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StartseiteKommentare und Themen der WochePräsident Putin hat die Regie übernommen02.07.2019

OPEC-EinigungPräsident Putin hat die Regie übernommen

Das Ölkartell OPEC+ hat sich auf neue Erdöl-Förderlimits verständigt. Diese Einigung wird die Preise für Benzin und Heizöl weiter in die Höhe treiben, kommentiert Klemens Kindermann. Vor allem Russland scheint im Hintergrund die Fäden zu ziehen - und könnte bald eine noch wichtigere geopolitische Rolle spielen.

Von Klemens Kindermann

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Erdölpumpe auf der Halbinsel Abseron: Nur wenige Kilometer von der Innenstadt Bakus entfernt (Deutschlandradio / Daniel Heinrich)
Die OPEC einigt sich auf Förderungsmengen - der Ölpreis könnte dadurch weiter steigen (Deutschlandradio / Daniel Heinrich)
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Autofahrer, Hausbesitzer und Mieter werden sich auf höhere Kosten einstellen müssen. Denn mittel- und langfristig wird die Entscheidung der OPEC, weiterhin weniger Öl zu fördern, die Preise von Benzin und Heizöl in die Höhe treiben. Nicht nur für sechs, sondern gleich für weitere neun Monate sollen die Förderlimits gelten: Das ist ein deutliches Zeichen des Ölkartells, dass es höhere Preise unbedingt durchsetzen will. Der Niedergang Venezuelas hat gezeigt, wie sehr ein niedriger Ölpreis ein Land destabilisieren kann.

Russlands Einfluss ist gewachsen

Wer dachte, die Zeiten des Kartells sind allmählich vorbei, hat sich getäuscht. Indem die immer noch aus 14 Staaten bestehende alte OPEC eine Allianz mit zehn weiteren kooperierenden Ländern, allen voran Russland, eingegangen ist, steht diese sogenannte OPEC+ für eine immense Marktmacht. Der Marktanteil der alten OPEC war bereits auf unter 30 Prozent gesunken. OPEC+ dagegen steht für etwa die Hälfte der globalen Ölförderung.

Doch hat diese Macht der OPEC+ auch einen Preis: Ganz eindeutig hat hier der russische Präsident Putin die Regie übernommen. Dass die Absprachen zu den Förderkürzungen bereits auf dem G20-Treffen zwischen Saudi-Arabien und Russland getroffen wurden, zeigt: Russland gibt den Takt für das Verhalten des Ölkartells vor. Wegen der traditionell eher niedrigen Kosten der Ölförderung in Russland ist Putin in einer günstigen Lage: Während Saudi-Arabien höhere Preise unbedingt braucht, um den Staatshaushalt zu finanzieren, kann er in Ruhe abwarten und das Kartell politisch steuern.

Ungewisse Zukunft - weiterer Preisanstieg möglich

Die Bedeutung dieser strategischen Verschiebung auf dem Weltölmarkt zu Gunsten Russlands ist vielen Akteuren noch gar nicht so klar. Wenn sich die Lage im Nahen Osten allerdings wieder zuspitzt, insbesondere durch eine Verschärfung der Auseinandersetzung um den Öltransport in der Straße von Hormus, wenn es gar zu einem Konflikt zwischen dem Iran und den USA kommt, dann wird Russland eine noch wichtigere geopolitische Rolle spielen. Letztlich auch durch die neu gewonnene Macht auf dem Ölmarkt. Die Ölpreise könnten dann noch weitaus stärker ansteigen. Der Boden dafür wurde mit der heutigen Entscheidung der OPEC+ bereitet.

 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

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