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StartseiteSport Aktuell"Vernünftiges Kalkül hat deutsche Bewerber nie angetrieben"22.11.2019

Olympia"Vernünftiges Kalkül hat deutsche Bewerber nie angetrieben"

Olympia macht wieder von sich reden – und die jüngsten Ereignisse zeigen, wie umstritten das Ringe-Spektakel politisch ist - Thomas Kistner kommentiert die mögliche Olympia-Kandidatur von Deutschland und den umstrittenen Sponsorenvertrag des IOC.

Von Thomas Kistner

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Die Olympischen Ringe. (imago sportfotodienst)
Eine Rhein-Ruhr-Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032? (imago sportfotodienst)
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Vor Wochenfrist befürwortete ein breites Parteien-Bündnis in Nordrhein-Westfalen eine Kandidatur um die Sommerspiele 2032. Dabei gibt schon der sperrige Begriff "Rhein/Ruhr-Spiele" klar vor, wie hoffnungslos auch dieser Versuch sein dürfte. Auch steht mit Brisbane ein hochattraktiver Kandidat im Ring, die Australier warten seit dem Jahr 2000 auf Spiele und sind bestens vernetzt im Internationalen Olympischen Komitee. Und sollte es noch zu einer Gemeinschaftsbewerbung Nord- und Südkoreas kommen, wäre diese sowieso ein Selbstläufer.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (r, CDU) und Michael Mronz, Begründer der Rhein Ruhr City 2032-Initiative, bei einem Pressetermin 2017. (dpa/Marius Becker)NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Michael Mronz, Begründer der Rhein Ruhr City 2032-Initiative, bei einem Pressetermin 2017. (dpa/Marius Becker)Olympia 2032 - Pläne für Sommerspiele an Rhein und Ruhr - Gleich zwei deutsche Bewerbungen um die Ausrichtung Olympischer Spiele wurden in den letzten sechs Jahren in Volksentscheiden abgelehnt. Trotzdem trommelt eine Initiative aus Wirtschaft und inzwischen auch Politik für einen neuen Anlauf: Sommerspiele 2032 in der Region Rhein-Ruhr.

Tolle Perspektiven - aber nur Makulatur

Aber vernünftiges Kalkül hat deutsche Bewerber nie angetrieben. Sie schauen naiv auf sich selbst, halten sich fest an Machbarkeitsstudien und anderem Papierkram, der tolle Perspektiven suggeriert – aber leider reine Makulatur ist, weil die Herrn der Ringe nach anderen, politisch und gern auch mal persönlich motivierten Kriterien zu entscheiden pflegen.

Zweitens fällt auf, dass es hierzulande Vertreter aus Privatwirtschaft und Politik sind, die das Olympia-Thema forcieren – schöns zu sehen ist das gerade an einer Schnapsidee, die jetzt aus dem Dunstkreis einer Bank in Thüringen erwuchs und helle Aufregung in Politik und Sport schuf: Winterspiele 2030 in Sachsen, Thüringen und Bayern – das hätten diese Regionen doch unbedingt verdient! Nur: Im IOC interessiert so etwas keinen.

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Zugleich sorgt das IOC selbst wieder für Ärger bei Spiele-Veranstaltern. Was tut der Ringe-Konzern nicht alles für ein paar hundert Millionen Dollar – die soll jetzt ein Sponsordeal mit dem Online-Vermietungsportal Airbnb in die Kassen spülen. Damit begibt sich das IOC auf offene Konfliktfelder – speziell in Paris, wo die Spiele 2024 stattfinden. In Frankreich formiert sich Protest gegen die Airbnb-Volte, die nationale Hotel-Lobby droht Maßnahmen an. Dem Online-Anbieter wird vorgeworfen, die Preise für Wohnraum in die Höhe zu treiben und die Mängel auf dem Mietmarkt zu verschärfen. Paris´ Bürgermeisterin Anna Hidalgo liegt mit Airbnb sogar in einem Rechtstreit, auch sie drängt das IOC auf ein Umdenken.

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Das wird der Ringe-Clan ignorieren. Wenn die Kohle stimmt, handelt das IOC auch mit umstrittenen Partnern an. Und so liefert die neue Problematik pikante Fingerzeige, wie das IOC tickt. Mit Hinweis auf Airbnb lockt es nun die Bevölkerung damit, während der Spiele privaten Profit aus dem eigenen Wohnraum zu schlagen. Das könnte manchen skeptischen Bürger umstimmen – und dazu motivieren, das Einnahmemodell auch in der Zukunft zu betreiben. Geht es ums Geld und die menschliche Gier, macht dem IOC so schnell niemand etwas vor.

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