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StartseiteCampus & KarriereLehrer verkaufen ihre Unterrichtsentwürfe08.10.2015

Online-Plattform für PädagogenLehrer verkaufen ihre Unterrichtsentwürfe

Für Referendare und junge Lehrer ist die Hauptarbeit meist nicht der Unterricht selbst, sondern die Vorbereitung – jede Minute will genau geplant sein. Ein Start-up aus New York will diese Aufgabe nun erleichtern - zunächst für Lehrer im englischsprachigen Raum. Auf TeachersPayTeachers.com verkaufen vor allem amerikanische Lehrer ihr Unterrichtsmaterial an Kollegen.

Von Thomas Reintjes

Schüler lernen am 24.02.2015 mit Tablet-Computern in einem digitalen Klassenzimmer am Messestand von Samsung bei der Bildungsmesse didacta in der Messe Hannover (Niedersachsen). (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Gute Unterrichtsideen kann man mehrfach verwenden: In den USA verkaufen Lehrer online ihre Lehrstunden-Konzepte. (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
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"Hi, my name is Jessica Hall. My store on TeachersPayTeachers is Miss Señorita."

Jessica Hall war mal Spanischlehrerin an einer katholischen Schule in New York. Doch Ende vergangenen Jahres hat sie diese Karriere an den Nagel gehängt. Seitdem verdient sie ihr Geld als Miss Señorita im Internet. Auf der Plattform TeachersPayTeachers.com verkauft sie ihre Unterrichtsmaterialien an andere Spanischlehrer auf der ganzen Welt. Vor drei Jahren ist sie auf die Zuverdienst-Möglichkeit gestoßen.

"Ich hatte jeden Monat mehr Geld von meinem Sparkonto abgehoben als ich einzahlte. Dann bin ich auf die Seite gestoßen und habe ein paar Materialien hochgeladen, die ich mit meinen Klassen genutzt hatte. Einfach um zu sehen, wie es läuft."

Einen Monat hat es gedauert, bis sie zum ersten Mal etwas verkaufte. Danach kamen im Schnitt bescheidene 20 Dollar pro Monat zusammen, sagt sie. So richtig habe sich das nicht gelohnt, denn man könne nicht einfach die vorbereiteten Unterrichtsstunden so hochladen, wie sie sind.

"Man muss schon ein bisschen mehr Arbeit investieren. Es muss gut aussehen, man muss ein Lösungsblatt erstellen und einiges mehr, um eine Unterrichtsvorbereitung in ein Produkt zu verwandeln. Aber es hilft natürlich, wenn man Materialien hat, die man schon erfolgreich im Klassenraum eingesetzt hat."

Vergangenes Jahr in den Sommerferien hat Jessica Hall sich dann hingesetzt und alle ihre Unterrichtsmaterialien überarbeitet und bei TeachersPayTeachers eingestellt. Mehr als 800 Produkte bietet sie nun an. Vom Projekt für drei Unterrichtsstunden, in dem Schüler ihr Traumhaus gestalten und dabei spanische Vokabeln für Zimmer und Möbel lernen bis zur kompletten Unterrichtsvorbereitung für ein ganzes Schuljahr "Spanisch für Anfänger". Kosten: zwischen einem und 425 Dollar. Das große Gesamtpaket zu diesem Preis sei vor allem für junge Lehrer interessant, die Spanisch zum ersten Mal unterrichten, sagt Jessica Hall. Sie selbst hat es als Lehrerin genauso gemacht:

"Ich habe auch selbst Materialien auf der Seite gekauft. Ich musste Spanisch 2 und Spanisch 3 unterrichten und hatte beide Kurse noch nie gegeben. Ich musste alles von Grund auf neu erstellen. Das kostet extrem viel Zeit und irgendwann muss ich auch schlafen. Ich habe Sachen von TeachersPayTeachers genutzt um Ideen zu finden: Oh, so könnte ich das den Schülern beibringen! Also nutze ich das..."

Ein paar Lehrer sollen durch die Plattform schon Millionäre geworden sein

Sich die Vorlagen zu eigen machen, das findet Jessica Hall wichtig. Jeder Lehrer habe seinen eigenen Stil. Einfach das für ein paar Dollar gekaufte Material eins zu eins übernehmen, hält sie für keine gute Idee. Für manche Lehrer mag die Plattform eine willkommene Gelegenheit sein, es sich leicht zu machen. Liest man jedoch die begeisterten Kommentare der Kunden unter Miss Señoritas Produkten, kann man annehmen, dass die Unterrichtsqualität durch TeachersPayTeachers eher steigt. Zwölf Lehrer sollen durch die Seite schon zu Millionären geworden sein. Ein Wort ist für die geschäftstüchtigen Lehrer auch schon gefunden worden: Teacherpreneur, zu deutsch etwa: Lehr-Unternehmer. Dazu gehört jetzt auch Jessica Hall. Sie baut ihren Alias-Namen Miss Señorita zu einer Marke auf:

"Das ist das Ziel. Ich habe allerdings keinen BWL-Abschluss, also weiß ich nicht ganz genau, was ich da eigentlich tue. Aber ich versuche es. Ich habe eine Facebook-Seite, Instagram und einen Blog, den ich im Sommer gestartet habe. Und ich bin auf Pinterest."

Im August, wegen des Schuljahresbeginns einer der umsatzstärksten Monate, hat Miss Señorita 5000 Dollar auf TeachersPayTeachers eingenommen, sagt sie. Trotzdem sei das ganze immer noch ein Experiment. Zurück an die Schule will Jessica Hall aber nicht.

"Vor ein paar Wochen habe ich meinen Rektor getroffen und er meinte so: Und, vermissen Sie es zu unterrichten? Und ich so: Nö. Überhaupt nicht."

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