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StartseiteTag für TagDer leidige Vater26.10.2016

Papst-SerieDer leidige Vater

Der Stellvertreter Christi raucht Kette und trinkt Kirschcola zum Frühstück: Die neue TV-Serie "The Young Pope", zu sehen im Bezahlsender Sky, präsentiert einen kontaktgestörten, konservativen Papst. Jude Law, einst "Sexiest man alive", gibt den Anti-Franziskus.

Von Laura Díaz

TV-Serie "The Young Pope" Jude Law beim Photocall. (imago stock&people)
Jude Law beim Photocall zur TV Serie "The Young Pope." (imago stock&people)
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"Ich bin der Papst. Ich bin der Papst."

Es ist nicht Franziskus, der da spricht. Es sind die Worte von Papst Pius XIII. Ein fiktiver Pontifex gespielt vom britischen Schauspieler Jude Law - der 2004 noch zum "Sexiest Man Alive" gekürt wurde. Jetzt also der oberste Zölibatär. "The Young Pope" besteht aus zehn Episoden und wurde vom italienischen Starregisseur Paolo Sorrentino konzipiert. Der Amerikaner Lenny Belardo, der mit 47 Jahren zum Stellvertreter Christi auf Erden gewählt wird, will den Vatikan revolutionieren. Allerdings tut sich Pius XIII. mit seiner Rolle zunächst schwer. Zu seinen Mitarbeitern ist er streng, persönliche Nähe lehnt er ab.

"Freundschaftliche Beziehungen sind gefährlich. Sie führen auf das Feld der Zweideutigkeiten, Missverständnisse und Konflikte. Und sie enden immer schlecht. Formelle Beziehungen auf der anderen Seite sind klar wie das Wasser einer Quelle. Ich hoffe, Sie haben verstanden, dass ich nichts von freundschaftlichen Beziehungen halte", sinniert Pius XIII. Er ist eine exzentrische und dominante Person, die gerne provoziert:

"Das Thema, dass mich gerade am meisten beschäftigt ist mein Bedürfnis nach einem starken Kaffee. Holen Sie mir einen, Eminenz!" "Natürlich. Amatuchi?"-"Ich hatte nicht ihn gefragt, ich hatte Sie gefragt."-"Es wird mir ein Vergnügen und eine Ehre sein, Euch einen Kaffe zu bringen, Eure Heiligkeit."

Gegenentwurf zum aktuellen Pontifex

"Er scheint sich in vielen Szenen durchaus seiner Macht bewusst zu sein, die mit dem Amt auf die Person übergeht und die weiß er klar zu nutzen und das macht ihn nicht besonders sympathisch", sagt Julian Tappen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Katholische Theologie der Universität zu Köln. Er hat sich die ersten Folgen der Serie angeschaut:"Ich sehe nicht besonders viele Parallelen zu Franziskus."

Regisseur Sorrentino zeichnet mit Papst Pius XIII. einen Gegenentwurf zum aktuellen Pontifex. Sein Papst ist Kettenraucher, trinkt zum Frühstück nur eine Cherry Coke Zero und lehnt es ab, sich fotografieren zu lassen. Zum Volk spricht er im Dunklen, das Gesicht des Pontifex bleibt den Gläubigen verborgen.

Julian Tappen sagt: "Was hier passiert ist, dass, wie es vorkonziliar - also vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil - in bestimmten Kirchenbildern immer mal wieder vorgekommen ist, dass hier der Papst verwechselt wird mit der eigentlichen Mitte des Glaubens und der Kirche, die Christus ist. Und in dieser Aneignung des Bilderverbotes geschieht etwas Ähnliches: Hier verwechselt jemand sich selbst gerade mit Christus."

Pius XIII. bleibt trotz PR-Beratung stur. Schnell zeigt sich: Der junge Mann ist unberechenbar. Das macht ihn für die Zuschauer geheimnisvoll.

Auf die Frage:  "Eure Heiligkeit, eure Sünden?" antwortet er: "Ich habe keine Sünden zu beichten."

Mann mit modernen Ideen

Als Katholik ist Pius konservativ, Homosexualität gilt ihm als Sünde. Liberal ist er hingegen in der eigenen Personalpolitik. So wählt er die ihm vertraute Nonne Mary, gespielt von Diane Keaton, zur persönlichen Assistentin. Normalerweise wird dieses Amt von einem Mann bekleidet. Diese Widersprüchlichkeit hat der Regisseur Sorrentino bewusst gewählt. Nach eigenen Aussagen, wollte er einen Papst erschaffen, wie es ihn noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab. Der Name Pius verpflichtet. Gleichzeitig hat Sorrentino die Figur mit modernen Ideen ausgestattet. Oft erinnert Pius' Verhalten an das eines düsteren Politikers wie Frank Underwood aus der gefeierten US-Serie "House of Cards". In "The Young Pope" geht es um Hierarchien und Macht und weniger um den gelebten Glauben.

Pius: "Wie viele Beichten hören Sie im Vatikan, Don Tommaso?"-"Ich? Von der gesamten Kurie."

Wenig später wird Pius den Priester erpressen, damit dieser ihm die Beichtgeheimnisse der Kurienkardinäle verrät:

"Wenn ich das Beichtgeheimnis verletzte, dann ist das…"-"Nein, ist es nicht. Nicht, wenn die Informationen für mich, den Papst, bestimmt sind und wenn es um das Überleben unserer Kirche geht. Enttäuschen Sie mich nicht, Tommaso."-"Eure Heiligkeit, ich bin nur ein armer, einfacher Priester und das Beichtgeheimnis ist das einzige, wofür ich respektiert werde." "Heute. Aber denken Sie an morgen."

Pius ist ein einsamer Herrscher, der niemandem vertraut. Er kontrolliert seine Mitmenschen und wird selbst überwacht, vom Kurienkardinal Angelo Voiello:

"Wer ist Pius XIII.? Oder vielmehr: Wer war Lenny Belardo? Es wäre schön, wenn Du ein paar Nachforschungen anstellen würdest, diskret aber gründlich. Seine Schwachpunkte, seine seelischen Wunden, Makel aber auch Sünden."

Vatikan als Bühne eines modern inszenierten Dramas

Der Vatikan erscheint als großes Katz-und-Maus-Spiel. "The Young Pope" hat wenig mit dem echten Dasein und der Aufgabe eines Papstes gemein. Die Verkündung des Evangeliums wird zur Nebensache und auch die aktuelle Weltpolitik ist zumindest in den ersten Folgen zweitrangig. Als Zuschauer mag man zwischenzeitlich aufatmen, dass der echte Papst Franziskus dann doch mehr Charme und Herzlichkeit besitzt als sein fiktiver amerikanischer Kollege.

"Und die Frage ist natürlich in dieser Serie, wo sind eigentlich diejenigen, die für Pius gestimmt hatten im Konklave?", fragt Julian Tappen.

Der Vatikan dient eben nur als Projektionsfläche, als Bühne für ein modern inszeniertes Drama. Julian Tappen bewertet die Serie daher als theologisch schwach:"Szenen des persönlichen oder gemeinsamen Gebets oder des Gottesdienstes sind wenn überhaupt nur sehr, sehr kurz da. Es ist schon immer klar, dass es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt."

Starke Bilder, raffinierte Dialoge und epische Musik machen die Serie dennoch spannend und unterhaltsam. Die Katholische Kirche erscheint vor allem als Ort der Zwietracht. Daran mag etwas Wahres sein. Papst Pius XIII. bleibt allerdings zu fiktiv, um wahr zu sein. Und zu attraktiv.

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