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StartseiteSport am Wochenende"Offensichtlich braucht Erdogan solche Bilder"08.06.2019

Özil & Erdogan"Offensichtlich braucht Erdogan solche Bilder"

Bei der Hochzeit von Mesut Özil war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Trauzeuge und gab dem Ehepaar einen Rat in Sachen Familienplanung. Es sei schlimm, dass der Ex-Nationalspieler sich dafür hergebe, Werbeplattform für einen Diktator zu sein, sagte Grünen-Politiker Cem Özdemir im Dlf.

Cem Özdemir im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Das Foto des türkischen Präsidialamtes zeigt Recep Tayyip Erdogan (rechts) sowie den Fußballer Mesut Özil (Mitte) und seine Verlobte Amine Gulse in Istanbul. (dpa-Bildfunk / Presidential Press Service )
Bei der Hochzeit von Ex-DFB-Nationalspieler Mesut Özil und Model Amine Gülse war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der offizielle Trauzeuge (dpa-Bildfunk / Presidential Press Service )
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Neue Aufregung um Mesut Özil. Bei der Hochzeit des Ex-DFB-Nationalspielers und Model Amine Gülse war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der offizielle Trauzeuge. Außerdem hielt er eine Rede. Darin forderte er das Paar zum Kinder zeugen auf. Offensichtlich brauche Erdogan solche Bilder, da seine Popularität im Land zurück gehe, sagte der türkischstämmige Grünen-Politiker Cem Özedmir im Dlf. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in der Türkei sei Erdogan auf Unterstützung angewiesen.

"Bei autoritären Herrschern ist nichts privat"

Schade sei es nur für die jungen Leute, die Mesut Özil bisher als Vorbild angesehen hätten, dass dieser sich als Werbeplattform für einen Diktator hergebe, sagte Özdemir. 

Es sei bekannt, dass Erdogan sich in alles einmische. Er mische sich in die Verhütung ein und in jeden anderen Lebensbereich. "Er macht auch nicht vor dem Schlafzimmer halt", sagte Özdemir. "Das ist eben so bei autoritären Herrschern, nichts ist privat."

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir (picture alliance/dpa - Marijan Murat)Der Grünen-Politiker Cem Özdemir (picture alliance/dpa - Marijan Murat)

"Erdogans Ära neigt sich dem Ende zu"

Der Auftritt und die Inszenierung deute allerdings darauf hin, dass Erdogans Ära sich dem Ende zuneige. Es sei schlimm, dass Özil sich dafür hergebe, das Land weiter zu spalten, sagte der Politiker. 

Özil fühle sich wohl angenehmer in der Umgebung von Despoten, als an der Seite von demokratisch gewählten Bundeskanzlerinnen. Deswegen sei sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft auch nur konsequent. So einer dürfe sein Land dann auch nicht als deutscher Nationalspieler vertreten.

Es sei sehr stark anzunehmen, dass Özil sein Erdogan-Foto im Sommer 2018 aus Überzeugung gemacht habe und dies kein Zufallsprodukt gewesen sei. 

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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