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StartseiteSport am WochenendeNeuer Sponsor Airbnb sorgt für Kritik24.11.2019

OlympiaNeuer Sponsor Airbnb sorgt für Kritik

Das Internationale Olympische Komitee hat einen neuen Großsponsor: Das Online-Portal Airbnb. Offenbar zahlt das Unternehmen bis zu eine halbe Milliarde US-Dollar an das IOC. Kritik kommt vor allem aus Paris, dem Gastgeber der Sommerspiele 2024. Die Stadt liegt im juristischen Streit mit der Plattform. 

Von Heinz Peter Kreuzer.

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Eine Flagge mit dem Logo für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020. (dpa / Michael Kappeler)
Airbnb will als neuer Sponsor des IOC bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 mehr als 70 Millionen Dollar verdienen. (dpa / Michael Kappeler)
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"Wir kündigen an, dass Airbnb offizieller Partner des IOC wird", sagte IOC-Präsident Thomas Bach, als er den Vertrag freudestahlend unterzeichnete. Vielleicht war ihm schon da klar, dass es Proteste geben würde. Denn der neue Partner Airbnb ist in vielen Metropolen dieser Welt umstritten. Die Kritik: Wenn viel privater Wohnraum an Touristen vermietet wird, verdrängt das Dauermieter und die Mietpreise steigen. Viele Städte wie auch die Olympia-Gastgeber Los Angeles und Tokio haben scharfe Restriktionen gegen Kurzzeit-Vermietung.

Kritik an Airbnb

Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfeldes Finanz- und  Wohnungsmärkte beim Institut der deutschen Wirtschaft, bescheinigt Airbnb, Wohnraum in den Städten sinnvoll zu nutzen. Aber:

"Problematisch ist es natürlich, wenn es einzelne Investoren gibt, die ganze Häuserblöcke kaufen und nur noch an Feriengäste vermieten. Das entzieht dem Wohnungsmarkt Kapazitäten und darüber muss man reden, wie man hier eine vernünftige Regulierung hinbekommt."

Airbnb hat einen Rechtsstreit mit Paris

Auf Konfrontation und juristische Schritte setzt die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Sie hat Airbnb im Februar auf 12,5 Millionen Euro verklagt. Und jetzt auch in einem offenen Brief IOC-Präsident Bach vor dem Sponsoringvertrag gewarnt. Ein Grund für den Widerstand gegen die Vermietungsplattform könnten die Kommunalwahlen im kommenden Frühjahr sein. Da eignen sich die Olympischen Spiele als Bühne. Zum Ärger von Präsident Emmanuel Macron hat sie beispielsweise im Sommer den Erdölkonzern Total unter dem Vorwand des Umweltschutzes als nationalen Sponsor für Olympia verhindert.

Hoteliers sind verärgert

Verärgert über den Airbnb-Deal ist auch die Hotelier-Vereinigung. Schließlich hatte sie dem Organisationskomitee im Rahmen der Bewerbung 40 000 Betten zugesagt und auf ein entsprechendes Geschäft gehofft. Nach dem Airbnb-Deal sieht die Interessengemeinschaft das Geschäft gefährdet und hat auf ihrer Jahresversammlung beschlossen, ihre Kooperation bei der Vorbereitung der Olympischen Spiele auszusetzen. Präsident Laurent Duc im Sender RTL: "Es ist ein Kampf David gegen Goliath. Airbnb zahlt überhaupt keine Steuern in Frankreich! Und wird jetzt offizieller IOC-Partner! Da sehen wir rot. Und das ist kein einfacher Ärger mehr, das ist nackte Wut." Diesem Argument kann Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft nicht folgen: "Oftmals geht es ja auch um Steuervermeidung, dass sich die Städte beschweren, dass es keine Steuerzahlungen gibt von den Airbnb-Gästen. Da arbeitet Airbnb mittlerweile sehr intensiv dran, dass es über das Portal gewährleistet wird, das diese Gästesteuern auch gezahlt werden. "

Airbnb hat große Ziele

Nach Aussage einer Airbnb-Sprecherin arbeitet das Unternehmen eng mit der französischen Regierung zusammen und habe im vergangenen Jahr 24 Millionen Euro an Tourismussteuern in Frankreich weitergereicht. Die Widerstände halten das  Vermietungs-Portal nicht auf. Die Lobbyarbeit bei den kommunalen Behörden in Japan läuft auf Hochtouren. Und die Prognosen für das Geschäft bei Tokio 2020 sind gut. Airbnb-Mitgründer Joe Gebbia bei der Vertragsunterzeichnung. "Im vergangenen Monat haben Airbnb-Gastgeber bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Japan über 70 Millionen US-Dollar verdient. Für Olympia im kommenden Jahr haben wir höhere Erwartungen."

Erstmals 2016 in Rio aktiv

Die Kooperation mit den Veranstaltern von Großereignissen gibt es seit den Sommerspielen 2016 in Rio. Damals wurde der Vertrag mit Organisationskomitee geschlossen. Airbnb-CEO und Mitgründer Brian Chesky erklärte bei CNBC:

"Airbnb hat wieder angefangen, Übernachtungen bei Events anzubieten. Wenn die Events beginnen, sind die Hotels oft ausverkauft oder die Preise steigen um das Zwei- bis Dreifache, die Leute wissen nicht, wo sie bleiben sollen. Airbnb hat zum ersten Mal bei Olympia in Rio Übernachtungen bei einem Event angeboten. 85.000 Menschen nutzten Airbnb. Diese Leute hätten sonst nicht bei Olympia sein können."

Die Gastgeber sollen dadurch 100 Millionen US-Dollar eingenommen haben. Da ist Airbnb auf den Geschmack gekommen. Laut Gebbia ist das IOC-Sponsoring eine Möglichkeit, neue Gastgeber in den nächsten fünf Olympiastädten zu akquirieren.

Börsengang im kommenden Jahr

Ein weiterer Grund ist der Börsengang von Airbnb im kommenden Jahr. Mit dem ersten globalen Sponsoring will das Unternehmen seine Marke stärken. Denn: Eine Studie aus dem Jahr 2017 im "Journal of Advertising Research" hat ergeben, dass die Ankündigung, dass ein Unternehmen die Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele sponsert, einen messbaren, positiven Einfluss auf den Aktienkurs des Unternehmens hat.

Bei dem prognostizierten Unternehmenswert von mindestens 30 Milliarden US-Dollar ist ein Investment von einer halben Milliarde überschaubar. Und das IOC? Das ist Widerstände gewohnt, auch andere Sponsoren wie der Chemieriese DOW Chemical waren umstritten und sind noch immer im Boot.

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