Montag, 16.09.2019
 
Seit 08:50 Uhr Presseschau
StartseiteUmwelt und VerbraucherMeeresbewohner leiden unter Lärm16.08.2019

ÖkologieMeeresbewohner leiden unter Lärm

Kreuzfahrtschiffe, Bohrungen, Windkraftanlagen - der Schallpegel in den Meeren hat sich in diesem Jahrhundert stark erhöht, mit zum Teil tödlichen Folgen für Krebse und Meeresvögel. Auch Pinguine sind betroffen. Eine Ausstellung will nun auf dieses bisher wenig diskutierte Problem aufmerksam machen.

Von Peter Kaiser

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Kaiserpinguine haben sich während eines Blizzards am antarktischen Weddellmeer in einer Reihe aufgestellt. (imago / Mint Images)
Kaiserpinguine in der Antarktis - auch unter Wasser können Pinguine wohl noch sehr gut hören können und sind deshalb anfällig (imago / Mint Images)
Mehr zum Thema

Erdölsuche belastet Tiere Ein Hörtest für Pinguine

Artenschutz im südlichen Afrika Zählt das Tier mehr als der Mensch?

Streit an der Ostsee Hungrige Robben verärgern Fischer

"Wie ich beobachtet habe in der Antarktis, gibt es dort viele Menschen, viele Touristen, die mehr und mehr jedes Jahr in die Antarktis reisen, zum Beispiel letztes Jahr waren es 46.000, so ungefähr die Größe von Stralsund. Und wo es Menschen gibt, ist es auch laut. Deshalb ist es jetzt wichtig zu wissen, wie können die Tiere eine lautere Umwelt ertragen?"

Airguns, Schiffe und Windkraftanlagen

Seit dem Zweiten Weltkrieg, sagt der französische Ornithologe Michael Beaulieu, ist es in den letzten 60 Jahren generell immer lauter in den Weltmeeren geworden. In einigen Regionen hat sich der Pegel pro Jahrzehnt sogar verdoppelt, eine immense Schallkulisse ist entstanden, die inzwischen sogar Krebse tötet und Meeresvögel. Hauptlärmquellen sind die Rammarbeiten für die Off-Shore-Windkraftanlagen, dann militärische Aktivitäten, der allgemeine Schiffsverkehr und:

"Wir haben die Schallkanonen, die Airguns. Das sind die seismischen Untersuchungen, wo Explosionen gezündet werden, viele, viele hintereinander."

Die Airguns mit einem Schallpegel von bis zu 250 Dezibel sind 1000-mal lauter als ein Schiff, sagt Dorit Liebers-Helbig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Stralsunder Ozeaneum.

"Das sind Explosionen von einer Gewalt, dass fast alles, was sich in diesem Schallgel befindet, wird regelrecht zerfetzt. Und in der Arktis wird nonstop geschallt nach Erdöl und Erdgas."

Das Ozeaneum ist sowohl ein Museum als auch eine Forschungseinrichtung. Gerade der Unterwasserlärm, sagt Walforscher und Museumsdirektor Harald Benke, steht zurzeit im Fokus der Arbeiten hier. 

"Was wir wollen ist, erst einmal herauszustellen, was sind es denn für Lärmquellen? Wie laut ist überhaupt ein bestimmtes Rammen von Windkraftanlagen? Und was ist aber auch schon generell an Lärm verursacht durch Tiere, durch Erdbeben, durch Regen in den Meeren. "

Auch Pinguine sind betroffen

Diana Meyen, Pressesprecherin am Ozeaneum, weist darauf hin, dass auch entfernt von uns lebende Tierarten jetzt bedroht sind.

"Pinguine zum Beispiel leben in der Antarktis, einem stark geschützten Gebiet, und wir greifen dort trotzdem ein, um zum Beispiel Untersuchungen des Meeresbodens vorzunehmen, und wenn was genehmigt wird von Bundesbehörden, dann muss natürlich auch klar sein: Was für Auswirkungen haben diese Eingriffe?"

Im Forschungsprojekt "Hearing in Pinguins", das ebenfalls am Ozeaneum durchgeführt wird, untersuchen sowohl Michael Beaulieu als auch der Meeresakustiker Michael Dähne und dessen Kollegen aktuell das Hörvermögen von Pinguinen.

"Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Pinguine unter Wasser sehr gut hören können, beziehungsweise ihr Gehör auch bei großen Tiefen immer noch aufrecht erhalten können. Das heißt, sehr wahrscheinlich haben sie direktionales Hören, sie können die Richtung zu einem Signal ermitteln. Und sie haben die Tendenz, diesem Signal auszuweichen."

"Der Einzelne kann seine Handlungsweise hinterfragen"

In der aktuellen Ausstellung: "Kein Lärm Meer" am Ozeaneum wird, wie schon früher zum Thema Plastikmüll im Meer, vor allem Aufklärungsarbeit betrieben. Denn das Lärmproblem, sagt Diana Meyen, ist nur wenig in der Öffentlichkeit bekannt. Ebenso die Frage, was man als Einzelner dagegen tun kann?

"Natürlich kann man nicht so viel als Einzelperson tun wie beim Plastikmüll, aber man kann trotzdem, wenn man erst mal um dieses Problem weiß, seine eigene Handlungsweise hinterfragen. Und überlegt dann vielleicht, ok, wusste ich eigentlich, dass so ein Kreuzfahrtschiff so einen immensen Lärm macht unter Wasser?"

"Wusste ich überhaupt, dass der Jetski, mein Vergnügen, auch was anrichtet unter Wasser? Auf solche Themen können wir natürlich hier schon aufmerksam machen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk