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StartseiteSonntagsspaziergangSpaziergang durch Kühlungsborn29.09.2019

OstseebadSpaziergang durch Kühlungsborn

In Kühlungsborn in der Mecklenburger Bucht sind viele alte Hotel-Villen zu sehen. Nach dem Krieg quartierten die Hoteliers aber statt Badegästen Flüchtlingsströme aus Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland ein. Später begann im Ort für viele DDR-Bürger ihre Fluchtgeschichte.

Von Regina Kusch

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Die Villa Baltic in Kühlungsborn (Deutschlandradio / Regina Kusch)
Die neobarocke Villa Baltic in Kühlungsborn: Nach der Wende stand sie fast 30 Jahre leer (Deutschlandradio / Regina Kusch)
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"Es gibt ein Gesetz, das 1185 erlassen wurde vom damaligen Fürsten, der gesagt hat, was an Land angespült wird, das gehört den Eigentümern. Und er hat gesagt, dass alle die bestraft werden, die sich das unrechtmäßig aneignen und hat Strandvögte eingesetzt. Wenn was angeschwemmt wurde, was zu einem Schiff gehört hat, nahmen sie das in Gewahrsam. Dann hat der Strandvogt das in der Nähe der Kirche oder auf dem Friedhof gelagert. Wenn man in der Kirche stiehlt, das ist ein absoluter Frevel. Gestohlen wurde dann eigentlich im Mittelalter von dem was da gelagert worden ist, in der Kirche nichts."

Die aus massiven Feldsteinen gemauerten Kirchen galten als sicherster Ort der mecklenburgischen Stranddörfer, erklärt der Heimathistoriker Jürgen Jahncke, so wie die Sankt-Johannis-Kirche in Kühlungsborn Ost. Damals gab es hier nur ein Fischerdorf namens Brunshaupten, das vor 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde. Vermutlich veranlassten die Nonnen eines benachbarten Klosters zu dieser Zeit den Bau der kleinen Kirche, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert wurde, erzählt Pfarrer Matthias Borchert:

"Wir gehen jetzt durch den Holzturm, das ist ein ganz schlichter Holzturm, der wurde vor dieses Gebäude, was viereckig war und aus Feldstein gebaut worden ist, romanischer Baustil, davorgesetzt im 15. Jahrhundert. Und nach der Renovierung 2011, 2012 haben wir den Eingang freigelegt, sodass man schön in den Turm hineingucken kann, die alten Balken sieht, und auch teilweise, wann die Balken geschlagen wurden, 1797 steht hier dran. Aber im 15. Jahrhundert muss ein Turm dagewesen sein, denn wir haben eine kleine Bronzeglocke von 1495, die hängt oben noch drin, die Vater-Unser-Glocke."

Matthias Borchert arbeitet auch als Urlauberseelsorger. 2,5 Millionen Übernachtungen hat Kühlungsborn im vergangenen Jahr gezählt. Viele Besucher haben die kleine Feldsteinkirche, die eine Station des Ostsee-Radwanderwegs ist, besichtigt:

"Ich muss sagen, dass diese Kirche auch die erste Radwege-Kirche gewesen ist, hier in Mecklenburg. Deswegen liegen ja auch immer solche Texte aus zum Nachdenken, meditative Texte. Und wir haben auch eine Hütte wo man sich dann hinsetzen kann auf unserem Gelände und frühstücken kann. Wir haben das, dass Fahrrad-Reparatur da ist und das nehmen auch viele wahr und kommen in die Kirche rein."

Hügelige Landschaft

Die ersten Badegäste kamen Ende des 19. Jahrhunderts nach Brunshaupten. 1884 wurden 149 Urlauber gezählt, und das aufstrebende Seebad erhielt gute Kritiken:

"Wenige Ortschaften am Gestade des Meeres sind von so vielem landschaftlichem Reiz umgeben wie dieser Ort. Wenn man von Kröpelin kommt, passiert man den Diedrichshäger Berg, einen der größten und vielleicht romantischsten Höhenzüge Mecklenburgs, von welchem man eine weite wahrhaft idyllische Sicht hat auf das unendliche Meer und auf das mit kräftigen Buchenwäldern und herrlichen Äckern versehene Land, das nicht mit Unrecht der Garten Mecklenburgs genannt wird."

