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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Ära Trump wird nicht einfach wie ein Albtraum verschwinden29.08.2020

Parteitag der US-Republikaner Die Ära Trump wird nicht einfach wie ein Albtraum verschwinden

Trump ist der Ausfluss einer Entwicklung, die die Republikaner seit Jahren zerreißt, kommentiert Gregor Peter Schmitz. Ihre Basis sei stetig radikaler geworden, finanziert von radikal rechten Milliardären, die sich daraus Vorteile verschafften. Diese Prägung werde nicht einfach wieder verschwinden.

Von Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur "Augsburger Allgemeine"

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Trump vor Anhängern in Scranton.  (AFP / Brendan Smialowski )
Seine Fans lieben Trump, selbst wenn er die nächste Wahl verlieren sollte, weil er seine Versprechen eingehalten hat, kommentiert Gregor Peter Schmitz (AFP / Brendan Smialowski )
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Dieser Parteitag der US-Republikaner war kein Parteitag aller Republikaner. Es war vielmehr die pompöse Feier einer Partei, die um eine einzige Person kreist: Donald Trump. Daher kreisen auch alle Debatten nach diesem Parteitag um ihn: Wird Trump trotz Umfragetief doch wieder gewinnen? Wird er das Weiße Haus freiwillig verlassen, sollte er die Wahl am 3. November verlieren?

Trumps Wahlsieg verwandelte parteiinterne Kritiker in Duckmäuser

Alles höchst spannend, keine Frage. Doch weit spannender, und unberechenbarer selbst als Trump, ist die Frage, was aus den Republikanern wird, sollte dieser Präsident wirklich abtreten müssen. Trump hat diese Partei schließlich vor vier Jahren erst gekapert und sie sich dann unterworfen. Dabei nahm ihn lange so gut wie kein Vertreter der alten Parteigarde ernst. Doch spätestens mit seinem Wahlsieg verwandelte Trump einst so scharfe parteiinterne Kritiker in echte Duckmäuser, die lange Zeit gar nicht und selbst in der Coronazeit nur vereinzelt wagten, "ihrem" Präsidenten öffentlich zu widersprechen.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Wird sich das ändern, wenn Trump nicht mehr im Weißen Haus residiert? Manche Republikaner hoffen darauf, dass die "Ära Trump" wie ein Alptraum einfach verschwindet. Sie hoffen wehmütig auf eine Rückkehr zu alten Werten. Sogar die Antrittsrede von George W. Bush – vor Trump, man vergisst das leicht, republikanisches Feindbild so vieler Europäer – erscheint vielen von ihnen mittlerweile wie ein Zeugnis aus einer untergegangenen Zivilisation. Worte wie Demut oder Kompromissbereitschaft kommen darin vor, auch die Bereitschaft, nicht nur an "America First" zu denken. Alles heute unsagbar im Weißen Haus.

Trump-Anhänger jubeln vor dem Weißen Haus. Auf einer Leinwand wird live die Rede von Danld Trump übertragen. (dpa / picture alliance / Consolidated News Photos / Erin Scott ) (dpa / picture alliance / Consolidated News Photos / Erin Scott )Publizist von Marschall: "Es geht nur noch um eine Person - Donald Trump"
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Trump - spektakulärster Ausfluss einer Entwicklung

Doch das ist wohl eine trügerische Hoffnung. Denn Trump ist ja nur spektakulärster Ausfluss einer Entwicklung, welche die Republikanische Partei – einst etwa dem Freihandel verpflichtet sowie einer sehr selbstbewussten, aber auch sehr engagierten Außenpolitik – seit Jahren zerreißt. Ihre Basis ist stetig radikaler geworden, so dass schon lange vor Trump republikanische Kongressmitglieder Angst haben mussten, in Washington zu heimisch zu wirken, sich für den Rest der Welt zu interessieren oder gar Kompromisse mit den verhassten Demokraten zu schließen.

Denn dann drohte ihnen, in einer parteiinternen Vorwahl von scharf rechten Herausforderern bezwungen zu werden, die monoton gegen "Washington", "das Ausland" und "die Elite" wetterten - ironischerweise oft finanziert von radikal rechten Milliardären, die so ihre ganz eigene Agenda beförderten, um etwa Umweltauflagen abzuschaffen und Steuern massiv zu senken.

Republikaner wissen, dass sie für Nicht-Weiße attraktiver werden müssen

Dazu ertönt zuverlässig das Trommelfeuer strikt parteiischer Medien wie Fox News, die republikanischen Parteigängern ihre ganz eigene Wirklichkeit zimmern. Sie machten die Tea Party groß, dann Sarah Palin – und schließlich Trump, der die übelsten Instinkte der wütenden Parteibasis, etwa Rassismus, befeuerte statt bändigte. Er brachte seine Partei dazu, ganz auf wütende weiße Männer zu setzen, obwohl die Republikaner eigentlich seit Jahren wissen, dass sie für die an der Wahlurne immer wichtiger werdenden Nicht-Weißen attraktiver werden müssten.  

Diese Prägung wird nicht einfach verschwinden, wenn Trump aus dem Weißen Haus verschwinden muss. Auch Fox News wird weitersenden, stramm rechte Netzwerke weiter netzwerken, und Trump weiter twittern. Dann eben als Privatmann, vielleicht gar noch wütender, weil er sich ja für eine Niederlage rächen möchte.

Seine Fans lieben Trump, weil er seine Versprechen eingehalten habe

Echte Trump-Fans werden ihn selbst nach einer solchen Niederlage weiter lieben, weil er eben keine Kompromisse gesucht, sondern seine wichtigsten Versprechen eingehalten habe. Sie sind immer noch zahlreich genug, um die Zukunft der Republikaner nach Trump mitzubestimmen. 

Also werden die Vereinigten Staaten von Amerika gespaltene Staaten von Amerika bleiben – und Trump nicht so leicht vergehen, selbst wenn er Geschichte ist. Vielleicht ist er das übrigens selbst nach einer Niederlage am 3. November nicht. Denn Trump könnte vier Jahre später einfach erneut als Präsidentschaftsbewerber antreten.

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