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StartseiteDeutschland heuteEine Seilbahn als Weg aus dem Kölner Verkehrschaos?21.02.2019

ÖPNVEine Seilbahn als Weg aus dem Kölner Verkehrschaos?

Staufrei, ampelfrei, emissionsfrei - das kriege derzeit kein anderer Verkehrsträger in Köln hin, sagte der Lokalpolitiker Thomas Schmeckpeper von der Ratsgruppe GUT im Dlf. Mit einer Seilbahn lasse sich der öffentliche Transport verbessern. In anderen Städten funktioniere das schon, so Schmeckpeper.

Thomas Schmeckpeper im Gespräch mit Anh Tran

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Seilbahnen in La Paz, Bolivien (picture alliance / dpa)
Eine Stadt-Seilbahn als Alternative zu Bus und Straßenbahn (hier in La Paz, Bolivien) (picture alliance / dpa)
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Anh Tran: So eine Seilbahn im Zickzack über dem Rhein. Das klingt kurios. Wie kommt man auf so eine Idee?

Thomas Schmeckpeper: Wir haben ja eine sehr aktuelle und sehr breite Diskussion zum Thema Verkehrswende, zum Luftreinhalteplan, zum Thema Fahrverbote. Wir haben ja jetzt sehr lange zum Beispiel über den U-Bahn-Tunnel diskutiert auf der Ost-West-Achse. Wir haben eine sehr emotionale Diskussion über die Busspuren auf der Aachener Straße, und wir haben uns hingesetzt, haben das bestehende System des öffentlichen Nahverkehrs in Köln analysiert und haben uns überlegt, welche neuen technischen Optionen wir haben, um gute Lückenschlüsse zu produzieren in diesem Netz.

Tran: Hattet Ihr vielleicht auch ein Vorbild, wo ihr gesagt habt, Mensch, so eine Seilbahn, jetzt vielleicht nicht in Deutschland, aber die gibt es schon woanders?

Schmeckpeper: Köln hat bei der Verkehrsplanung die große Herausforderung, dass Köln im Stadtzentrum einen antiken und mittelalterlichen Stadtgrundriss hat. Dazu wird das Stadtgebiet auf kompletter Länge durch den größten Strom Europas quasi zerteilt. Also, der Rhein, wenn man so will, ist der gordische ÖPNV-Knoten. Wir haben uns überlegt, mit welcher Technologie wir diese Nadelöhre, sprich die Brückeninfrastruktur entlasten können, und sind dann auf das Beispiel Seilbahn gestoßen und haben ganz tolle Beispiele in anderen Städten gefunden.

Tran: Und das wären zum Beispiel?

Schmeckpeper: Südamerika ist Vorreiter. In Medellín, Kolumbien, oder in La Paz. Aber es gibt mittlerweile auch tolle Beispiele etwa in London, in Ankara oder in Portland in den USA.

20 bis 30 Personen pro Gondel

Tran: Jetzt haben wir ja schon gehört, die Seilbahn soll über 33 Kilometer lang sein, sie soll im Zickzack verlaufen. Aber wir brauchen auch natürlich ein bisschen Hörerservice. Wie kann man die sich denn genau vorstellen, wie soll die aussehen?

Schmeckpeper: Die Wunschvorstellung ist, dass zum Beispiel ein Pendler, der im Süden der Stadt wohnt, in Porz-Langel, dass der morgens auf sein Rad steigt, nach Porz fährt, in die Gondel einsteigt, das Rad mitnimmt, sich hinsetzt, die Zeitung rausholt, bis in den Innenstadtbereich fährt und dann dort weiterradeln kann.

Tran: Also da sollen jetzt nicht nur zwei schlanke Personen reinpassen?

Schmeckpeper: Nein. Moderne Seilbahnsysteme, da waren wir selbst auch relativ überrascht, können nicht nur wahnsinnig große Kapazitäten transportieren - so moderne Gondeln, da passen schon 20 bis 30 Personen rein, da kann man Fahrräder mitnehmen, da kann man Kinderwagen, Rollatoren, Gepäck mitnehmen. Und sie bewegen sich dabei auch noch mit einer Geschwindigkeit von 25 bis 30 km/h. Staufrei, ampelfrei, emissionsfrei. Das kriegen wir derzeit mit keinem anderen Verkehrsträger in dieser Stadt hin.

Tran: Und wie oft soll die dann durch die Stadt fahren?

Schmeckpeper: Technisch möglich ist eine Taktung von 30 bis 40 Sekunden. Das bedeutet dann auch zum Beispiel, dass man so gut wie keine Wartezeiten an den Stationen hat. Das heißt, die Stationsinfrastruktur lässt sich relativ minimalinvasiv bauen, da man kaum Aufstellflächen für wartende Passagiere braucht.

Tran: Warum ist da keiner vorher drauf gekommen?

Schmeckpeper: Das haben wir uns auch gefragt.

Tran: In Köln hat man schon Erfahrungen mit Seilbahnen gemacht, und die waren nicht immer ganz gut. Wir erinnern uns an 2017, als da 65 Fahrgäste aus den Gondeln gerettet werden mussten, über dem Rhein. Wie sicher ist denn so eine Seilbahn?

Schmeckpeper: Das Unglück, das wir zuletzt hatten in Köln, beruht ja auf einer Seilbahntechnik, die jetzt auch mittlerweile 60, 70 Jahre alt ist. Das kann bei modernen Systemen so nicht mehr passieren, weil moderne Gondeln einen eigenen Motor quasi mit sich transportieren, der die Gondel in einem Notfall, wenn das Förderseil nicht mehr transportieren kann, die Gondel selbstständig zurück in die Station fährt. Da müssen dann also nicht mehr die Höhenretter raus aufs Seil.

Erstmal eine Machbarkeitsstudie

Tran: Bisher ist das Rheinpendel nur eine Idee. Das war jetzt auch in ganz vielen Medien auch schon zu hören. Aber am Ende spielt ja immer noch die Politik auch eine Rolle. Und auch die Kommunalpolitik ist ja nicht immer die einfachste. Für wie realistisch halten Sie es, dass das politisch auch umgesetzt wird, das Rheinpendel?

Schmeckpeper: Wir sind ja sehr bewusst mit dieser Idee zuerst an die Öffentlichkeit gegangen. Wir sind eine kleine Wählergruppe, wir haben zwei Sitze von 90 in diesem Stadtrat. Wir hatten schon die Befürchtung, dass, wenn wir das zuerst in die politischen Gremien tragen, dass es dort einfach ein Stück weit zerhackt wird von den großen politischen Mitbewerbern im Rat. Und normalerweise läuft es ja auch eher so, dass in der Politik Ideen produziert werden, daraus folgen dann Mehrheiten und Beschlüsse.

Und anschließend startet man dann irgendwann eine Bürgerbeteiligung. Wir haben uns gedacht, das probieren wir jetzt einfach mal andersherum. Wir geben das raus an die Öffentlichkeit, wir gucken, wie die Reaktionen sind, sowohl von den Bürgerinnen und Bürger in Köln, aber auch natürlich von Verkehrsexperten und Wissenschaftlern. Und wenn uns das ermutigt und bestätigt in dieser Idee, dann haben wir ein Pfund in der Hand, mit dem wir dann auch in die politischen Gremien reingehen können.

Tran: Und was ist dann jetzt der nächste Schritt?

Schmeckpeper: Der nächste Schritt wäre erst mal eine Machbarkeitsstudie. Für die müssen wir dann jetzt unsere Mehrheiten suchen im Stadtrat. Da sind wir aber relativ optimistisch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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