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StartseiteVerbrauchertippSekundenschnelles Überweisen nicht ohne Risiken15.08.2019

Online-BankingSekundenschnelles Überweisen nicht ohne Risiken

In Zukunft soll das Geldüberweisen noch schneller funktionieren. Mithilfe sogenannter Echtzeit-Überweisungen kann das Geld in Sekundenschnelle den Empfänger wechseln. Noch stecken in dieser neuen Form des schnellen Geldtransfers aber nicht nur zusätzliche Kosten, sondern auch Tücken.

Von Mischa Erhardt

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Ein Mann sitzt mit einer Kreditkarte in der Hand vor seinem Laptop (imago stock&people)
Probleme kann es bei Echtzeit-Überweisungen geben, wenn es um die Geldrückbuchung geht (imago stock&people)
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Das Online-Banking beschleunigt einiges. Seit vergangenem Jahr haben mehr und mehr Banken und Sparkassen die sogenannte Echtzeit-Überweisung eingeführt. Bei der landet das angewiesene Geld innerhalb weniger, maximal zehn Sekunden auf dem Konto des Adressaten. Das kann in vielen Situationen praktisch sein.

"Zum Beispiel beim Online-Shopping hätte dann der Verkäufer die Information, dass das Geld schon da ist und er dann die Ware auch sofort versenden kann", sagt David Riechmann, Experte für Banken und Kapitalmarktrecht bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

"Man kann aber auch an andere Szenarien denken, wie, dass im Urlaub irgendwo das Geld weg ist, und man an Geld kommen müsste, dann können Verwandte schnell das Geld überweisen, da muss man nicht warten bis das Geld tatsächlich gutgeschrieben wurde. Oder beim An- und Verkauf von Fahrzeugen."

Denn da kann es schnell um höhere Summen gehen, die man im Zweifel ungern bar mit sich herumschleppt, um sie einem Privatverkäufer irgendwo in die Hand zu drücken. Bis 15.000 Euro können Verbraucher bei einer Transaktion in Echtzeit überweisen. Bei allen Sparkassen außer der in Hamburg sind Echtzeit-Überweisungen bereits möglich und mehr und mehr Banken schließen sich an.

Grenzen der Echtzeit-Überweisung

Das allerdings zeigt auch die bisherigen Grenzen der Schnellüberweisungen. Denn bei Echtzeitüberweisungen, neudeutsch auch "Instant Payment" genannt, sind eben noch nicht alle Banken in das System eingebunden. Wenn eine Bank aber keine Echtzeitüberweisung anbietet, kann der Kontoinhaber weder Geld in "Echtzeit" überweisen, noch empfangen – er ist nach wie vor auf die gute alte Standard-Überweisung angewiesen. David Riechmann:

"Da müssen alle Parteien mit involviert sein sein und die Echtzeitüberweisung ist halt noch nicht komplett auf dem deutschen oder auch europäischen Markt verbreitet, so dass man davon ausgehen kann, dass jeder sie hat."

Das dürfte sich aber, so schätzen Experten, in der kommenden Zeit ändern. Denn Banken stehen von Bezahlsystemen wie etwa PayPal unter Druck. Durch PayPal kann man auch quasi sofort Dinge kaufen und bestellen, allerdings steht dahinter eine andere technologische Lösung. Denn PayPal steht nur als Mittler zwischen Käufer und Verkäufer, bestätigt einen virtuellen Geldtransfer und treibt dann auf ziemlich klassischem Weg das Geld beim Bezahlenden ein – per Lastschrift etwa oder durch die hinterlegte Kreditkarte.

Das Geld wechselt bei PayPal also nicht in Echtzeit den Besitzer. Das allerdings ist auch eine der Tücken von Echtzeit-Überweisungen. Denn eine normale Überweisung kann man im Regelfall problemlos stoppen, solange die eigene Bank das Geld noch nicht auf das Konto bei der Adressatenbank transferiert hat. Will man überwiesenes Geld zurück fordern, das schon beim Empfänger gelandet ist, ist das schwieriger und meist mit Kosten verbunden.

Deutliche Unterschiede bei den Gebühren

Deswegen sollte man gerade Echtzeitüberweisungen genau auf Zahlendreher oder Fehler überprüfen. Zudem können Echtzeitüberweisungen Extra-Gebühren kosten.

"Da muss man halt abwägen, ob es einem Wert ist, ob dass das Geld sofort da ist oder ob man nicht doch abwartet, bis es den 'normalen' Gang gegangen ist."

Vergleiche zeigen, dass selbst bei Sparkassen, bei denen flächendeckend Echtzeit-Überweisungen möglich sind, sich die Gebühren deutlich unterscheiden. Bei einigen Sparkassen sind die Sekundenüberweisungen kostenlos und gehören zum Service. Bei anderen kosten sie 50 Cent oder sogar bis zu fünf Euro. Verbraucher sollten also die möglichen Gebühren genau prüfen, bevor sie ihr Geld per Mausklick sekundenschnell verschicken.

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