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StartseiteKultur heuteKeine Virenschleudern12.05.2020

Orchester und CoronaKeine Virenschleudern

Wie viel Corona kann aus einer Trompete kommen? Wirbelt ein Trommler infektiöse Tröpfchen erst recht durch die Luft? Ein Gutachten der Berliner Charité beschreibt die Bedingungen, unter denen Orchester wieder spielen könnten. Sind sie aber realistisch?

Axel Kober im Gespräch mit Monika Dittrich

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Die Münchner Philharmoniker spielen unter der Leitung von Valery Gergiev am 06.03.2015 in München (Bayern) in der Philharmonie im Gasteig.  (picture alliance/dpa - Felix Hörhager)
Große Symphonien oder Opern mit nur zwölf MusikerInnen? Keine echte Alternative. (picture alliance/dpa - Felix Hörhager)
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Streicher, Schlagzeuger und Pianisten könnten laut der Stellungnahme wieder gemeinsam proben und spielen, wenn sie einen Abstand von anderthalb Metern einhalten. Bläser brauchen zwei Meter Abstand, für Blechbläser wird ein zusätzlicher Plexiglas-Schutz empfohlen. Was das Berliner Papier vorschlägt, sei "alles organisatorisch umsetzbar", sagte der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, Axel Kober, im Deutschlandfunk. Um die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, müssten die Orchester, Konzert- und Opernhäuser aber verbindlich wissen, was unter welchen Umständen erlaubt sei.

"Wir sind sehr froh, dass jetzt doch viele fundierte Studien herauskommen, die diese anfängliche Panikmache ein bisschen genauer beleuchten", so Kober, der auch Chefdirigent seines Hauses ist. "Es hieß ja am Anfang, dass Bläser bis zu zwölf Meter Abstand voneinander haben sollen, weil sie regelrechte Virenschleudern sind. Das ist aber jetzt zum Glück gerade auch durch dieses Gutachten von der Charité ad acta gelegt worden. Jetzt können wir nur hoffen, dass diese Gutachten auch in die Gesetzeslage Einfluss finden."

Erste Versuche

Bei einem Konzert Ende April in der Düsseldorfer Tonhalle habe das Orchester der Deutschen Oper am Rhein die Maßnahmen bereits ausprobieren können:

"Da haben wir in kleinen Gruppen geprobt. Ich hatte ein Programm mit einem Stück nur für die Streicher, ein Stück nur für die Holzbläser und ein Stück nur für die Blechbläser. Wir haben die in unterschiedlichen Gruppen ins Haus kommen lassen, auf genauen Wegen, wer in welches Stimmzimmer geht, dass es möglichst wenig Kreuzungen auf den Gängen gibt. Und  wenn eine Gruppe geprobt hat, die Bühne gereinigt, vor allem die Notenpulte, die Ablageflächen. Und dann kam erst die nächste Gruppe ins Haus."

Chancen für den Spielplan

In der aktuellen Situation sieht der Düsseldorfer Generalmusikdirektor auch Chancen:

"Es gibt sehr viele kleine Opern, sehr viele Kammeropern, auch von vielen namhaften Komponisten. Viele Stücke, die man sonst nicht so auf dem Spielplan hat. Wir müssen uns schon noch eine gewisse Zeit mit einem alternativen Spielplan auseinandersetzen. Ich halte nichts davon, große Stücke einzudampfen und zu reduzieren und dann die 'Zauberflöte' ohne Chor zu spielen oder nur noch mit zwölf Musikern. Wir müssen als Künstler eine Antwort auf die momentane Situation finden und Stücke spielen, die wirklich den Umständen entsprechen. Die eine gewisse Distanz auf der Bühne auch als inszenatorisches Konzept haben. Wenn ich jetzt versuche, eine ‚Carmen‘ zu spielen, will ja niemand sehen, wie ihr ein Don José nicht mal auf drei Meter nahe kommen darf."

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