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Startseite@mediasresWenig Auswahl für junge Mediennutzer19.06.2019

Online-Angebote Wenig Auswahl für junge Mediennutzer

Nach Ansicht des Grimme-Instituts gibt es zu wenig qualitätsvolle Online-Angebote für Kinder. Dabei wachsen Kinder heutzutage mit Smartphone und Tablet auf. Dass es kaum innovative Formate gibt, könnte vor allem am Finanziellen liegen.

Von Annika Schneider

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Gruppe Schüler sitzt auf einer Treppe und schaut auf Tablet-PCs und Smartphones (imageBROKER)
Zu wenig Bildungsangebote für Kinder im Internet? Schüler mit Tablets und Smartphones (imageBROKER)
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Der Computer steht bei den Riefstahls im Wohnzimmer. Während Vater Jens kocht, surft der zehnjährige Hannes im Internet. Drei Stunden Bildschirmzeit pro Woche darf er sich selbst einteilen. Er macht es so: "Ich bin häufig auf einer Seite vom WDR von ‚Die Sendung mit der Maus‘. Von denen spiele ich entweder gerne ‚Türen auf‘ oder ‚Kopfball‘. Da muss man halt mit der Maus laufen und der Ball kommt halt von oben und den muss man halt die ganze Zeit köpfen."

Wenn Hannes sich nicht durch Lach- und Sachgeschichten mit der Maus klickt, schaut er gerne Videos, zum Beispiel über die größten Yachten der Welt. Seine Mutter Conni Krause sieht es mit Skepsis, wenn ihre zwei Söhne auf Portalen für Erwachsene unterwegs sind: "Wenn die alleine auf YouTube sind, dann weiß ich nicht, was da passiert und was da so aufpoppt. Und das finde ich schon ein bisschen kritisch, weil ich möchte auch nicht immer nebendran sitzen und alles mit anschauen müssen."

Mehr Werbung statt Bildung

Umso mehr schätzt die Bonnerin gute Online-Angebote speziell für Kinder. Davon gibt es ihrer Meinung nach aber noch zu wenige: "Mein Eindruck ist, es geht im Bereich Werbung sehr viel, also da wo sich einfach auch diese Gruppe erschließt: Kinder als Käufer. Und sobald es dann in den Bereich Bildung geht, ist es halt sehr lahm. Man hat schon das Gefühl, da ist dann auch einfach kein Geld da und entsprechend bleibt dann alles so ein bisschen unspannend."

Diesen Eindruck teilt Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts. Eigentlich möchte sie mit dem Grimme-Online-Award jedes Jahr auch innovative Angebote für Kinder auszeichnen. "Es ist so, dass wir eine Entwicklung haben in den letzten Jahren, dass die Kleinen und Kleinsten mit dem Netz interagieren, im Netz unterwegs sind, häufig schon im Vorschulalter, aber gleichzeitig spiegelt sich das nicht in den Angeboten im Netz wider. Da gibt es eben eine riesige Lücke, die dort klafft, und wir befürchten dann eben auch, die Kinder sind irgendwie im Netz unterwegs und wir brauchen eben gute und qualitätsvolle Angebote für diese Zielgruppe", sagt Gerlach.

Kein Geld und keine Innovationen

Das Problem: 1.200 Vorschläge gingen dieses Jahr für den Grimme-Online-Award ein – darunter nur zwölf Angebote für Unter-16-Jährige. Frauke Gerlach vermutet dahinter mehrere Gründe: Zum einen würden Kinder Wiederholungen lieben, so dass der Innovationsdruck relativ niedrig sei. Zum anderen würden im Netz viele Entwicklungen von jungen Menschen ausgehen, die Jüngere selten als Zielgruppe sehen.

Der Medienpädagoge Björn Friedrich kann diese Kritik nicht ganz nachvollziehen. Für den Münchener Verein "Studio im Netz" vergibt er jährlich den pädagogischen Medienpreis – und kennt viele gute Online-Angebote für Kinder.

Aber auch er weiß um die Problematik, dass Geld für Innovationen fehlt, gerade für die teure Entwicklung von Apps. Er sagt: "Bei Kinderangeboten, gerade in Deutschland, achtet man darauf, dass die datenschutzkonform sind, dass die werbefrei sind, dass die keine In-App-Käufe oder In-Game-Käufe oder ähnliches enthalten. Und das engt natürlich den finanziellen Spielraum ein. Das heißt, ich habe dann als Anbieter oder Anbieterin sehr viel weniger finanzielle Möglichkeiten und kann nicht immer up-to-date sein, was die technischen Innovationen angeht. Das heißt, da gibt es schon gewisse Qualitätsunterschiede und gerade die Kinderwebseiten tun sich da schon ein Stück weit schwer."

Trendwende durch Öffentlich-Rechtliche?

Abhilfe schaffen könnten die Öffentlich-Rechtlichen. Vom Kinderkanal stammt die App "Kikaninchen". Sie war im vergangenen Jahr für den Grimme-Online-Award nominiert und begeistert Björn Friedrich und Frauke Gerlach gleichermaßen. "Das ist wirklich so ein schönes, zauberhaftes Angebot für die Kleinen, wo man beispielsweise pustet und dann bewegt sich ein Schiff, oder man schüttelt das Handy und dann fallen Äpfel herab", erklärt Gerlach.

Die Öffentlich-Rechtlichen seien durch die Rundfunkregulierung in ihren Möglichkeiten aber noch stark eingeschränkt, kritisiert Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. Nicht alles, was online machbar ist, dürfen sie auch.

Bei Familie Riefstahl hat sich inzwischen Hannes' Bruder Tim an den Rechner gesetzt. Für die "Sendung mit der Maus" oder den Kinderkanal ist der 14-Jährige zu groß. Seine Lieblingsseite ist eine ganz andere: der Online-Katalog der Stadtbibliothek. Dort bestellt er sich Fantasy-Bücher vor – die er dann ganz analog liest.

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