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StartseiteKommentare und Themen der WocheNo more "Slow Joe"21.08.2020

Parteitag der US-DemokratenNo more "Slow Joe"

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden will das Land wieder zusammenführen. Das ist das klare Signal des virtuellen Parteitags der Demokraten, kommentiert Doris Simon. Und noch etwas anderes ist nun klar: Donald Trump wird es bei der Wahl richtig schwer haben.

Von Doris Simon

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Joe Biden steht alleine in einer riesigen dunklen Halle während der digitalen Nominierung der Partei für das Amt des Präsidenten in Delaware. (Getty Images / Win McNamee)
Joe Biden nimmt die Nominierung für das Amt des Präsidenten an (Getty Images / Win McNamee)
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Die Demokraten hatten ihre Chance - und sie haben sie genutzt. Der virtuelle Parteitag von Milwaukee ist jetzt schon Parteigeschichte. Das liegt vor allem an Joe Biden. Seit dieser Nacht und mit dieser Rede ist Joe Biden nicht mehr der Verlegenheitskandidat, den man aus Treue zu den Demokraten wählt oder mit zugehaltener Nase, weil er im Vergleich zu Donald Trump das kleinere Übel ist.

Joe Biden hat den Wählern ein verlockendes Angebot gemacht - er ist eine echte Alternative. Weil er Bescheidenheit, harte Arbeit und Mitgefühl hochhält, und das übrigens für jeden nachprüfbar schon sein ganzes Leben lang. Sein Angebot baut nicht auf Drohung, Einschüchterung, Katastrophenszenarien, sondern auf konkreten Vorhaben, Erfahrung, und auf der Bereitschaft, zuzuhören und Kompromisse zu finden.

Präsidentschaftskandidat Joe Biden vor der US-amerikanischen Flagge (picture alliance/dpa/CNP) (picture alliance/dpa/CNP)US-Demokrat Biden - Leicht links von der Mitte
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden ist ein Politiker, der versucht, die US-amerikanische Gesellschaft zu versöhnen anstatt sie zu spalten. Seine Fähigkeit zur Empathie macht ihn zu einem gefährlichen Gegner für US-Präsident Trump.

Biden kann auch strukturiert

"Slow Joe", langsamer Joe, haben ihn seine Gegner verhöhnt. Der Mann sei nett, aber zu alt für die Aufgabe als Präsident, ein trojanisches Pferd für die Parteilinke, geistig und physisch nicht mehr auf der Höhe.  Biden hat es ihnen gezeigt, und den zweifelnden Anhängern der Demokraten auch: Er kann nicht nur einfühlsam und Familie, er kann auch klar, entschieden und strukturiert – alles Eigenschaften, die viele Amerikaner schmerzlich vermissen beim derzeitigen Präsidenten. Wenn Biden verspricht, die aktuelle dunkle Zeit zu überwinden, dann muss das wie Hoffnung klingen. Zuversicht aber brauchen und wünschen sich viele Amerikaner in der aktuellen Krise. Das Geld für seine Maßnahmen will sich Biden durch eine stärkere Besteuerung der Superreichen holen. Kein einfacher, aber immerhin ein Plan.

Joe Biden und Kamala Harris, Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftsbewerber in den USA (imago images / UPI Photo) (imago images / UPI Photo)Biden nominiert Kamala Harris - Geballte Antithese zu Trump
Kamala Harris sei die perfekte Kandidatin für den Posten der Vizepräsidentin, meint Thilo Kößler. Mit ihrer Nominierung fange der Wahlkampf nun richtig an. 

Trump wird es schwer haben

Nach vier Jahren immer tiefer gehender Spaltung könnte aber eine andere Botschaft mindestens so wichtig sein: Der demokratische Kandidat will zusammenführen. Unterschiede und unterschiedliche Meinungen sind in Ordnung, Spaltung ist es nicht- Bidens Botschaft und die Botschaft des Parteitags insgesamt hätte nicht deutlicher sein können. Ob es reicht für Joe Biden am 3. November? Der Wahlkampf ist jetzt schon heftig, und er wird noch brutaler, spätestens mit dem Parteitag der Republikaner nächste Woche. Ängste schüren, Gerüchte verbreiten, Fakten verdrehen - Donald Trump wird alles daransetzen, weitere vier Jahre im Amt zu bleiben. Nur eins ist nach diesem Parteitag der Demokraten sicher: Donald Trump wird es deutlich schwerer haben als gedacht.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

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