Donnerstag, 21.03.2019
 
Seit 21:05 Uhr JazzFacts
StartseiteUmwelt und VerbraucherSchäbiges Geschäft mit Froschschenkeln20.05.2016

Ökologische FolgenSchäbiges Geschäft mit Froschschenkeln

Für die einen ist es eine Delikatesse, für die anderen schlicht Tierquälerei. Es geht um Froschschenkel. Die EU schützt die heimischen Frösche - importiert aber Millionen dieser Tiere.

Von Claudia Decker

Ein grüner Teichfrosch sitzt in Petershagen unter dem ausladenden Blatt einer Seerose.  (picture alliance / dpa / Boris Roessler )
Seit 1992 gilt in der EU die Fauna-und-Flora-Habitat-Richtlinie, nach der 20 Froscharten unter strengem Schutz stehen. (picture alliance / dpa / Boris Roessler )

"Ich esse Froschschenkel sehr gerne. Sie haben hervorragend zartes Fleisch. Vom Geschmack in Richtung junges Huhn, aber von der Konsistenz viel weicher und feiner – fantastisch, fast wie Butter."

Seit 1992 gilt in der EU die Fauna-und-Flora-Habitat-Richtlinie. Unter anderem schreibt sie den strengen Schutz von über 20 Froscharten vor und verbietet es, Frösche zu fangen oder zu verkaufen. Hat die EU mit dieser Richtlinie für eindeutige Verhältnisse gesorgt? Dr. Sandra Altherr, Diplom-Biologin von der Organisation Pro Wildlife, hat eine Studie über den internationalen Handel mit Froschschenkeln erstellt.

"In der EU dürfen die Länder keine Frösche mehr fangen. Die heimischen Frösche sind geschützt. Aber wir lassen importieren, aus den Entwicklungsländern. Und das ist sehr schäbig. Dort wird eine Naturplünderung unterstützt und wir hier konsumieren die Frösche. Wir haben festgestellt, dass die EU 100 bis 200 Millionen Frösche importiert, jedes Jahr. Das sind unvorstellbare Mengen."

Indonesien ist der größte Akteur im Froschschenkel-Verkauf nach Europa

Unsere Frösche müssen also nicht mehr dran glauben, sondern die in Indonesien, Vietnam, Taiwan und China und in der Türkei. Indonesien ist heute der größte Akteur im Froschschenkel-Verkauf nach Europa. Sein Aufstieg begann in den 80er-Jahren, als Indien und Bangladesch, die bis dahin führenden Exporteure, Verbote erlassen hatten. Nicht aus Liebe zum Frosch, sondern weil es fast keine Tiere mehr gab. In den frühen 70er-Jahren hatte Indonesien weniger als 1.000 Tonnen nach Europa geliefert, heute sind es fast 4.000 Tonnen. Die Hauptabnehmer sind unsere Nachbarn Belgien, Frankreich, die Niederlande, sie beliefern auch deutsche Restaurants und den Online-Handel. Kunden erfahren nicht, was ein Frosch erlitten hat, damit seine Schenkel auf unseren Tellern landen. Ein asienreisender Gourmet hat es mitansehen können:

"Wenn Sie über einen chinesischen Markt gehen, sehen Sie jede Menge lebender Tiere. In Aluminiumschüsseln sitzen auch die Frösche, krabbeln übereinander, haben nur das Notdürftigste an Wasser. Und dann werden sie herausgenommen und dann hackt man ihnen bei lebendigem Leib die Schenkel ab. Man kann da zugucken, und dann bleibt einem eigentlich der Appetit weg."

So geht es zu auf lokalen Märkten in Asien. Und für den Export nach Europa? Kaum anders. Die Diplom-Biologin Sandra Altherr:

"Ganz viele Frösche werden mit Speeren gefangen, wo der Fänger nachts an den Teichen lang läuft oder im Reisfeld und mit dem Speer die Frösche aufspießt. Viele Tiere sind natürlich noch nicht tot. Dann kommen sie in Kisten, werden an einem zentralen Platz gesammelt und man entfernt ihnen die Hinterbeine mit der Schere, man schneidet also das lebende Tier durch oder zerhackt es und der vordere Teil ist damit auch nicht unbedingt tot und geht elend zugrunde."

Frösche sind unglaubliche Insekten-Vernichtungsmaschinen

Indonesien also ist zur Nummer eins unter den Froschschenkel-Exporteuren aufgestiegen und dürfte wie vorher Indien und Bangladesch die Folgen seines ungehemmten Fangs von Amphibien bald zu spüren bekommen.

"Frösche sind unglaubliche Insekten-Vernichtungsmaschinen. Die fangen Moskitos, ernähren sich von Schnecken, die zum Beispiel in der Landwirtschaft große Schäden anrichten. Aber wenn man die Frösche millionenfach wegfängt, dann explodieren d Agrarschädlinge. Man muss viele Pestizide einsetzen, in Tonnen werden die eingesetzt. Das hat schlimme Folgen für die Gewässerqualität, überhaupt für die ganze Ökologie."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk