese sogenannten schwarzen Schiffe sind zu einem Symbol für die erzwungene Öffnung Japans geworden, denn das fernöstliche Land war mehr als 250 Jahre lang komplett von der Außenwelt abgeschottet gewesen. Die westlichen Staaten handelten in den folgenden Jahren Verträge mit für Japan ungünstigen Konditionen aus. Nach der Öffnung des Landes kam es zu Unruhen zwischen der Militärregierung im Shogunat Tokugawa und ihren kaisertreuen Gegnern.

1192 war in Japan eine Militärregierung an die Macht gekommen. Es war die erste in einer Reihe von Militärregierungen, die beinahe 700 Jahre lang das Land beherrschten. Am 3. Januar 1868 gab es einen Staatsstreich. Der japanische Kaiser Mutsuhito erklärte die Wiederherstellung seiner Macht. Ihm sollte die Befehlsgewalt zurückgegeben werden, die die japanischen Kaiser Jahrhunderte vorher an einen obersten Militärführer oder Shogun delegiert hatten. In Japan bezeichnet man diesen Staatsstreich auch als Meiji-Restauration. Der Japanologe Harald Meyer:

"Es gab eine bürgerkriegsähnliche Situation im Verlauf des Jahres 1868 auf beiden Seiten. Auf Shogunats-Seite wie auch auf Seite der Kaiserlichen gab es aber deutlich weniger als 10.000 Opfer, also ein relativ unblutiger Umsturz, der bewusst so gehalten wurde, man wusste, man darf das Ganze nicht auf die Spitze treiben angesichts der Gefahr von außen, tatsächlich kolonialisiert zu werden durch die westlichen Großmächte."

Unter Kaiser Mutsuhitos Regentschaft ging Japan von seinem fremdenfeindlichen Kurs ab. Das neue Motto lautete: "Zivilisation und Erleuchtung". Damit gelang dem bis dahin feudalistischen Staat der Sprung in die Neuzeit.

"Als Kaiser Mutsuhito mit 15 Jahren auf den Thron gesetzt wurde, war allen Beteiligten klar, dass man es mit einem ganz jungen Menschen zu tun hatte, der noch keine genauen Ansichten darüber haben konnte, wie sich Japan entwickeln sollte. Das haben tatsächlich andere für ihn in die Hand genommen. Das waren die eigentlichen Träger dieses Staatsstreichs, der 1867/8 erfolgreich durchgeführt wurde. Die Akteure gehörten alle zur unteren Samuraischicht. Das wurde auch allgemein toleriert, so dass man in der Geschichtsschreibung von der Meiji-Oligarchie spricht."

Mutsuhito wurde der 122. Kaiser Japans. Er verlegte seine Residenz von Kyoto nach Tokio, das übersetzt "östliche Hauptstadt" heißt. Zahlreiche Reformen wurden durchgeführt: Die japanische Ständeordnung wurde abgeschafft, eine allgemeine Schulpflicht eingeführt, Studenten und diplomatische Missionen wurden ins Ausland entsendet, das Militär wurde reformiert und eine allgemeine Wehrpflicht eingeführt.

"Erste Früchte zeigten sich dann in den großen Waffengängen, dem ersten chinesisch-japanischen Krieg 1894/5, wo man sehr schnell eine Entscheidung herbeiführen konnte gegen eine schlecht ausgerüstete chinesische Armee und Marine. Japan hat in dieser Zeit weltweit große Aufmerksamkeit erregt, gehörte zweifellos zur einzigen ortsansässigen Großmacht in Ostasien. Das hat sich dann später noch bekräftigt: Ohne dass man im Ersten Weltkrieg eigentlich aktiv mitgekämpft hat, war Japan dann auch in Versailles vertreten."

Am 30. Juli 1912 starb Kaiser Mutsuhito. Posthum wurde ihm der Name "Meiji", das heißt "Erleuchtete Herrschaft" verliehen. Das war das Motto seiner Regierungszeit. Noch heute wird Kaiser Mutsuhito im Meiji-Schrein mitten in Tokio verehrt, da er für die Modernisierung Japans steht, die unter seiner Regentschaft eingeleitet wurde.

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