Der "Kröpeliner Anzeiger" empfahl 1882 eine Wanderung durch die Kühlung, von der eine Sage erzählt, dass dort einst Riesen lebten, die sich vorgenommen hatten, die Ostsee zuzuschütten. Aber als sie merkten, dass das ein aussichtsloses Unterfangen war, gaben sie auf und ließen frustriert ihre Steine, Erdmassen und Felsbrocken fallen. So entstand ein 23 Kilometer langes, hügeliges Waldgebiet:

"Kühlung kommt eigentlich von Kappeln. Wenn ein Segler sagt, wir haben heute Kappelwellen, dann sind es so ganz kleine Wellen. Und übertragen sie das einmal auf diese Moränenlandschaft, dann ist das bergig aber nur so ein bisschen bergig. Und so ist aus diesem Wort Kappeln Käbelüng, und dann später Kühlung geworden. Das hat nichts mit kühl oder kalt zu tun."

Jürgen Jahncke und Matthias Borchert haben für die 800-Jahrfeier der Kirche einen historischen Lehrpfad für Urlaubern und Einheimische angelegt, der die Entwicklung vom Fischerdorf zum größten Seebad Mecklenburgs erzählt. Dort erfährt man auch, dass der Badebetrieb 1880 durch die Initiative des Pfarrers gefördert wurde. Es entstanden die ersten Badeanstalten, in denen Männer und Frauen getrennt in der Ostsee schwimmen gingen, und immer mehr Einheimische vermieteten Zimmer. Heute fällt Kühlungsborn vor allem durch seine Bäderarchitektur auf. Wandernde Zimmerleute kamen zum Aufbau des wachsenden Seebads in die Mecklenburger Bucht und hinterließen in den geschnitzten Giebeln und Balkonen Zeugnisse ihres handwerklichen Könnens.

Stadtspaziergang durch Kühlungsborn

In der Ostseeallee reihen sich etwa 40 Hotel-Villen aneinander, die alle zwischen 1904 und 1906 gebaut wurden. Jürgen Jahncke:

"So sehen Sie heute Verzierungen, die eigentlich mehr aus dem Süden Deutschlands oder aus der Schweiz kommen. Die schönen Holzverzierungen haben die Handwerker mitgebracht. Das kannte man hier eigentlich nicht. Die floralen Elemente sind da, Tiere, Wassertiere, die Pflanzenwelt des Ozeans, auch Schmuckelemente, die aus der Romantik kommen oder aus der Klassik kommen, alles ist eigentlich vorhanden, und frei konnte man sich in dieser Zeit entfalten."

"Ich begrüße Sie alle hier in Kühlungsborn, im größten Ostseebad von Mecklenburg. Kühlungsborn ist aus drei Orten entstanden, einmal haben wir so ein kleines Landgut, das ist Fulgen, dann haben wir Brunshaupten, in dem Ortsteil befinden wir uns jetzt, und wenn wir dann noch drei Kilometer weiter wandern, kommt Arendsee dazu."

Tilly Hendess beginnt ihre Stadtspaziergänge gerne in Kühlungsborn-Ost an der Seebrücke, nimmt dann Kurs auf die Ostseeallee und plaudert dabei von alten Zeiten:

"Als diese Verbindungsstraße um 1900 angelegt wurde, war ein Herr von Bülow in Bad Doberan im Domanialamt tätig, im Landwirtschaftsamt. Da hat man ihm zu Ehren diese Verbindung von Ost nach West Bülowweg genannt. Dann kam die Stalinära, da hieß unsere Straße Stalinallee. Stalinallee – Kühlungsborn? Die haben sich an den Kopf gefasst, und gesagt wieso denn Stalinallee? Wir haben doch nur auf einer Seite Bäume, das ist doch keine Allee, aber nein, man hat sich wieder nach Berlin orientiert, so ist es dann die Stalinallee geworden. Dann war die Stalinära zu Ende, da wurde es Straße des Friedens. So hieß es dann bis zur Wende."

