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StartseiteUmwelt und VerbraucherWas man beim Geschenkversand beachten sollte28.11.2018

Paketwahnsinn zur WeihnachtszeitWas man beim Geschenkversand beachten sollte

Paketzusteller gehen 2018 von 330 Millionen Sendungszustellungen an Privatpersonen in der Weihnachtszeit aus. Das bedeutet nicht nur für die Paketboten Stress. Auch diejenigen, die Geschenke aufgeben möchten, sollten beim Versand einiges beachten, damit das Paket rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum liegt.

Von Vivien Leue

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Transportwagen der Logistikunternehmen DPD, UPS (United Parcel Service) und DHL in der Innenstadt von Hamburg. Foto: Christian Charisius dpa/lno | Verwendung weltweit (Christian Charisius /dpa / lno)
Volle Postfilialen, verstopfte Innenstädte, gestresste Paketzusteller: Der Paketwahnsinn vor Weihnachten läuft auf Hochtouren. (Christian Charisius /dpa / lno)
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Marie-Christin Pellegrino steht hinter dem Tresen ihres kleinen Schreibwaren- und Post-Geschäfts in Düsseldorf.

"Dann haben wir 2,94 zusammen." Hinter und neben ihr an den Wänden: Regale voll mit Paketen.

Sechs- bis achthundert DHL-Sendungen lagern hier – noch. Denn bald, wenn der Weihnachtsversand anfängt, werden sich diese Zahlen wohl wieder verdoppeln, ebenso wie die Schlange der Kunden vor Pellegrinos Geschäft:

"Das ist echt der Wahnsinn. Ja, Weihnachten ist Ausnahmezustand." (lacht)

330 Millionen Sendungen in der Weihnachtszeit

Mit zusätzlichen Aushilfen, noch mehr Regalflächen und viel Gelassenheit haben sie und ihr Mann das Weihnachtsgeschäft aber bisher immer gut gemeistert.

"Wir machen das Beste daraus, die Kunden haben alle Verständnis, wenn dann die Paketwagen hier voll stehen und ja, wir kennen das aus den letzten Jahren, wobei das stetig steigt."

Tatsächlich erwarten Paketdienstleister wie DHL, Hermes oder DPD auch in diesem Jahr wieder Rekord-Zahlen, sagt Marten Bosselmann, Geschäftsführer des Bundesverbands Paket und Express-Logistik.

"Wir gehen von einem Wachstum von acht bis zehn Prozent aus. Konkret heißt das, 330 Millionen Sendungen an Privatpersonen in der Weihnachtszeit."

Damit das alles auch wirklich bis spätestens Heiligabend ausgeliefert wird, haben die Unternehmen 25.000 zusätzliche Zusteller eingestellt und auch in den Verteilzentren wird das Personal aufgestockt. Aber das allein wird nicht reichen, um die Paket-Situation an Weihnachten zu entspannen. Vor allem in den Innenstädten nimmt der Verkehr in der Adventszeit häufig noch mehr zu, Ladezonen sind zugeparkt, Empfänger nicht zuhause – und:

"Das Hauptproblem in der Weihnachtszeit ist das Wetter, ist nicht zu kalkulieren."

Weiße Weihnachten ist für Paketdienstleister das Schlimmste

Weiße Weihnachten – das ist für die Paketdienstleister mit das Schlimmste, was passieren kann, denn wenn Eis auf der Straße liegt oder der Verkehr durch Schneefall stockt, können die Zusteller ihren Zeitplan kaum einhalten. Kurz vor Heiligabend bedeutet das Stress: Für die Zusteller und die Kunden, die sehnsüchtig auf ihre Geschenke warten.

"Ganz konkret auf den Endverbraucher bezogen bedeutet das, dass er die Pakete möglichst rechtzeitig aufgibt zu Weihnachten. Also wir nennen da ein Zeitfenster vom 19. zum 20. Dezember, nicht zu spät",

sagt Verbands-Geschäftsführer Marten Bosselmann.

Bestellungen aus dem Internet sollten sogar noch früher aufgegeben werden, sagt Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

"Umso früher man seine Geschenke bestellt, umso besser die Chancen, dass wenn was schief geht, dass man da noch einmal regulativ tätig werden kann, sprich: Sich an den Händler wenden kann."

Vielleicht wurde das falsche Produkt geliefert, oder es ist beschädigt – wenn das erst kurz vor Weihnachten auffällt, wird es knapp.

Wer selbst ein Paket verschickt, sollte sich für den Fall, dass die Sendung nicht oder beschädigt ankommt, absichern:

"Wenn Sie wirklich etwas Teures verschicken, schnappen sie sich jemanden, der gerade in der Wohnung ist, der dabei ist, wenn sie es einpacken oder machen sie Bilder, heben Sie die Rechnungen auf, sodass sie dann im Streitfall wirklich etwas vorlegen können."

Denn Pakete sind zwar häufig versichert, "das heißt aber lediglich, es gibt Haftungshöchstgrenzen im Fall von Beschädigungen und Verlust. Ich habe aber dann immer noch eine Darlegungsbeweislast im Streitfall" – der Versender muss also beweisen, dass das Paket einen bestimmten Wert hatte.

Außerdem schließen verschiedene Paketdienstleister bestimmte Waren vom Versand aus:

"Es gibt lange Kataloge mit sogenannten Verbotsgütern, die Sie nicht verschicken dürfen, da besteht dann keine Haftung. Das kann Geld sein, das kann Schmuck sein, das können Akkus sein, das können bestimmte Formen von Lebensmitteln sein."

Wer hier auf Nummer sicher gehen will, fragt vorher bei dem Paket-Unternehmen nach.

Ein Last-Minute-Tipp

Einen Last-Minute-Tipp hat Julian Graf auch noch: Wenn eine Sendung doch noch kurz vor knapp auf den Weg gebracht wird, sollte der Empfänger schauen, dass er das Paket auch annehmen kann – oder ein Nachbar. Im Zweifel lässt man es vielleicht lieber gleich zu einer Packstation oder einem Paketshop liefern.

Marie-Christin Pellegrino wird in ihrem Düsseldorfer Schreibwaren- und Postgeschäft noch an Heiligabend hinter dem Tresen stehen und letzte Pakete ausgeben, zumindest bis zum Mittag. "Zwar nur einen halben Tag, aber irgendwann müssen die Weihnachtsvorbereitungen ja auch mal starten."

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