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StartseiteForschung aktuellPartnersuche ohne Verwechslungsgefahr08.12.2010

Partnersuche ohne Verwechslungsgefahr

Prachtlibellen müssen genauer hinschauen

Den richtigen Partner zu finden ist schwierig. Das ist bei uns Menschen wie auch im Tierreich der Fall. Mit einer ganz besonderen Herausforderung sehen sich die Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle konfrontiert. Denn die Männchen dieser Art sehen denen einer fremden Art zum Verwechseln ähnlich. Aber die Insekten sind lernfähig, wie schwedische Forscher herausgefunden haben.

Von Joachim Budde

Wo die Liebe hinfällt, ist auch im Tierreich eine Sache der Erfahrung. (AP)
Wo die Liebe hinfällt, ist auch im Tierreich eine Sache der Erfahrung. (AP)

Im Klingavälsåns Naturreservat in Südschweden müssen die Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle bei der Partnerwahl genau hinschauen: Die Männchen ihrer eigenen Art unterscheiden sich von den Männchen der Blauflügel-Prachtlibelle lediglich durch das Aussehen der Flügel. Die Männchen der Gebänderten Prachtlibelle haben einen großen dunklen Fleck auf den Flügeln, während die Flügel der fremden Art komplett dunkel gefärbt sind. Beide stellen den Weibchen nach, sagt Professor Erik Svensson von der schwedischen Universität Lund.

"Oft jagen Männchen beider Arten die Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle und versuchen, sich mit ihnen zu paaren. Die Weibchen müssen einiges ertragen. Oft kann man beobachten, dass ein Weibchen von drei oder vier Männchen sowohl der eigenen als auch der fremden Art verfolgt wird."

Doch nur mit den Männchen der eigenen Art können die Weibchen überlebensfähigen Nachwuchs zeugen. Erik Svensson und seine Kollegen wollten wissen, ob die Libellen-Weibchen lernen, den richtigen Partner zu erkennen, oder ob ihnen diese Fähigkeit angeboren ist. Deshalb machten die Biologen ein Experiment. Die Forscher fingen im Naturreservat frisch geschlüpfte Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle. Als die nach wenigen Stunden geschlechtsreif waren, brachten die Biologen sie entweder mit Männchen der eigenen oder der fremden Art zusammen und verglichen ihr Verhalten mit dem von geschlechtsreifen Weibchen aus freier Wildbahn, sagt Erik Svensson.

"Die sexuell naiven, jungfräulichen Weibchen waren Männchen der fremden Art genauso zugetan wie denen der eigenen. Weibchen aus freier Wildbahn hingegen bevorzugten die eigenen Männchen. Das lässt vermuten, dass die Weibchen erst nach dem Schlüpfen lernen, die Männchen der beiden Arten auseinanderzuhalten."

Und zwar durch direkten Kontakt mit den Männchen der fremden Art, wie die Wissenschaftler in einem weiteren Versuch zeigten: Sie sperrten jungfräuliche Libellen-Weibchen für zwei Stunden mit einem Männchen in einen Käfig - entweder mit einem Männchen der eigenen Art oder mit einem der fremden. Anschließend beobachteten die Forscher, wie die Tiere sich bei Annäherungsversuchen der verschiedenen Männchen verhielten.

"Die Weibchen, die in Kontakt mit der fremden Art gekommen waren, zeigten sich fremden Männchen danach viel weniger zugetan als die, die die eigene Art kennengelernt hatten. Wir wissen nicht, ob sich vielleicht die Geschlechtsorgane anders anfühlen, ob sich die fremden Männchen anders verhalten, sie anders greifen. Die Weibchen müssen den Unterschied fühlen oder riechen. Und zwei Stunden reichen dafür aus."

Die Forscher haben damit zum ersten Mal gezeigt, dass Insekten lernen können, woran sie den richtigen Geschlechtspartner erkennen. Bisher war das nur bei Wirbeltieren gelungen.

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