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StartseiteInformationen am MorgenBrigitte Bierlein: Stets die Erste31.05.2019

Österreichs künftige KanzlerinBrigitte Bierlein: Stets die Erste

Nach dem Sturz der Regierung von Ex-Kanzler Sebastian Kurz, wird Österreich das erste Mal eine Kanzlerin bekommen. Brigitte Bierlein gilt als ehrgeizig und zielstrebig. Sie war bereits Staatsanwältin, Generalanwältin und Präsidentin am Verfassungsgerichtshof. Noch ist sie vielen aber eine Unbekannte.

Von Srdjan Govedarica

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Die österreichische Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein in der Präsidentschaftskanzlei: Sie wird Österreichs erste Kanzlerin. (picture alliance/APA/picturedesk.com)
Die österreichische Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein in der Präsidentschaftskanzlei: Sie wird Österreichs erste Kanzlerin. (picture alliance/APA/picturedesk.com)
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Bundespräsident Alexander van der Bellen tritt in der Wiener Hofburg vor die Presse und hat etwas zu verkünden:

"Heute freue ich mich, Ihnen eine Persönlichkeit vorzustellen, über die eine Zeitung einmal geschrieben hat ‚stets die Erste‘. Und sie wird wieder die Erste sein, nämlich die erste Kanzlerin der Republik Österreich."

Stets die Erste – dieses Motto zieht sich wie ein roter Faden durch den Lebenslauf von Brigitte Bierlein. Sie wird 1949 im dritten Wiener Bezirk geboren. Eigentlich wollte sie Kunst oder Architektur studieren. Letztlich entscheidet sich aber für Rechtswissenschaften. Ab da geht es für sie nur steil nach oben: Mit 26 legt sie die Richteramtsprüfung ab, mit 28 wird sie Staatsanwältin, mit 41 erste weibliche Generalanwältin, 2003 dann Vizepräsidentin am Verfassungsgerichtshof – ebenfalls als erste Frau in diesem Amt. Damals sagt sie in einem Interview:

"Ich hatte einfach Glück. Inzwischen sind die Frauen in allen Domänen, Gott sei Dank. Ich hatte einfach Glück, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, das hat sich so ergeben".

Bierlein's Ruf: zielstrebig und ehrgeizig

Anfang 2018 wird Brigitte Bierlein zur Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes ernannt, auch hier als erste Frau überhaupt. Sie hat den Ruf, zielstrebig und ehrgeizig zu sein und hohes Ansehen in Kollegenkreisen zu genießen. Als Hüterin der Verfassung engagiert sie sich besonders für den Schutz des Rechtsstaates. Beim Verfassungstag im vergangenen Oktober hält sie eine eindringliche Rede:

"Gerade in der Zeit, wie sie nicht nur die Europäische Union mit dem Rückbau von Demokratie und Rechtsstaat in einzelnen Mitgliedsstaaten erlebt, zeigt, dass die parlamentarisch-demokratische Gesellschaftsordnung nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder von Neuem verteidigt werden muss."

Brigitte Bierlein werden gute Kontakte zur ÖVP von Sebastian Kurz und auch zur FPÖ nachgesagt. Parteimitglied ist sie aber nicht. ORF Innenpolitikchef Hans Bürger:

"Sie gilt als konservativ. Sie hat sich vor zehn Jahren schon gegen fixe Frauenquoten in Betrieben ausgesprochen. Auf der anderen Seite gilt sie doch als sehr liberal. Und wenn alle Parteien von SPÖ bis FPÖ mit ihr leben können, beziehungsweise es auch ausdrücklich begrüßen, dass sie es geworden ist, dann hat offensichtlich Alexander van der Bellen eine sehr gute Wahl getroffen.

Der Name "Bierlein": Noch nicht allen geläufig

Viele Österreicher haben den Namen Brigitte Bierlein schon mal gehört. Dennoch dürfte Wikipedia am Tage ihrer Nominierung viele Zugriffe aus Österreich verzeichnet haben.

" Ich hab's mitbekommen, aber ich kenne sie nicht. Ich hab nur ein Foto von ihr jetzt gesehen."

"Eine Dame mit einer dunklen Haarpracht."

"Es ist natürlich nur für den Übergang, aber ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung. Auf alle Fälle."

"Ich bin froh, dass wir eine haben. Ich glaube, dass das Modell viel besser ist, als wenn wir eine Alleinregierung haben, die nicht vom Parlament unterstützt wird."

"Ich find's ein bisschen schade, dass die erste Rolle der Frau sozusagen für die Interims-Rolle verschwendet wird." 

Brigitte Bierlein soll voraussichtlich Anfang der kommenden Woche vereidigt werden. Mit Blick auf ihre neue Aufgabe zeigt sie sich in der Wiener Hofburg ehrfürchtig:

"Ich sehe es als meine staatspolitische Verantwortung in dieser, bisher einmaligen Situation in der Geschichte der zweiten Republik, meinen Teil beizutragen und diese hohe Verantwortung zu übernehmen."

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