Donnerstag, 21.11.2019
 
Seit 09:35 Uhr Tag für Tag
StartseiteVerbrauchertippGravierende Preisunterschiede04.10.2019

Online einkaufenGravierende Preisunterschiede

Zwei von drei Verbrauchern tummeln sich auf der Internetplattform Amazon, um Einkäufe zu tätigen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat nun 100 Produkte einem Preisvergleich mit dem Direktkauf in einem Onlineshop unterzogen. Das Ergebnis: Amazon war in allen Fällen deutlich teurer.

Von Hilde Braun

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Paketbote übergibt zwei Amazon-Pakete. (imago/STPP)
Viele Kunden schätzen die Bequemlichkeit, mit der sich bei Amazon einkaufen lässt, doch diese Bequemlichkeit kostet (imago/STPP)
Mehr zum Thema

UNO-Bericht zur Digitalwirtschaft „Europa ist ein Entwicklungsland“

Digitalsteuer "Unser Steuersystem ist noch am industriellen Zeitalter orientiert"

Reihe "Up, up to the Moon" (4): Blue Origin - Jeff Bezos Weltraum-Traum Amazon im All

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen machte die Probe aufs Exempel – und eine Stichprobe bei 100 Produkten brachte ein eindeutiges Ergebnis: Der Direktkauf in einem Onlineshop abseits von Amazon war deutlich günstiger als ein Kauf bei dem Internetriesen. Der Gesamtpreis inklusive Lieferung für alle 100 überprüften Artikel in 20 Shops lag bei Amazon Marketplace um fast ein Fünftel – genauer gesagt 18 Prozent über dem Preis im Händlershop. Georg Tryba ist Pressereferent bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Interessant war, wie groß der Unterschied war. Ein Einzelbeispiel zeigt dann so das Ausmaß. Da gab es einen Kaffeeautomat, der wurde im eigenen Shop für 670 Euro rund verkauft, bei Amazon für 840 Euro. Das war also fast 170 Euro mehr. Es gab auch einen Legohändler, der verkaufte einen Kranwagen für 180 Euro im eigenen Shop, bei Amazon waren das 250 Euro also 70 Euro mehr."

Viele Kunden bevorzugen trotzdem den Einkauf über den Internet-Riesen Amazon - zum Beispiel Johanna Mocks, die einen Bekleidungsladen betreibt.

"Für mich als Primekunde ist es so, dass ich mir die Versandkosten spare, meistens habe ich das kostenlose Umtausch- und Rückgaberecht und die anderen Shops sind günstiger, aber da muss man sich die Versandkosten auch anschauen."

Doch die Portokosten seien das kleinste Problem, erklärt Verbraucherschützer Georg Tryba:

"Unsere Stichprobe hat schon eingeschlossen, dass der Versand drin war. Amazon macht es einem bequem, aber diese Bequemlichkeit die kostet auch. Wenn ich bei Amazon verkaufen möchte als Händler, muss ich eine Stand- und Verkaufsgebühr zahlen und die sind richtig satt manchmal. Das erreicht so 15 Prozent und mehr. Kosten, die im eigenen Onlineshop entfallen und das heißt also, da kann man durchaus günstiger kalkulieren."

Vor dem Kauf: Zwischenstopp bei einer Preissuchmaschine

Amazon bestreitet nicht, dass sich die Preise zwischen auf der Plattform von denen unterscheiden, die die Händler im eigenen Shop verlangen. Das Unternehmen erklärt dazu wörtlich:

"Unsere Verkaufspartner legen ihre Produktpreise in unserem Store selbständig fest. Wir bieten ihnen Hilfsmittel, um sicherzustellen, dass diese Preise konkurrenzfähig sind."

Kunden tun also gut daran, nicht sofort zu kaufen, wenn ein Produkt gefällt. Georg Tryba empfiehlt einen Zwischenstopp bei einer Preissuchmaschine:

"Man sollte bevor man auf den Jetzt-kaufen-Knopf drückt Preissuchmaschinen laufen lassen, ob es nicht durchaus bessere Preise gibt, am besten mit zwei Suchmaschinen. Weil unsere Stichproben zeigen: Die beste Suchmaschine gibt es nicht. Die eine ist bei dem Produkt gut, beim anderen schlecht. Wenn ich das gemacht habe, dann werde ich in der Regel einen sehr vernünftigen Preis für das Produkt bekommen, den ich ausgesucht habe."

Sicherheit bei der Zahlung erhöhen

Wer dann noch das Risiko minimieren will, keine Ware oder die falsche Ware zu erhalten, oder einfach Zweifel hat, weil er einen Onlineshop nicht kennt, kann durch die Auswahl des Zahlungswegs die Sicherheit erhöhen:

"Das ist also der Kauf auf Rechnung, also die Lastschrift, eventuell auch mit Abstrichen Paypal und auch Amazon Payment gehören dazu. Da gibt es nämlich eine Art Käuferschutz. Das heißt also, wenn der Händler nicht liefert – Stichwort Fake Shop, ein Problem ja heutzutage - oder der liefert was anderes, dann kann ich problemlos mein Geld zurückholen, muss dem Ganzen nicht hinterherlaufen. Also, das ist immer ganz wichtig, beim Onlineshop immer eine sichere Bezahlart wählen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk