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StartseiteWirtschaft und GesellschaftNeuer Höchststand bei Rücksendungen23.01.2020

OnlinehandelNeuer Höchststand bei Rücksendungen

Zu groß, zu klein, doch nicht so schön - etwa 500 Millionen online bestellte Artikel haben die Deutschen im vergangenen Jahr zurückgeschickt. Denn für online bestellte Waren gilt: Verträge können – anders als im stationären Handel – innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden.

Von Mischa Ehrhard

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Pakete in einem Lkw (picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB)
500 Millionen Produkte wurden im Jahr 2019 zurückgeschickt - ein neuer Rekordwert (picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB)
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Verbraucherinnen und Verbraucher haben 2019 über 500 Millionen Produkte in rund 300 Millionen Paketen an Versender zurückgehen lassen. Das ist das Ergebnis von Berechnungen der Universität Bamberg und entspricht etwa zehn zurückgesendeten Waren pro erwachsener Person im erwerbsfähigen Alter. Ein neuer Rekord, verursacht einerseits durch verbraucherfreundliche Gesetze. Und durch große Onlinehändler, die ihren Kunden die Kosten für die Retouren erlassen.

Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg geht davon aus, dass diese Kosten auf die Kunden umgelegt werden. Und noch mehr: "Das zweite ist, dass Logistik-Vorgänge einen CO2-Ausstoß haben, also eine Umweltwirkung. Das sind zum einen Umweltkosten - und zum anderen auch die niedrigen Löhne, die bei den Logistikdienstleistern und deren Subunternehmen gezahlt werden."

Drei Euro pro Retour: 16 Prozent weniger Rücksendungen

Um diese Probleme anzugehen, hat Asdecker schon im Herbst eine festgelegte Retourengebühr vorgeschlagen. Bei einer Gebühr von rund drei Euro rechnen Händler laut Umfragen mit einem Rückgang der Retouren um 16 Prozent. Davon profitieren könnte nicht nur die Umwelt durch weniger CO2-Emissionen. Sondern auch Verbraucher, die wenig Waren zurücksenden.

"Eine Gebühr würde das Verursacherprinzip realisieren: Derjenige, der retourniert, der bezahlt dann auch für die Rücksendung. Diejenigen, die nicht retournieren, die würden davon profitieren, dass am Ende die Preise niedriger werden."

Der E-Commerce-Verband bevh steht einer möglichen gesetzlich vorgeschriebenen Rücksendegebühr kritisch gegenüber. Ein staatlicher Eingriff dürfe nur das letzte Mittel im Fall eines Marktversagens sein, heißt es in Berlin.

Ausgleich finden zwischen Verbraucherschutz und Ökologie

Einige Handelsforscher wie etwa Experten an der Universität Niederrhein schließlich sehen das Problem der vielen Retouren eher beim hohen Verbraucherschutz im Onlinehandel. So sei Deutschland anteilsmäßig das Land mit den meisten Retouren weltweit. Laut dem Umweltverband BUND geht ein Drittel des Verkehrs in deutschen Städten auf Güter- und Lieferverkehr zurück. BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg schlägt dennoch einen Kompromiss aus den verschiedenen Interessenlagen vor.

"Verbraucherschutz ist natürlich ein hohes Gut - und da wollen wir als Umweltverband natürlich auch nicht dran rütteln. Wie eine Regelung aussehen kann, die sowohl den Verbraucherschutz beinhaltet als auch die ökologischen Folgen adressiert, das müsste man tatsächlich dann in der politischen Diskussion ausarbeiten."

Wie seine Antwort zeigt: Eine heikle Mission.

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