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StartseiteEuropa heuteRechtes Seine-Ufer bald autofrei?26.09.2016

Paris Rechtes Seine-Ufer bald autofrei?

Geht es nach Anne Hidalgo, der sozialistischen Bürgermeisterin von Paris, dann könnte ein Teil des rechten Seine-Ufers bald autofrei sein. Um die Luftqualität zu verbessern, will sie 3,3 Kilometer für Kraftfahrzeuge sperren lassen. Die einen sind begeistert. Bei anderen stoßen Hidalgos Pläne auf herbe Kritik.

Von Anke Schaefer

Blick vom Eiffelturm auf die Innenstadt von Paris (picture alliance / Daniel Kalker)
Blick vom Eiffelturm auf die Innenstadt von Paris (picture alliance / Daniel Kalker)
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Autofrei oder Verkehrchaos? Der Streit um das Pariser Seine-Ufer

Der Quai du Louvre. Eigentlich ein wunderschöner Ort. Unter den Bäumen bieten die Buchhändler, les Bouquinistes, in den grünen, aufklappbaren Kästen ihre antiquarischen Bücher an. Wäre da nicht der Verkehr. Es quälen sich - dicht an dicht - Autos, Motorräder, Lastwagen vorbei. Wesentlich mehr Verkehr rauscht über den Quai du Louvre, seit die Voie Georges-Pompidou gesperrt ist: die große Uferstraße, unten, direkt an der Seine. Während der Sommerzeit war hier der Strand, "Paris Plage".

Danach wurde die Straße nicht wieder aufgemacht. Sie soll gesperrt bleiben. Das Ziel: bessere Luft in Paris. Ein Bouquiniste schüttelt den Kopf. 

"Ja, also wenn ich einen Vorwurf erheben soll, dann ist das der, dass hier oben sehr viel mehr Fahrzeuge unterwegs sein werden. Alle Luftverschmutzung wird also uns betreffen. Die Buchhändler. Das wird schwer zu ertragen sein."

Wie in einer anderen Welt

Wer aber eine der Treppen nimmt, die runter zur Seine führen – befindet sich innerhalb von einer Minute in einer anderen Welt. Plötzlich scheint der Verkehr wie weggezaubert. Fußgänger flanieren und gucken den Schiffen auf der Seine nach, Fahrradfahrer treten in die Pedale, Skateboardfahrer sausen vorbei. Ein junger Mann mit buntem Schal freut sich:

"Das ist wunderbar, ich liebe es. Das ist toll, das ist ein Vergnügen, Paris so zu erleben, ich komme mindestens einmal am Tag hier her."

Eine Mutter hilft ihrem Kind über eine Kletterwand, die hier installiert wurde. Sie erwartet die Rückeroberung dieser Uferstraße schon lange: 

"Denn für die Kinder gibt es kaum Grünflächen in Paris und hier kann man jetzt durch fast ganz Paris laufen, ohne Autos. Das ist super. "

Kritik an den Plänen der Bürgermeisterin

Es geht um 3,3 Kilometer, über die bislang täglich über 40.000 Autos rasten. Heute wird der Pariser Stadtrat aller Wahrscheinlichkeit nach dafür stimmen, diese Uferstraße zur Fußgängerzone zu machen. Die konservative Opposition ist klar dagegen. Eine eingesetzte Untersuchungskommission auch. Aber die sozialistische Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo lässt sich nicht beirren. Wenn die Kritiker sagen – es hilft nichts, eine Uferstraße zu sperren, damit sei nichts gewonnen, damit verlagere sich der Verkehr nur. Dann sagt sie:

Schnell, sagt sie, würden sich die Autofahrer auf die neue Situation einstellen und andere Wege nehmen oder tatsächlich auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Anne Hidalgo beruft sich auf die Erfahrungen, die Paris seit drei Jahren mit der Sperrung eines Teils der Uferstraße am linken Seine-Ufer gemacht hat. Dort wird gejoggt, geskatet, flaniert, - das stellt heute niemand mehr infrage.

"Meine Botschaft ist klar: Die Luftverschmutzung ist eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit und die ist nicht verhandelbar! Man kann sich anders in der Stadt bewegen, als immer nur mit dem eigenen Auto! Die Geschichte der großen Stadtautobahnen – das ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts."

Rote Karte für Dieselfahrzeuge ab 2020

Wer ein Dieselauto fährt, der soll ab 2020 gar nicht mehr durch Paris fahren dürfen. Auch das ein Unding in den Augen der Opposition. Vor allem die Menschen aus den Vororten seien auf ihre Autos angewiesen, heißt es. Seit Jahren besteht die Forderung, den öffentlichen Nahverkehr in diese Vororte auszubauen, das aber obliegt nicht der Stadt Paris, sondern der Region Île- de-France. Bürgermeisterin Anne Hidalgo, ist fest entschlossen, Paris zukunftsfähig zu machen. Auch mit Blick auf den Klimawandel. Im besonders warmen Sommer 2003 war es in der Hauptstadt neun Grad heißer als im Umland, das muss abgefedert werden.

Für jedes Arrondissement gibt es Pläne für mehr Bäume, Grünflächen, Spielplätze, kurz, für mehr für Luft zum Atmen. Und was die Seine betrifft, gehen die Visionen der Bürgermeisterin so weit, dass es 2024, in dem Jahr, für das sich Paris um die Olympischen Sommerspiele bewirbt, möglich sein soll, in der Seine zu baden.

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