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ParisAttentäter zeigte Foto des Opfers im Internet

Vier Polizisten an einer Straßensperre (Photo by ABDULMONAM EASSA / AFP)
Polizeieinsatz nach tödlicher Messerattacke bei Paris (Photo by ABDULMONAM EASSA / AFP)

Der mutmaßliche Attentäter von Paris hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Foto des getöteten Lehrers auf Twitter verbreitet. Der 18-Jährige habe sich in dem Tweet zu der Tat bekannt. Die Botschaft sei auf einem Mobiltelefon entdeckt worden, das in der Nähe der Leiche gelegen habe. Darin begründe er seine Tat damit, dass sein Opfer den Propheten Mohammed beleidigt habe.

Twitter teilte mit, der Beitrag sei rasch entfernt und der Account gesperrt worden. Der junge Mann soll gestern auf der Straße einen Lehrer ermordet und enthauptet haben. Die Polizei erschoss ihn nach kurzer Fahndung. Laut Staatsanwaltschaft wurde er in Moskau geboren und hatte tschetschenische Wurzeln. Der 48-jährige Lehrer hatte seinen Schülern im Staatsbürgerunterricht über Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt. Im Zusammenhang mit dem Anschlag wurden neun Menschen in Polizeigewahrsam genommen, darunter der Vater eines Schülers. Der Mann hatte sich im Internet wegen der Karikaturen über den Lehrer beschwert.

Politiker verurteilen die Tat

Führende Politiker in Frankreich haben den tödlichen Angriff verurteilt. Präsident Macron rief die Franzosen auf, zusammenzustehen und vereint zu sein. Der Präsident der Nationalversammlung, Ferrand, nannte die Ermordung eines Geschichtslehrers einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Werte der Republik. Premierminister Castex sprach von einem "Akt der Barbarei". Zahlreiche Menschen gingen in Frankreich aus Solidarität mit dem Getöteten auf die Straße.

Auch Bundesaußenminister Maas und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen verurteilten den Angriff. Maas appellierte auf Twitter, sich nicht von Terror, Extremismus und Gewalt einschüchtern zu lassen. Von der Leyen hob die Bedeutung von Lehrern in einer Demokratie hervor. Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Weidel, teilte mit, die "islamistische Barbarei mitten in Europa" sei "längst bitterer Alltag". Man habe aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht gelernt.

Diese Nachricht wurde am 17.10.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.