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StartseiteMarkt und MedienMedien und Demonstrationen unter Beobachtung29.08.2015

Online-Wächter Medien und Demonstrationen unter Beobachtung

Etablierte Medien berichteten häufig unvollständig über Demonstrationen, meint Alfred Denzinger. Vor allem Übergriffe von Polizisten würden ausgeblendet. Deshalb betreibt Denzinger den Internet-Informationsdienst beobachternews.de, der das Geschehen bei Demonstrationen unter die Lupe nimmt.

Von Thomas Wagner

Zwei Polizisten sprühen Pfefferspray gegen Demonstranten, im Hintergrund Dutzende behelmte Polizisten, im Vordergrund weitere Demonstranten. (dpa / Marc Müller)
Demonstranten und Polizisten in Garmisch-Partenkirchen geraten bei der Demonstration aneinander. (dpa / Marc Müller)
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Es ist mal wieder soweit: Auf der einen Seite Demonstranten mit rechtsextremem Hintergrund, die gegen Flüchtlinge Stimmung machen – auf der anderen Seite die Gegendemo. Und zwischendrin: Alfred Denzinger, Inhaber des Internet-Informationsdienstes "beobachternews.de". 

"Entstanden ist das Ganze vor allem deshalb, weil ich häufig nach Demonstrationen Zeitungsberichte gelesen habe in einer ganz normalen bürgerlichen Presse und mir dann gedacht habe: Irgendwie ist das seltsam. Die müssen auf einer anderen Demonstration gewesen sein."

Hinschauen, wo andere Medien wegsehen...

In etablierten Medien, so der Vorwurf von Alfred Denzinger, werde häufig unvollständig über solche Demonstrationen berichtet, bei denen rechte und linke Gruppierungen aufeinandertreffen. Vor allem Übergriffe von Polizisten würden ausgeblendet. Dies deswegen, weil die Polizei Journalisten gern auf Distanz halte: "Das geschieht meist in direkter Ansprache, dass es heißt: Es sei zu gefährlich für uns Presseleute. Wir sollen weggehen. Oder aber: Wir sollen nicht fotografieren, was durch überhaupt keine rechtliche Geschichte gedeckt ist. Und die normalen bürgerlichen Pressevertreter folgen dieser Aufforderung. Wir machen das nicht."

"Wir" – das sind die gut zwei Dutzend Reporter der Plattform "beobachternews.de", die den selbst gesteckten Ehrgeiz haben, genauer hinzu schauen: Von wem geht tatsächlich Gewalt aus? Wie geht die Polizei mit jenen um, die in Gegendemos rechtslastige Kundgebungen zu sprengen versuchen? Wo überall wird Fremdenfeindlichkeit zum öffentlich wahrnehmbaren Event? All das steht im Onlinemagazin "beobachternews.de."

... oder gar nicht erst hingehen

"Weissach im Rems-Murr-Kreis. In der 7000-Einwohner-Gemeinde Weissach im Tal ist am frühen Montagmorgen ein leer stehendes Flüchtlingsheim abgebrannt.
Dresden. Am Nachmittag demonstrierten Anhänger der Alternative für Deutschland in Dresden gegen Flüchtlinge und AsylbewerberInnen.
Meßstetten. Die NPD plant auf der Schwäbischen Alb eine Geschäftsstelle für Baden-Württemberg - ausgerechnet in Meßstetten, wo es eine Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge gibt."

Oftmals würden, so Alfred Denzinger, solche Ereignisse von etablierten Medien bewusst totgeschwiegen. "Ein sehr gutes Beispiel ist dieser Nazi-Aufmarsch in Weilheim-Teck. Wir waren alleine vor Ort. Wenn wir dort nicht gewesen wären als Pressevertreter, wäre überhaupt keine Presse dagewesen."

Dabei habe es, behauptet Alfred Denzinger, auch Übergriffe auf, wie er formuliert, "antifaschistische Gegendemonstranten" gegeben – eine Darstellung, die die Polizei allerdings zurückweist  und argumentiert, das Demonstrationsrecht gelte grundsätzlich für alle politischen Gruppierungen. Wie dem auch sei: Ohne die Reporter von "beobachternews.de"  wäre, so Alfred Denzinger, das Thema gar nicht erst an die Öffentlichkeit gekommen.

"Eine wichtige Ergänzung der Berichterstattung"

"Was diese Beobachternews machen, ist ja eine Demo-Beobachtung. Das heißt, es ist eine Spezialisierung mit einer gewissen Kraft, auch mit einer gewissen personellen Kraft dahinter." So Renate Angstmann-Koch von der deutschen Journalisten-Union. Sie hält die Arbeit der Internet-Plattform für eine wichtige Ergänzung der Berichterstattung in etablierten Medien – vor allem dann, wenn es zur polizeilichen Gewalt gegen Gegendemonstranten gekommen ist.

"Wenn es bei einer Demonstration zum Beispiel Konflikte gab, dann hat man in der Redaktion ja zumeist sehr einseitig die Darstellung der Polizei, die ihre Pressearbeit sehr stark professionalisiert hat. Die andere Seite, die ich als Journalist hören sollte, kommt gar nicht zu Wort, weil sie gar keine Strukturen hat, sich zu Wort zu melden."

Dem setze "beobachternews.de" etwas entgegen und erfülle damit eine wichtige gesellschaftliche Funktion. In Zukunft hofft Alfred Denzinger auf ein bundesweites Netz ehrenamtlicher Korrespondenten, die über Fremdenfeindlichkeit, rechtslastige Umtriebe und Übergriffe auf Demonstranten und Journalisten berichten – von Flensburg bis zum Bodensee.

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