Gut vier Kilometer, vom Yachthafen im Osten, vorbei an zwei Konzertgärten, bis zum Balticplatz im Westen, erstreckt sich die Strandpromenade. Rechts ist sie gesäumt vom Meer und auf der linken Seite von einem Streifen mit Laubbäumen, hinter dem die rekonstruierten Bädervillen leuchten. Sie heißen "Astoria", "Hubertusburg", "Schloss am Meer" oder "Haus Laetitia", und haben alle eine bewegte Vergangenheit, so wie die "Wilhelmine". Ein Fischer baute sie Ende des 19. Jahrhunderts als Pension für Badegäste und gab ihr den Namen seiner Frau. Nach dem Krieg wurde das Haus zum Lazarett umfunktioniert. Zu DDR-Zeiten nutzte es der Freie Gewerkschaftsbund, FDGB, als Ferienheim, und vor fünf Jahren wurde die Jugendstilvilla an der Seebrücke ein Modegeschäft. Das "Haus Westfalia" ist eines der wenigen Hotels, das heute noch mit Familientradition seit 1903 wirbt:

"Das waren Schuster, die kamen hier aus der Umgebung. Und die haben als erstes aus Westfalen Gäste aufgenommen, und schon haben sie das "Haus Westfalia" genannt. Und in vierter Generation haben sie dieses Hotel. Zu DDR-Zeiten hatten sie es an den FDGB für wenig Geld verkauft. Und haben es nach der Wende wieder zurückkaufen können."

Geschichte der Strandkörbe

Andreas Bartelmann führt das Kaufhaus seines Großvaters in Kühlungsborn West, in dem er maritime Andenken verkauft und Strandkörbe vermietet. Er besitzt eine Sammlung historischer Fotografien vom Leben an der Ostsee, die sich seit mehreren Generationen im Familienbesitz befinden. Eine hängt im Schaufenster der viergeschossigen Villa. Auf der posiert sein Ururgroßvater, der Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann, im schwarzen Anzug mit Hut und Fliege zusammen mit seiner Familie in einem Strandkorb: Ehefrau Elisabeth im hochgeschlossenen schwarzen Kleid, Tochter Erna in weißer Bluse, langem Rock und Schnürstiefeln und die Söhne Hans, Albert und Max mit steifen Krägen und Knickerbockerhosen. Vor gut 135 Jahren soll Wilhelm Bartelmann für eine adlige Dame aus Rostock-Warnemünde den ersten Strandkorb erfunden haben:

"Anfangs auch Strandstuhl genannt, weil es wirklich ein aufrechtstehendes, wäschekorbähnliches Modell war, wo man sich reinsetzten kann und seinerzeit war es ja so, dass sich die Leute nicht unbedingt in die Sonne legten, wie wir das heute gerne machen, sondern die feinen Damen, die die Sommerfrische an der Ostsee genossen haben, brauchten so einen Korb, damit sie vor allzu viel Wind und Sonne geschützt sind, und dann war der Strandkorb geboren."

Da er sich seine Erfindung nicht patentieren ließ, und die Nachfrage groß war, produzierten bald auch andere Korbmacher Strandkörbe, die heute im Sommer das Bild an den Ostseestränden prägen.

Mit dem zunehmenden Tourismus expandierten die konkurrierenden Seebäder Brunshaupten und Arendsee. Brunshaupten war ein quirliger Badeort, in dem sich die Urlauber in den zahlreichen Restaurants und Cafés drängten oder beim Tanz amüsierten. Arendsee galt als eine vornehmere und ruhige Adresse. Obwohl die beiden Orte nahtlos ineinander übergingen, gab es keine ernsthaften Bestrebungen, sich zu einem Seebad zu vereinigen. Dass schließlich aus Fulgen, Brunshaupten und Arendsee Kühlungsborn wurde, hatte politische Hintergründe, erzählt Jürgen Jahncke. 1938 ordneten die Nationalsozialisten die Zusammenlegung an, um die Urlauberströme dorthin zu lenken und sie von Gebieten fernzuhalten, die sie für ihre Kriegsvorbereitungen brauchten:

