Freitag, 21.09.2018
 
StartseiteCorsoDer Ghetto-Präsident28.08.2018

Opposition in UgandaDer Ghetto-Präsident

Als Musiker zählt Bobi Wine zu den Stars in Uganda, als Politiker gehört er zur Opposition. Vor zwei Wochen wurde er verhaftet und kam vorläufig frei. Doch er ist angeklagt wegen Hochverrats - darauf steht die Todesstrafe. Unterstützung findet Bobi Wine auch bei internationalen Stars wie U2 und Coldplay.

Von Linda Staude

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Bobi Wine bei einer Demonstration in Kampala. (AFP / Isaac Kasamani )
Ugandas Präsident ist seit 32 Jahren an der Macht - und will bleiben - dagegen lehnt sich der afrikanische Popstar und Oppositionspolitiker Bobi Wine auf, wie hier bei einer Demonstration in Kampala (AFP / Isaac Kasamani )
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Reihe: Sound journeys Deena – Plötzlich Popstar in Uganda

Afrikaner helfen Deutschen Von Uganda in die deutsche Provinz

Berichterstattung aus Uganda Allein im Kriegsgebiet

Hunderte Menschen jubeln, trillern und schreien, als die Gefängnistüren sich öffnen. Bobi Wine humpelt mühsam heraus, gerade so aufrecht gehalten von zwei langen Krücken unter beiden Armen und gestützt von zwei Freunden. Er umarmt ein paar seiner Anhänger und klettert wortlos in den bereitstehenden Krankenwagen, der ihn vom Städtchen Gulu im Norden Ugandas zurück in die Hauptstadt Kampala bringen soll.

Sein Hit "Freedom" wurde verboten 

Frei auf Kaution, wie der Richter sagte, genau wie seine zwölf ebenfalls angeklagten Mitstreiter. Bobi Wine heißt mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi, ist seit 2017 Parlamentarier und Ugandas Afrobeat Star.

Sein Hit "Freedom", "Freiheit", lief im vergangenen Jahr in allen Bars und ständig im Radio – bis er verboten wurde. "Unsere Vordenker werden zu Folterknechten", heißt es im Text - "unsere Freiheitskämpfer zu Diktatoren". Ein direkter Angriff auf den früheren Freiheitskämpfer und heutigen Präsidenten Yoweri Museveni. Der ist dafür bekannt, dass er Kritiker auch schon mal mit Gewalt mundtot macht. So wie in der vergangenen Woche.

Unter lautstarken Protesten hat die Polizei Abgeordnete verhaftet, Journalisten und Oppositionelle. Auslöser dafür war ein angeblicher Angriff auf den Präsidenten Mitte August. Bobi Wine und seine Anhänger sollen seinen Konvoi bei Tumulten während einer Wahlveranstaltung mit Steinen beworfen haben. Zwar schrieb Museveni umgehend auf Facebook: "Das ist nicht das größte Problem hier. Der Präsident kann sich selbst oder mit Hilfe seiner Bodyguards verteidigen. Nicht nur gegen Steinewerfer, sondern gegen alle Angreifer. Das habe ich seit 48 Jahren getan."

Bobi Wines Fahrer bei dessen Verhaftung erschossen

Bobi Wines Fahrer hat für das nicht so große Problem mit dem Leben bezahlt: Er wurde bei der Verhaftung seines Chefs erschossen. Der Musiker wurde verschleppt und nach Aussage seiner Anwälte mit einer Eisenstange so übel zugerichtet, dass er weder laufen noch sprechen konnte. Das brutale Vorgehen könnte sich diesmal allerdings als Bumerang für Museveni erweisen.

"Alle macht dem Volk",  skandieren Demonstranten Bobi Wines Kampfruf. Hunderte sind in Kampala auf die Straße gegangen und fordern seine Freilassung. Die Polizei treibt die Menge prompt mit Tränengas und scharfen Schüssen auseinander, verhaftet über 100 Menschen – und bringt die Ugander noch mehr gegen die Regierung auf.

U2 und Coldplay unterstützen Bobby Wines Anhänger

Auch aus dem Ausland kommt Druck. Die USA äußerten sich besorgt über die Vorgänge in Uganda. International bekannte Bands wie U2 und Coldplay unterstützen Bobi Wines Anhänger. Und in Kenia wetterte Babu Owino vom Verband der jungen Parlamentarier gegen Museveni:

"Bobby Wine hat eine Zukunft. Ihre Zukunft ist längst Vergangenheit. Sie haben vermutlich noch fünf oder zehn Jahre zu leben. Aber Bobi Wine als junger Abgeordneter hat seine Zukunft noch vor sich."

Bobi Wine - Hoffnungsträger der Jugend

Ugandas Präsident ist seit 32 Jahren an der Macht. Rund drei Viertel aller Ugander haben nie einen anderen Präsidenten gekannt – und die Nase voll von dem verknöcherten Regime. Auch wenn Museveni sich gerne modern gibt mit Twitter- und Facebook-Mitteilungen und seinem eigenen Rap-Song. Geholfen hat das nicht viel. Die Jugend hat häufig genug keine Arbeit und keine Chancen – und sieht in Bobi Wine ihren Hoffnungsträger. Seine Anhänger nennen ihn Ghetto-Präsident und hören genau zu, wenn er musikalisch zum Aufstand aufruft.

Museveni interessieren die zunehmenden Proteste wenig. Der 73-Jährige will weiterregieren und hat dafür schon mal vorsorglich die Altersgrenze für das Präsidentenamt abschaffen lassen. Die Abgeordneten lieferten sich Faustkämpfe vor der Abstimmung über die Verfassungsänderung – Bobi Wine war ganz vorne mit dabei. Wieder einmal. Seine offene Kritik an Museveni hat er jetzt teuer bezahlt. Zwar ist er vorläufig auf freiem Fuß, um seine Verletzungen behandeln zu lassen. Aber Bobi Wine ist des Hochverrats angeklagt. Und dafür droht ihm in Uganda die Todesstrafe.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk