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StartseiteSport am WochenendeAthleten meutern gegen den Bundestrainer22.11.2020

Offener Brief von Schach-NationalspielernAthleten meutern gegen den Bundestrainer

Die Rede ist von einem Vertrauensbruch: Das Verhältnis von zwölf Schach-Nationalspielerinnen und -spielern zu ihrem Bundestrainer ist zerrüttet. Sie wollen nicht mehr unter ihm für die Nationalmannschaft antreten und erwarten vom Schachbund eine Reaktion.

Sarah Papp im Gespräch mit Marina Schweizer

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Weiße Schachfiguren stehen vor schwarzem Hintergrund auf einem Schachbrett. (Unsplash / sk)
Zwölf Schach-Nationalspielerinnen und -spieler stellen sich offen gegen ihren Bundestrainer. (Unsplash / sk)
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Zwölf Kaderspielerinnen und -spieler haben sich in einem Schreiben an die Öffentlichkeit und gegen das Präsidium des Deutschen Schachbundes und Bundestrainer Dorian Rogozenco gewandt. Keine Struktur bei der Leistungssportförderung, keine Kontinuität und Intransparenz: Das prangern die Athletinnen und Athleten an. Außerdem ist die Rede von destruktiven Entscheidungen des Bundestrainers. Zu den Unterzeichnern gehört neben dem jungen Ausnahmetalent Vincent Keymer auch Athletensprecherin Sarah Papp.

Die Verfasser des Briefs würden "nicht sehen, dass man noch sportlich zusammenarbeiten kann", so Papp. Sie wollen nicht mehr für die Nationalmannschaft antreten, solange Rogozenco Bundestrainer bleibt: "Eigentlich muss da auch der Verband hellhörig werden und sagen: Okay, das Verhältnis ist so zerrüttet, dass man nicht mehr miteinander arbeiten kann."

Streit um die Nominierungen

Im Dlf-Interview spricht Papp davon, dass insbesondere das Verhältnis der Spielerinnen zum Bundestrainer nicht das Beste sei. Der Ton sei teilweise rau und unpassend.

Papp bemängelt, dass es Konflikte gegeben habe, die nicht aufgearbeitet worden seien. Ein Thema: Die Nominierungen. Beim Deutschen Schachbund gibt es einen Bundestrainer für alle Nationalmannschaften und für die Frauen einen eigenen Kapitän. Die Absprache sei, dass dieser in eigener Verantwortung Nominierungen vornehmen kann. Daran habe man sich nicht gehalten: "Und gleichzeitig wurde behauptet, dass es nie so eine Absprache gegeben habe, obwohl es da sogar Pressemitteilungen gab." Ein Missverständnis, wie es der Verbandspräsident in einer Mitteilung Mitte November dargestellt hatte, sei das nicht gewesen: "Meines Erachtens war das ganz klar."

Der Frauen-Kapitän sei wegen der Angelegenheit zurückgetreten. Ohnehin habe man in den letzten drei Jahren jedes Jahr einen neuen Kapitän gehabt: "Und es ist halt schwierig, wenn man jedes Jahr zu einem Turnier fährt, den Trainer gar nicht kennt und dann eine super sportliche Leistung bringen soll, was natürlich deutlich einfacher ist, wenn man im Vorfeld schon mit diesem Trainer trainiert hat, wenn er die Stärken und Schwächen der Spielerinnen kennt."

Vertrauensbruch unter den Nationalspielerinnen und -spielern

Schach-Nationalspielerin Papp berichtet auch von einem Vertrauensbruch: Im Vorfeld der deutschen Einzelmeisterschaft in diesem Jahr habe der Bundestrainer mit einem Spieler trainiert und ihn auf das Turnier und Spiele gegen andere Kader-Mitglieder vorbereitet. "Das ist ein absolutes No-Go." Der Bundestrainer müsse objektiv sein und könne nicht einen Spieler, weil er mit ihm befreundet sei, bevorzugen.

Man habe sich vor dem Offenen Brief mehrfach an den Verband gewandt, die Probleme würden aber totgeschwiegen. Der Brief sei deshalb der letzte mögliche Schritt gewesen, so Papp.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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