"In Boltenhagen entstand ein Flugfeld, damit man dort Kriegsflugzeuge mit Bomben und Munition bestücken konnte. In Warnemünde gab es schon die Arado-Flugzeugwerke, und in Marienehe, einem Stadtteil von Rostock, waren die Heinkel- Werke. Die haben nicht nur Flugzeuge gebaut, sondern sie mussten auch probefliegen, und das wollte man natürlich nicht den Urlaubern zeigen. Gehen wir weiter nach Swinemünde, schon zu kaiserlichen Zeiten ein wichtiger Kriegshafen in der Ostsee. Die Nazis haben diesen Hafen ausgebaut und U-Boote entmagnetisiert, damit sie nicht von feindlichen Flugzeugen geortet werden konnten. Deswegen musste der schöne Strand entvölkert werden."

Im April 1938 verliehen die Nazis den drei Gemeinden die Stadtrechte und einen neuen Namen:

"Es musste ein Name sein, der mit Mecklenburg und auch dem Germanischen zusammenhängt, es sollte irgendwas mit der Landschaft zu tun haben. Die Kühlung. Kühlungsstadt, das klang nicht gut. Da hat man sich erinnert, dass in Brunshaupten die Cubanze durchfließt. Ein slawischer Name konnte natürlich nicht im Namen vorkommen zur Nazizeit, aber das heißt übersetzt Quelle. Sodass es dann logisch war, dass es Kühlungsborn heißt und nicht Kühlungsquelle, das klingt nicht."

Kühlungsborn nach dem Krieg

Nach dem Krieg mussten die Hoteliers statt Sommerfrischlern Flüchtlingsströme aus Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland einquartieren.

"1945 im Dezember hatten wir ungefähr 11.000. Und 3.800 Einwohner hatten wir. Die Pensionsbesitzer wussten, da kommt eine Familie mit sechs, sieben Leuten in ein Zimmer, und die müssen dann noch kochen, waschen, dann sind meine Möbel nach einem Jahr nicht mehr brauchbar, sodass sie die Möbel zum Beispiel in den Kellerräumen untergebracht haben, auf dem Boden versteckt hatten. Diese ganzen Hotels waren für Sommergäste ausgelegt und nicht für das ganze Jahr. Es fehlten also Öfen, es fehlten Herde, es fehlte Holz. In dieser Zeit ist die Seebrücke bei uns abgebaut worden, und der Stadtwald war leergefegt. Alles was an Holz an Bänken da stand, wurde einfach verheizt."

Wie ein Mahnmal ragt an der Strandpromenade ein alter See-Grenzbeobachtungsturm aus Beton empor. 27 Wachtürme wie dieser standen einst an der Ostseeküste der DDR, erklärt Lutz Tamm, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Grenzturmmuseums:

"BT11, Beobachtungsturm, elf Meter hoch, was wir hier noch original haben, die Antenne, die hier rüber ist zum Marinehafen, nach Warnemünde Hohe Düne, dann haben wir oben noch einen Scheinwerfer, der nachts das Küstengebiet ableuchtete, Reichweite zehn Kilometer. Die Türme standen immer in 10 Kilometer Abstand, man konnte den anderen in die Kanzel leuchten, ob der Tee oder Kaffee hatte."

Wer sich die schmale Stahlleiter hinauftraut, wird bei klarer Sicht aus 15 Metern Höhe mit einem Blick bis nach Dänemark belohnt:

"Schöne Aussicht, man hatte alles im Blick, da konnte keiner entkommen."

