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StartseiteSport am WochenendeEin Blick ins Bewerberfeld01.04.2018

Olympia 2026Ein Blick ins Bewerberfeld

Das Interesse an der Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2026 ist enorm. Sieben Kandidaten erwägen eine Bewerbung. Wo die Spiele letztendlich ausgetragen werden, entscheidet sich erst im September 2019. Klar ist aber schon jetzt: Das IOC will wieder Spiele in klassischen Wintersportregionen.

Von Heinz Peter Kreuzer

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Unter den Interessenten für Olympia 2026 sind Graz und Schladming in der Steiermark (imago sportfotodienst)
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1999 verkündet der mittlerweile verstorbene Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, Turin als Austragungsort für die Winterspiele 2006. 20 Jahre später will Turin gemeinsam mit Mailand wieder Olympische Spiele ausrichten. Ed Hula, Chefredakteur des Branchendienstes Around The Rings, schätzt die Chancen der Italiener als nicht allzu groß ein:

"Italien hat Probleme mit der nationalen und lokalen Politik, sie schaffen es nicht, sie hinter die Bewerbung zu bekommen. Am Ende könnten sie sich Schweiz, Österreich und Schweden als mögliche Austragungsorte für 2026 herausschälen."

Wieder Spiele in klassischen Wintersportregionen

Denn der Olympiaexperte betont, das IOC wolle wieder Spiele in klassischen Wintersportregionen. Und die olympische Bewegung hab aus den Fehlern des Bewerbungsverfahrens für 2022 gelernt. Damals traten sechs Städte an, eine nach der anderen zog zurück, am Ende blieben die ungeliebten Kandidaten aus Peking und Almaty übrig. Ursache dafür war, dass das IOC die Städte mit ihren Problemen alleingelassen hatte.

"Dieses Mal gibt es von Seiten des IOC mehr Beratung und Beteiligung, um eine nachhaltige Bewerbung für die Winterspiele zu erstellen."

Trotzdem bleibt den europäischen Kandidaten aus Graz und Schladming, Stockholm, Turin/Mailand und Sion noch genug Arbeit, um Politik und Bevölkerung zu überzeugen. Zum Beispiel Sion muss noch mindestens ein Referendum überstehen. Im Juni stimmt das Wallis über die Olympiabewerbung ab. In diesem Fall ist das Bewerbungskomitee zuversichtlich, dass die Mehrheit mit Ja votiert. Nachdem der Nationalrat schon etwa 850 Millionen Euro für die Winterspiele zugesagt hat, wurde im Parlament noch eine nationale Volksbefragung durchgesetzt. Initiatorin war die Nationalrätin Silva Semadeni, eine erklärte Olympiagegnerin:

"Es würde die Möglichkeit bestehen, ein fakultatives Referendum zu ergreifen, und das gäbe der Bevölkerung die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Ich denke, für eine so große Angelegenheit, für so viel Geld, es geht um eine Milliarde Franken für diese Mega-Spiele, ist es gut, wenn sich die Bevölkerung äußert."

Wenn der Ständerat der Volksbefragung zustimmt, ist die Bewerbung in Gefahr, Das Referendum könnte frühestens im Februar 2019 durchgeführt werden, die Kandidatur muss aber schon einen Monat zuvor eingereicht werden.

Auch die Türkei will die Spiele

Die notwendige politische Unterstützung hat Erzurum, denn der türkische Präsident Erdogan hat sich für Winterspiele ausgesprochen. Da ist keine Opposition zu fürchten. Bisher hat Erzurum Europäische Winter-Jugendspiele ausgerichtet, mit Olympia kaum zu vergleichen. Deshalb meint Ed Hula:

"In Erzurum gibt es Herausforderungen wie Transport und andere logistische Dinge, die es schwierig machen, eine glaubwürdige Bewerbung abzugeben, besonders wenn man gegen Städte mit einer riesigen Wintersporterfahrung antritt."

Erzurum scheint also trotzdem Außenseiter zu sein, das gilt auch für die außereuropäischen  Konkurrenten, allen voran das japanische Sapporo. Die Japaner sind beim IOC nicht erste Wahl. Für den Gastgeber von 1972 sieht der Olympiaexperte kaum Chancen:

"Ich glaube nicht, dass das IOC Olympische Spiele zum vierten Mal in so kurzer Zeit nach Asien vergibt. Calgary ist auch an den Spielen 2026 interessiert, aber das wird eine schwierige Bewerbung im Kampf um politische Unterstützung und den Rückhalt in der Bevölkerung. "

Calgary ist ebenfalls interessiert

Zwar haben die nationale Regierung und die der Provinz Alberta zusammen etwa 13 Millionen Euro zugesagt, jedoch unter der Bedingung, dass ein Referendum abgehalten wird. Diese Forderung wird auch vom Kanadischen Steuerzahlerbund unterstützt - Direktor Colin Craig:

"Olympia zu veranstalten unterscheidet sich von den Kernkompetenzen einer Stadt wie Polizei und Infrastruktur. Man muss deshalb die Bevölkerung einbeziehen, wie es auch Vancouver getan hat. Wir haben die Bewerbung noch gar nicht gestartet und schon steigen die Kosten - das ist atemberaubend."

Und Marcel Latouche vom nationalen Institut für das Controlling des öffentlichen Sektors ergänzt:

"Soweit es die Sportstätten betrifft, ist es ein Witz. Das IOC sagt, dass wir bei den Spielen die Anlagen von 1988 nutzen können - vergiss es."

Jetzt bleibt die Frage: Welcher der sieben Interessenten hält bis zur Kandidatenkür durch. Das wird man erst im Januar kommenden Jahres wissen. Dann müssen die Städte ihre Unterlagen beim IOC eingereicht haben.

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