Sonntag, 21.04.2019
 
Seit 07:05 Uhr Information und Musik
StartseiteVerbrauchertippBei Kundenbewertungen im Internet ist Skepsis angebracht22.03.2019

Online-ShoppingBei Kundenbewertungen im Internet ist Skepsis angebracht

Beim Einkaufen in Onlineshops sollen die Kundenrezensionen helfen. Doch die Kurzkritiken sind mit Vorsicht zu genießen. Bewertungen seien quasi einer Werbung gleichzusetzen, sagen Verbraucherschützer. Forscher haben herausgefunden, dass Produktbewertungen nicht unbedingt der wirklichen Qualität des Produkts entsprechen.

Von Tobias Volke

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Kundenrezensionen in Online-Shops machen die Wahl des Produkts nicht immer leichter (imago stock&people)
Es gibt einen blühenden Markt für das Kaufen von positiven Online-Rezensionen (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Smartphone und Sprache "Wir kontrollieren viel weniger, was wir schreiben"

Bienzeisler (Personalexperte) "Eine Riesenherausforderung für die gesamte Branche"

Onlinehandel und Geoblocking Digitaler Binnenmarkt der EU wird durchlässiger

Kann man im Internet denn überhaupt noch irgendjemandem vertrauen, frage ich mich immer wieder. Gerade zum Beispiel, versuche ich eine Kaufentscheidung für einen neuen Drucker zu treffen und arbeite mich durch die Kundenrezensionen in den Online-Shops. Diese sollten mir die Wahl eigentlich erleichtern.

Überschwängliches Lob

Jedoch loben einige das Produkt gar zu überschwänglich und kommen mir so irgendwie verdächtig vor – als wären sie von den Herstellern selbst in Auftrag gegeben worden.

Und tatsächlich sind meine Bedenken nicht ganz unbegründet, bestätigt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern:

"Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass es damit ein Problem gibt. Bewertungen sind quasi einer Werbung gleichzusetzen. Eine gute Bewertung führt auch dazu, dass es eine gute Werbung sein kann und insofern hat man natürlich als Anbieter großes Interesse daran, dass das alles gut bewertet wird. Und insofern ist das natürlich eine Motivation, alles dafür zu tun, dass man gute Bewertungen hat."

Handel mit Bestnoten

Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es einen blühenden Markt für das Kaufen von positiven Rezensionen gibt. Auf im Internet frei zugänglichen Seiten bekommt man 100 Bewertungen mit Bestnoten für rund 1.500 Euro.

Der Preis zeigt: Es steckt Aufwand dahinter, wenn es echt wirken soll. Legal ist das nicht. Trotzdem tun sich die Onlineshop-Anbieter schwer damit, dagegen vorzugehen.

Laut eigener Aussage investiert Amazon viel Geld und Aufwand, um die Glaubwürdigkeit der Bewertungen auf seiner Website zu schützen.

Dass die durchschnittliche Produktbewertung trotzdem nicht unbedingt der wirklichen Qualität des Produkts entspricht, haben Doktor Sarah Köcher und Doktor Sören Köcher von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Dortmund in einer Studie herausgestellt.

Hierzu haben sie Amazon-Kundenbewertungen mit Testergebnissen von der Stiftung Warentest verglichen "und haben herausgefunden, dass diese beiden Maße eigentlich überhaupt nicht übereinstimmen. Und was wir da im Besonderen noch herausfinden konnten ist, dass in einem Drittel der Produktkategorien, die wir betrachtet haben, es sogar so ist, dass wenn ein Produkt besonders gut bei Amazon durch Kunden bewertet ist, tendenziell eher schlecht bei Stiftung Warentest bewertet wurde oder andersherum. Das heißt, bei einem Drittel der Kategorien gehen diese Bewertungen sogar extrem auseinander."

"Nicht alles wahr"

Allerdings muss dies nicht immer mit unlauteren Absichten zusammenhängen.

"Einer der Hauptgründe, den wir als Erklärung heranziehen ist, dass bei Onlineportalen, wir haben jetzt nun mal Amazon genommen, nicht alle Kunden, die das Produkt gekauft haben, hinterher auch eine Bewertung abgeben. Das heißt, wir haben da eine durchschnittliche Bewertung angegeben für ein Produkt, das aber nur von entweder sehr zufriedenen Kunden bewertet wurde, oder sehr unzufriedenen."

Außerdem bewerteten Kunden Produkte unter anderen Gesichtspunkten als die Stiftung Warentest. Eine zu lange Lieferdauer oder beschädigte Verpackung mag für den einen oder anderen Anlass für eine negative Bewertung sein, verfälscht so jedoch das Gesamtbild der eigentlichen objektiven Produktqualität.

Soll ich jetzt also am besten ganz darauf verzichten, Nutzerbewertungen in meine Kaufempfehlung einzubeziehen?

"Man kann Bewertungen nutzen, wenn man sich dessen bewusst ist, dass nicht alles wahr ist, was da steht, und wenn es lediglich dazu dienen soll, sich vielleicht die ein oder andere Idee oder den ein oder anderen Gedanken zu ergänzen. Aber sich ausschließlich darauf zu verlassen, das ist sicherlich nicht empfehlenswert."

Was meinen Drucker angeht, habe ich nun also gelernt: Bei all den Erleichterungen, die mir das Internet verspricht - das eigene Nachdenken kann es noch nicht ersetzen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk