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Panama Papers Mehr als 1000 deutsche Kunden bei "Mossack Fonseca"

Der deutsche Formel-1-Pilot Nico Rosberg (dpa / picture-alliance / Diego Azube)
Die Kanzlei "Mossack Fonseca" bietet unter anderem die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen an. (dpa / picture-alliance / Diego Azube)

Die "Panama Papers" enthalten auch zahlreiche Namen von deutschen Nutzern der Briefkastenfirmen, die "Mossack Fonseca" anbot. Darunter ist mit Nico Rosberg ein bekannter Rennfahrer, aber auch Geschäftsleute und Banken sind unter den Kunden.

Am Sonntag feierte Nico Rosberg noch ausgelassen einen Sieg. Beim Großen Preis von Bahrain holte er seinen fünften Sieg in Serie und den zweiten in dieser Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Der folgende Tag sollte deutlich unangenehmer für Rosberg werden. Die internationalen Recherchen zu den "Panama Papers" zu Briefkastenfirmen zur Verschleierung von Vermögen, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zeigen: Auch Rosbergs Name taucht in den Dokumenten auf. 

Eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln sei der Vertragspartner des Mercedes-Teams, für das Rosberg fährt, berichtet tagesschau.de. Gegenstand seien laut Vertrag Rosbergs Dienste als Rennfahrer. Als Fahrer ist er offenbar nicht direkt bei seinem Team, sondern in der Karibik angestellt. Fragen dazu wollten laut tagesschau.de weder Mercedes noch Rosberg beantworten. Ob an die Firma Geld geflossen ist, sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich.

Wer ist "Mossack Fonseca"?
Gegründet wurde die Kanzlei 1977 von Jürgen Mossack. 1986 kam der Panamaer Ramón Fonseca Mora als Partner dazu. Jürgen Mossack, 1948 in Deutschland geboren, wanderte mit seiner Familie nach Panama aus. Kanzleipartner Fonseca war in den vergangenen Jahren Berater des panamaischen Präsidenten Juan Carlos Varela. Er lässt diese Beratertätigkeit derzeit ruhen – wegen Ermittlungen gegen die Firma in Brasilien.

Was macht "Mossack Fonseca"?
Die Kanzlei bietet die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen an, organisiert Treuhandfonds und private Stiftungen. Die Kanzlei ist nach eigenen Angaben in folgenden Ländern tätig: Belize, Niederlande, USA, Costa Rica, Großbritannien, Malta, Hong Kong, Zypern, auf den Britischen Jungfern-Inseln, Bahamas, Panama, Anguilla, Seychellen, Samoa. Sie beschäftigt gut 500 Mitarbeiter.

Siemens-Vorstand und Eierproduzent genannt

Rosberg ist bei Weitem nicht der einzige Deutsche, dessen Name in den Dokumenten der Kanzlei in Panama auftaucht - es sollen insgesamt mehr als 1000 sein. Die Recherchen, die in Deutschland die Süddeutsche Zeitung, der WDR und der NDR führten, belegen demnach, dass auch der frühere Siemens-Vorstand Jürgen Radomski mit Hilfe von "Mossack Fonseca" mehrere Millionen Euro aus der Schweiz über Andorra und die Bahamas nach Panama verschob. Radomski bestreitet dies.

Auch der einst größte Eierproduzent Europas, Anton Pohlmann, gehört laut den Recherchen zu den Nutzern der Briefkastenfirmen. Nach einem Berufsverbot wegen Tierquälerei in Deutschland arbeitete Pohlmann in den USA. Für die Korrespondenz mit "Mossack Fonseca" nutzte er jedoch laut tagesschau.de eine Postanschrift in Niedersachsen und wäre dadurch möglicherweise in Deutschland steuerpflichtig gewesen.

Viele weitere deutsche Kunden sind keine Personen des öffentlichen Lebens. Doch allen könnten nun Ermittlungen durch die deutschen Behörden bevorstehen.

28 deutsche Banken in Geschäften mit "Mossack Fonseca"

Mindestens 28 deutsche Banken sollen laut Süddeutscher Zeitung in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei genutzt haben, darunter die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank und die BayernLB.

Insgesamt hätten allein die deutschen Banken bei dem Offshore-Dienstleister mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder diese für ihre Kunden verwaltet. Gut 500 Banken aus Deutschland und dem Ausland haben den Dokumenten zufolge in den vergangenen Jahren mithilfe der Kanzlei mehr als 15.600 Briefkastenfirmen an ihre Kunden vermittelt. Die Kanzlei selbst wehrt sich gegen Vorwürfe und hält die Abschöpfung der Daten für strafbar.

(nch/tj)

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