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StartseiteSport am Wochenende"Für die Athleten ein Abenteuer"11.08.2019

Olympisches Sportklettern"Für die Athleten ein Abenteuer"

Sportklettern ist in Tokio 2020 erstmals olympische Disziplin. Viele seiner Athleten hätten die historische Tragweite noch nicht realisiert. Die Olympia-Premiere sei "ein Abenteuer und eine Reise ins Ungewisse", sagte Bundestrainer Urs Stöcker, dessen Athleten bei der WM in Japan das Olympia-Ticket sichern wollen.

Urs Stöcker im Gespräch mit Marina Schweizer

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Kletter-Bundestrainer Urs Stöcker steht im Januar 2019 mit verschränkten Armen in einer Kletterhalle in München. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
Kletter-Bundestrainer Urs Stöcker ist zuversichtlich, dass sich seine Athleten bei der WM ein Olympia-Ticket sichern (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
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Seine Schützlinge hätten sich mit der neuen Disziplin, dem Kombinationswettkampf, gut zurechtgefunden und auch sehr viel in die einzelnen Disziplinen investiert. Die deutschen Sportkletterer wollen auch bei Olympia gerne um die Medaillen mitreden. Doch der Bundestrainer weiß: "Mit dem Multiplikationssystem ist eine Spitzenleistung absolut von Nöten, um überhaupt in der Olympischen Kombination ganz vorne mit dabei zu sein."

Mit dem 27-jährigen Jan Hojer aus Köln und dem zwei Jahre jüngeren Alex Megos aus Erlangen stellt das Team von Bundestrainer Stöcker immerhin zwei der besten Kletterer der Welt. Hojer war im vergangenen Jahr in Innsbruck WM-Dritter in der Disziplin Olympic Combined. "Er ist natürlich ein Boulder-Spezialist und auch im Speed hervorragend bei den Kombinierern. Er ist auf einem guten Weg", sagte Stöcker. 

Megos gewann 2018 WM-Bronze in der Disziplin Lead. Nun müssen seine Schützlinge zeigen, wo sie derzeit stehen. Und es geht um viel: Denn bei der Sportkletter Weltmeisterschft in Hachioji am Rande von Tokio (11. bis 21. August) werden die Olympia-Tickets in vier Disziplinen vergeben. Mit Blick auf Alex Megos sagte der Kletter-Bundestrainer im Dlf: "Er hat die Fähigkeit eine Medaille zu holen." 

Sportkletter-Disziplinen im Überlick

Was ist Lead?
Lead oder "Vorstieg" ist seit 20 Jahren Wettkampfsport. Geklettert wird mit Seil an bis zu 20 Meter hohen künstlichen Wänden. Ziel ist es, eine Route innerhalb eines Zeitlimits ohne Sturz und höher als die Konkurrenz zu klettern. Im Finale haben die Athleten sechs Minuten Zeit, die Wand anzusehen und eine Route zu finden. Jeder Athlet klettert einzeln, die noch nicht gestarteten Konkurrenten dürfen nicht zusehen.

Was ist Bouldern?
Beim Bouldern wird in geringer Höhe an einer Wand geklettert, eventuelle Stürze fangen Weichbodenmatten ab. Ziel ist es, vier bis fünf Boulder, also "Problemfelder" zu lösen. Dafür haben die Athleten je fünf Minuten Zeit. Gewertet wird, wie viele Tops und Zonen man erreicht. Tops bedeutet: Der Boulder ("Felsblock") ist gelöst; die Zone erreicht man meist etwa auf halber Höhe des Boulders.

Was ist Speed?
Hier entscheidet die Geschwindigkeit, Speedklettern ist deshalb bei Lead- und Boulderspezialisten wenig beliebt. Ein Wettkampf wird im K.o.-System auf zwei identischen Routen an einer 15 Meter hohen, standardisierten Wand geklettert, dabei werden nach dem ersten Durchgang die Routen gewechselt. Sieger ist, wer die beste Gesamtzeit hat. Durch die Standardisierung der Wand sind auch Weltrekorde möglich.

Was ist Olympic Combined? 
Bei diesem Wettkampf werden in der Reihenfolge Speed, Bouldern und Lead alle drei Disziplinen an einem Tag geklettert.

Quelle: SID

Japan, der große WM-Favorit

In Tokio zumindest ist laut Stöcker der "Hype um Olympia" schon ein wenig zu spüren. "Ich glaube sie sind bereit. Es kommen immer mehr Plakate Tokio 2020. Die Sportler sind heiß auf Olympia", sagte Stöcker, dessen Schützlinge aber erst noch die Tickets für Olympia lösen müssen. Die WM ist die erste Chance dazu. Neben Hojer und Megos sind auch Ynnick Flohé, Philipp Martin und bei den Frauen Afra Hönig nominiert.

Japan sei eine Macht im Klettern, doch davon lasse man sich in nicht beeindrucken. "Ein bis zwei Medaillen und ein bis zwei Olympia-Tickests zu lösen, wäre ein sehr schönes Ergebnis", sagt Stöcker. Ob das gelingt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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