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StartseiteKommentare und Themen der WocheKeine stille Weihnacht für die CDU14.12.2020

Parteivorsitz und KanzlerkandidaturKeine stille Weihnacht für die CDU

In der CDU richteten sich derzeit wieder hilfesuchende Blicke nach München, wo Markus Söder Stabilität und Führungskraft verkörpere, kommentiert Stephan Detjen. Aber bei der Wahl eines Parteivorsitzenden könne der CSU-Chef der CDU nicht helfen. Der weiße Ritter müsse schon aus den eigenen Reihen kommen.

Ein Kommentar von Stephan Detjen

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Die drei Kandidaten für den Vorsitz der CDU Deutschlands, Friedrich Merz (l-r), Norbert Röttgen und Armin Laschet, sitzen vor Beginn eines Online-Video-Talkformats, in dem live aus dem Konrad-Adenauer-Haus Fragen der CDU-Mitglieder beantwortet werden, an einem Tisch. Über die drei Kandidaten für den Parteivorsitz soll am 16.01.2021 bei einem digitalen CDU-Parteitag abgestimmt und anschließend der Erstplatzierte per Briefwahl als neuer Parteivorsitzender bestätigt werden. (dpa / Bernd von Jutrczenka)
Die drei Kandidaten für den Vorsitz der CDU Deutschlands, Friedrich Merz (l-r), Norbert Röttgen und Armin Laschet - oder wird es ein ganz anderer? (dpa / Bernd von Jutrczenka)
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Fast auf den Tag genau 19 Jahre nachdem Angela Merkel nach Wolfratshausen reiste, um Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien anzutragen, will die CDU Anfang nächsten Jahres ihren neuen Vorsitzenden küren. Alles wird anders sein beim ersten digitalen Wahlparteitag in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch es gibt Parallelen zwischen der Lage der Union vor 19 Jahren und der Entscheidung, vor der die CDU am 14. Januar 2021 steht.

  (picture alliance / dpa / Jens Büttner) (picture alliance / dpa / Jens Büttner)CDU vor Bundesparteitag und Bundestagswahl - Die Zeit nach Merkel Im Februar verkündete Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug von der Parteispitze, die Pandemie verhinderte bisher die Wahl eines Nachfolgers. Das Umfragehoch übertüncht, dass die CDU für junge Wähler wenig attraktiv ist, sich schwer tut mit moderner Frauen- und Klimapolitik.

Damals wie heute steckte die Partei in einer Führungskrise und drohte von inneren Macht- und Richtungskämpfen zerrieben zu werden. Angela Merkel beharrte bis zum Beginn des Jahres 2002 auf dem Anspruch, selbst die Kanzlerkandidatur zu übernehmen. Die mächtigen Männer des "Andenpakts" in der CDU aber, darunter Friedrich Merz, wollten das verhindern. Die Fronten in der K-Frage waren verhärtet. Kurz vor Weihnachten schien ein offener Machtkampf mit politischen Opfern unausweichlich. Dann, zwischen den Feiertagen, glühten die Telefone. Aus Urlaubsquartieren in den Alpen wurden zwischen Weihnachten und Neujahr Allianzen geschmiedet. Roland Koch rief Merkel an und erklärte der Vorsitzenden, dass sie die Mehrheit der Parteispitze nicht mehr hinter sich habe. Am 11. Januar reiste Merkel zum Frühstück nach Wolfratshausen.

Drei Männer haben sich beharrlich geweigert, die Sache unter sich auszumachen

Manche in der CDU stellen sich vor, dass es auch in den kommenden Wochen wieder so laufen müsse. Nur, dass es dieses Mal nicht reicht, eine Frau zu umstellen und an die Seite zu schieben. Drei Männer haben sich beharrlich geweigert, die Sache unter sich auszumachen und stellen ihre Partei vor eine quälend riskante Auswahl. Friedrich Merz gilt vielen als Egozentriker, der vor allem von Revanchegelüsten gegen Merkel getrieben ist. Armin Laschet haften schlechte Umfragewerte und ein angreifbares Corona-Krisenmanagement an. Norbert Röttgen gewann zuletzt zwar als frisch wirkender Außenseiter an Profil. Viele aber haben zu gut in Erinnerung, wie alt er 2012 als erfolgloser Wahlkämpfer in Nordrhein-Westfalen aussah. Keinem der dreien wird zugetraut, die enttäuschten Anhänger der anderen im Falles seines Sieges hinter sich zu vereinen.

Vor 19 Jahren bahnte die CDU dem Vorsitzenden der kleinen Schwesterpartei den Weg zur Kanzlerkandidatur, um selbst einen Ausweg aus der innerparteiliche Misere zu finden. Auch jetzt richten sich wieder hilfesuchende Blicke nach München, wo Markus Söder Stabilität und Führungskraft verkörpert. Aber bei der Wahl eines Parteivorsitzenden kann sich die CDU nicht vom CSU Chef erlösen lassen. Der weiße Ritter müsste aus den eigenen Reihen kommen. Von Jens Spahn ist die Rede. Auch Fraktionschef Brinkhaus wurde genannt. Was fehlt, ist die Allianz der alten Mächte – Bouffier, Schäuble, Merkel, Kramp-Karrenbauer und anderen - die den Weg für einen rettenden Vierten bahnen könnte. Doch jetzt kommen der lockdown und die Feiertage. Zeit zum Telefonieren. Für die CDU wird es so oder so keine Zeit der Stille.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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