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StartseiteDie neue PlatteArp-Schnitger-Klang wieder hörbar gemacht21.09.2014

OrgelmusikArp-Schnitger-Klang wieder hörbar gemacht

Die Orgeln von Arp Schnitger hatten schon zur Zeit von Johann Sebastian Bach einen besonderen Ruf. Heute pilgern Orgelfans aus der ganzen Welt zu den Instrumenten des Orgelbauers, von denen besonders viele in Niedersachsen sind. Auf einer neuen CD werden klangliche Restaurierungen der letzten Jahre präsentiert.

Von Klaus Gehrke

Die St. Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee (Kreis Oldenburg) ist am Abend des Dienstag (30.08.2011) während des Arp-Schnitger-Festival II: "Buxtehude & Bach & Schnitger" bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Im Hintergrund ist die Orgel von Arp Schnitger zu sehen. Das Konzert mit dem Bach Collegium aus Japan fand im Rahmen des Musikfestes Bremen 2011 statt.  (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Die Orgel von Arp Schnitger in der St. Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee (Kreis Oldenburg). (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Weiterführende Information

Neue Musik - Brückenschlagende Orgelbegegnungen (Deutschlandfunk, Die neue Platte, 26.12.2013)

Instrumente - Kranke Kirchenorgeln (DRadio Wissen, Kultur, 25.10.2013)

Möglicherweise hat Bach auch die Orgel der Hamburger Johannis-Kirche kennengelernt. Das Gotteshaus in der Nähe des Rathausmarktes wurde um 1819 abgebrochen; Schnitgers 1680 eingebaute Orgel kam kurz zuvor in die Kirche St. Peter und Paul im niedersächsischen Cappel, nur wenige Kilometer von der Nordsee entfernt. Sie gilt als das am besten erhaltene Werk des Orgelbauers. Schnitger, 1648 im heute zur Stadt Brake gehörenden Schmalenfleth geboren, erhielt seine Ausbildung in Stade bei Berendt Hus und übernahm nach dem Tod des Meisters dessen Werkstatt. In Zusammenarbeit mit ihm vollendete Schnitger 1675 sein erstes großes Instrument, die Orgel in der Stader Stadtkirche St. Cosmas und Damian mit 42 Registern, drei Manualen und Pedal.

Mit nur 28 Registern fiel die 1682 erbaute Orgel in der St. Johannis-Kirche im nördlich von Stade gelegenen Oederquart deutlich kleiner aus. Sie wurde im vergangenen Jahr einer Rekonstruktion unterzogen, die die Wiederherstellung der ursprünglichen Klangfarbigkeit zum Ziel hat. Die japanische Organistin Tomoko Kitamura, die auf der CD die Schnitger-Orgel spielt, ist eine der zwölf Organistinnen und Organisten, die die niedersächsischen Instrumente des Meisters vorstellen. Fast alle von ihnen studierten bei Harald Vogel an der Hochschule für Künste in Bremen oder waren Teilnehmer beim dortigen Internationalen Arp-Schnitger-Orgelwettbewerb. Der renommierte Organist und Dozent ist darüber hinaus auch Beiratsmitglied der Arp-Schnitger-Gesellschaft in Brake, die vor 15 Jahren gegründet wurde und die sich für die Aufnahme der Werke des Instrumentenbauers in die Weltkulturerbeliste der UNESCO engagiert.

Zurück zum Originalzustand

Als Orgelsachverständiger hat Vogel zudem viele Restaurierungen historischer Instrumente begleitet - wie beispielsweise die der Orgel in Ganderkesee, die Schnitger 1699 in der Kirche St Cyprian und Cornelius einbaute. 2005 begannen dort umfassende Rekonstruktionsarbeiten, in deren Verlauf alle Veränderungen des 20. Jahrhunderts rückgängig gemacht wurden. Heute präsentiert sich das Instrument klanglich weitestgehend wieder so, wie Schnitger es konzipiert hatte. Mit gleich zwölf Orgeln weist Niedersachsen den größten Bestand an überwiegend vollständig erhaltenen Instrumenten Schnitgers auf; denn von seinen rund 105 gebauten Werken existiert heute nur noch knapp die Hälfte. Etwa 30 davon besitzen noch so viel historische Substanz, dass sie als "Schnitger-Orgeln" bezeichnet werden können, und befinden sich in den östlichen Niederlanden, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Drei von ihnen wurden sogar nach Portugal geliefert.

Kaum ein anderer Orgelbauer hat so nachhaltig stilbildend gewirkt wie Arp Schnitger: Seine Instrumente besitzen einen sowohl durchdringend brillanten als auch kräftig volltönigen Klang, der für die Begleitung des Gemeindegesangs und kunstvolles Solospiel gleichermaßen perfekt geeignet ist. Das gilt auch für die zwischen 1685 und 1687 erbaute Orgel der Kirche St. Nicolai und Martini in Steinkirchen südlich von Stade, bei der Schnitger vorhandenes Material eines noch älteren Instruments aus dem 16. Jahrhundert wieder verwendete. 2012 wurde sie umfassend restauriert und teilweise rekonstruiert.

Neuauflage mit Neuheiten

Die Idee, alle erhaltenen niedersächsischen Schnitger-Orgeln auf Tonträger zu bannen, ist nicht neu; bereits 2002 erschien eine Einspielung beim Label Dabringhaus und Grimm. Die jetzt veröffentlichte Doppel-CD übernimmt Teile davon, dokumentiert zugleich aber auch die jüngsten klanglichen Restaurierungsergebnisse an vier Instrumenten Steinkirchen, Ganderkesee, Hollern und Oederquart. Gleichzeitig bildet sie den Auftakt zu einer neuen Reihe über Schnitgers Orgeln; man darf auf den zweiten Teil gespannt sein, der sich seinen niederländischen Instrumenten widmen wird.

"Arp Schnitger in Niedersachsen", Doppel-CD, Dabringhaus und Grimm, MDG 1831-2

Musikliste der Sendung: 
Vincent Lübeck, Praeambulum ex E, Elizabeth Harrison an der Schnitger-Orgel in Cappel
Hans Leo Hassler, Alleluja, Laudem dicite, Tokomo Kitamura an der Schnitger-Orgel in Oederquart
Samuel Scheidt, Vater unser im Himmelreich, Versus 6 und 9, Eudald Danti an der Schnitger-Orgel in Ganderkesee
Franz Tunder, Praeludium ex F, Shinon Nakagawa an der Schnitger-Orgel in Steinkirchen,
Nicolaus Bruhns, Praeludium ex G, Agnes Luchterhand an der Schnitger-Orgel in Norden

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