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StartseiteVerbrauchertippZu schade zum Wegwerfen05.02.2019

Online-AnkaufdiensteZu schade zum Wegwerfen

Die meisten Bücher werden nur einmal gelesen und verstauben anschließend im Regal. Wer einen Teil davon loswerden möchte, kann dafür Online-Ankaufdienste nutzen. Die kaufen auch andere Medien wie DVDs, Blue Rays und digitale Spiele. Doch das lohnt sich nur selten.

Von Susanne Kuhlmann

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Auf einem Wiener Trödelmarkt sind Abenteuerbücher von Karl May erhältlich (aufgenommen 2018). (dpa / S. Steinach)
Bücher von Karl May: Will man die bei Online-Diensten zum Verkauf anbieten, muss man ISBN-Nummern Buch für Buch eingeben. Der Erlös ist nach Abzug der Versandkosten meist mager. (dpa / S. Steinach)
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Ute Meyer lernte Momox durch eine Bekannte kennen. Momox ist ein Ankaufportal im Internet, so wie Buchmaxe, Rebuy und Zoxs. Ute Meyer suchte Bücher zusammen, die sie zu schade zum Wegwerfen fand, öffnete die Internetseite des Ankäufers und klickte sich durch das Menü.

"Man muss die ISBN-Nummern angeben, und dann wird einem angezeigt, wie viel Geld man dafür bekommt. Das sind meistens kleine Beträge. Da habe ich nachgeschaut und gesehen, dass die nur Bücher ankaufen, von denen sie glauben, dass sie die weiterverkaufen können."

Und das war viel Kleinarbeit. 

"Man muss Buch für Buch eingeben. Dann wird online eine Liste erstellt, und die packt man in seinen Bücherkarton dazu. Und dann wird einem, wenn man die Kiste geschickt hat und Momox die erhalten hat, das Geld überwiesen. Das geht eigentlich problemlos."

Meist weniger als der halbe Neupreis

Für drei Bücherkartons bekam sie etwa 40 Euro. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat kürzlich vier Ankaufportale getestet. Ein Ergebnis: Selbst für aktuelle Bestseller zahlten sie meistens weniger als den halben Neupreis. Und: Es zeigten sich erhebliche Preisunterschiede zwischen den Angeboten von Buchmaxe, Rebuy, Zoxs und Momox, auch beim Ankauf von Filmen und digitalen Spielen. Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: 

"Das Interessante war, dass es im Grunde keine echte Tendenz gibt, dass man sagen kann, man sollte diesen Dienst empfehlen. Je nach Produkten schwankte es hin und her. Das heißt also, für einen Film hat jemand ganz viel ausgespuckt. Aber beim nächsten Film waren es nur ein paar Cent, die man bekommen hatte. Das heißt also, bei diesem Hin und Her der Preise muss man vergleichen, um zu gucken: Was bekomme ich von diesen Diensten, wenn ich darüber verkaufen will? Wo bekomme ich am meisten?"

"Unerklärlich große Spannbreite" bei Ankaufspreisen

Auch bei Spielen haben Georg Tryba und seine Kollegen mehrfach eine unerklärlich große Spannbreite bei den Ankaufspreisen beobachtet.

"Eine Firma hat uns für ein Playstation-Spiel 45 Euro angeboten, die andere nur wenige Cent."

Die Tester konnten die Begründungen für die Abwertung häufig nicht nachvollziehen.

"Da steht zum Beispiel: Die Lager sind voll. Oder die Aussichten, diesen Artikel weiterzuverkaufen sind nicht so groß bei uns. Deshalb bieten wir nur wenige Cent. Wer da nicht genau vergleicht und sieht, diese Geschichte kann man noch ordentlich zu Geld machen bei der Konkurrenz, der verschenkt sehr viel Geld."

Selber vermarkten bringt mehr

Verbraucher beschweren sich außerdem darüber, dass die Ankaufportale den optischen Zustand eines Buchs oder einer DVD oft anders beurteilen als sie selbst. In einem solchen Fall schickt das Ankaufportal das Paket zurück an den Absender; bei einigen Anbietern ist das kostenpflichtig. Berechnet werden dafür dann um die vier Euro.*

Kosten kann auch das Hinschicken verursachen, wenn ein Ankaufwert - je nach Portal - von zehn oder 30 Euro unterschritten wird.

Fazit: Wer Bücher, Filme oder Spiele verkaufen möchte, sollte auch andere Vertriebswege im Blick haben. Georg Tryba: "Wer sich selber Mühe macht über Kleinanzeigen oder Online-Marktplätze verkauft, der erhält in der Regel wesentlich mehr."

*In einer früheren Fassung war nicht ersichtlich, dass manche Anbieter dafür keine Kosten erheben. Das haben wir korrigiert. 

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