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StartseiteKultur heuteAutorin: Panik macht Mitgefühl unmöglich19.03.2020

Pandemie und EmpathieAutorin: Panik macht Mitgefühl unmöglich

Einkaufshilfen, Krisen-Hotlines, Solidaritätsbekundungen für Ärztinnen und Pfleger: Auch wenn es in der Coronakrise gerade anders wirke - prinzipiell könne man beobachten, dass die Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen, zunehmend abhandenkomme, sagte die Autorin Melanie Mühl im Dlf.

Melanie Mühl im Gespräch mit Änne Seidel

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Melanie Mühl bei Lanz (picture alliance / Eventpress MP)
Melanie Mühl hält Mitgefühl in unruhigen Zeiten für besonders wichtig (picture alliance / Eventpress MP)
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Einfühlen durch Mitfühlen

Angela Merkels Aufruf zu Solidarität und Gemeinschaft sei richtig gewesen und werde auch Wirkung zeigen, meint Autorin Melanie Mühl im Deutschlandfunk: "Ohne noch mehr Solidarität wird es in den nächsten Monaten nicht gehen." Vor zwei Jahren hatte Melanie Mühl in ihrem Buch "Mitfühlen – Über eine wichtige Fähigkeit in unruhigen Zeiten" festgestellt, dass die Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen, uns zunehmend abhandenkomme. In der Krise könne man nun beobachten, dass es uns in der Wohlstandsgesellschaft schwer falle, auf Privilegien und Freiheiten zu verzichten. Die Krise fördere Gutes und Schlechtes zutage, die Hamsterkäufe zum Beispiel. Panik sei nicht gut und mache Mitgefühl unmöglich.

Mitgefühl ohne Präsenz ist schwieriger

Allerdings sei es auch schwieriger, Mitgefühl zu entwickeln ohne die körperliche Präsenz des Gegenübers. Das liege zum Beispiel daran, dass wir nicht in dessen Gesicht lesen können. Dennoch Mitgefühl zu empfinden müsse man erst lernen. Das sei auch wichtig, weil das Leben gerade in der Krise, in der die Menschen auch psychisch enorm belastet sind, ohne Mitgefühl nicht funktioniere.

Die Leute haben genug mit ihren eigenen Sorgen

Im Moment sei Mitgefühl sehr gefragt, so dass sich die meisten Menschen auf ihr persönliches Umfeld beschränkten. Das sei ganz normal und werde noch stärker werden, wenn die Stärke der Krise zunehme. Man habe einfach mit seinen eigenen Sorgen genug zu tun. Das zeige sich auch im Verhältnis ganzer Länder, die zunächst das Wohl ihrer Bevölkerung im Blick hätten, was auch von ihnen erwartet werde. Man frage sich natürlich auch, ob das jetzt nicht die Situation wäre, in der man enger zusammenrücken könnte und dass man auf kurzen Dienstwegen Dinge ins Rollen bringt. Derzeit sei aber jedes Land sich selbst das nächste Land.

  

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