In einem kleinen Museumsbau neben dem Turm dokumentiert eine Ausstellung abenteuerliche Fluchtgeschichten. Mit Schlauch- und Fischerbooten, auf Luftmatratzen, schwimmend oder zu Fuß über die gefrorene Ostsee, immer wieder haben Waghalsige versucht, von Kühlungsborn aus die DDR zu verlassen. Für Museumsleiter Knut Wieck ist es eine Genugtuung, dass der Turm jetzt öffentlich zugänglich ist:

"Ich bin hier groß geworden am Wasser, wir haben getaucht, gesegelt, Fische gefangen, und 1961 da war der Vorhang zu, da kam die Mauer, da war nichts mehr mit tauchen und segeln, dann entstanden diese Türme an der Grenze, einer nach dem anderen, nachts die Scheinwerfer, die leuchteten über den Strand. Am Tag war es noch ein Ostseebad, aber nachts war es tot. Sie müssen sich vorstellen, Sie sitzen da als Liebespaar und wollen die Nacht genießen, und auf einmal steht da einer mit Maschinenpistole und sagt: weisen Sie sich aus, Papiere! Da kommt richtig Hass auf."

Nach der Wende wurde Knut Wieck Bürgermeister von Kühlungsborn und verhinderte den Abriss des Grenzturms:

"Später, als ich nicht mehr Bürgermeister war, haben wir einen Verein gegründet und das Museum gebaut. Und wenn man die Gästebücher liest, egal wer das ist, ob das Flüchtlinge sind, Grenzer, Grenzhelfer, Leute vom Bundesgrenzschutz, alle freuen sich, dass wir das dokumentieren, ohne zu polemisieren. Jeder möchte immer seine Erlebnisse erzählen, das ist hochinteressant."

Strandkörbe vor der Villa Baltic in Kühlungsborn (Deutschlandradio / Regina Kusch)In Kühlungsborn soll der erste Strandkorb erfunden worden sein (Deutschlandradio / Regina Kusch)

Tilly Hendess: "Hier haben wir den sogenannten Baltic Platz. Und diese super neobarocke Villa, das ist das schönste Haus in Kühlungsborn gewesen. Das ist damals 1912 von einem jüdischen Ehepaar gebaut worden. Er Justitiar und sie soll aus der Familie der Rothschilds kommen. Wir Kühlungsborner haben immer gesagt, das ist unsere Marmorvilla."

Die Villa Baltic mit einem geschwungenen, reich verzierten Giebel, einem Glasdach, säulengestützter Veranda und einem runden Eckturm war eins der schönsten Häuser an der deutschen Ostseeküste. Die kinderlose Margarete Hausmann vererbte es der "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin", die dort 1931 ein Erholungsheim für jüdische Akademiker eröffnete. 1935 brachte die "Goebbels-Stiftung für Bühnenschaffende" das Anwesen in ihren Besitz und entfernte die Grabpyramide der Hausmanns. Nach Kriegsende wechselte das Haus mehrmals die Besitzer, bis es der FDGB übernahm. Mit einer Meerwasserschwimmhalle, einem Restaurant und einer Nachtbar wurde die Villa Baltic in den 70er Jahren zu einem Renommierobjekt:

Hendess: "Da ist sogar Wachsfigurenausstellung drin gewesen, da war Disco."

Jürgen Jahncke: "Ich erinnere mich, ich hab dort meinen 50. Geburtstag gefeiert. Herrlich! In der Bar oben, mit einem Discjockey, man konnte nach draußen auf die Terrasse treten."

Knut Wieck: "Überwältigend. Große, helle prachtvolle Räume, das Treppenhaus, links und rechts ein großer Löwe, der Sie da begrüßte, mit Marmor die Treppe hoch, an ein Pianokonzert erinnere ich mich noch gut."

Nach der Wende stand die Villa Baltic fast 30 Jahre leer, verfiel und wurde zum Ärgernis vieler Kühlungsborner, die daraus gerne ein Kurhaus gemacht hätten. Kürzlich erwarben Oldenburger Investoren den maroden Prunkbau. Allerdings ist noch unklar, wie der künftig genutzt werden soll. Jürgen Jahncke setzt sich dafür ein, dass die Hausmanns nicht aus der Kühlungsborner Stadthistorie verschwinden. Stolpersteine und eine Gedenktafel an der Stelle, wo einst der Grabstein stand, sollen an die erinnern, die eines der schönsten Häuser der Mecklenburger Bucht errichten ließen.

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