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StartseiteVerbrauchertippErbfolge rechtzeitig regeln04.09.2019

Patchwork-FamilienErbfolge rechtzeitig regeln

Damit es nach dem Tod eines Elternteils nicht zu Erbstreitigkeiten kommt, sollten sich gerade Patchwork-Familien rechtzeitig Gedanken über eine Regelung des Erbes machen. Betroffene sollten jedoch genau prüfen, welche Variante für sie infrage kommt. Sonst kann es kompliziert werden.

Von Klaus Deuse

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Gesehen am Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Berliner Glinkastraße: Figuren von einem Vater mit Kind und einer Familie mit Kindern (picture alliance / ZB)
Nicht jede Form des Testaments ist für Patchwork-Familien geeignet (picture alliance / ZB)
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Ein Trauschein ist noch lange keine Garantie für ein harmonisches Miteinander in einer Patchwork-Familie. Aber ohne Trauschein kann der Todesfall eines Partners den Hinterbliebenen erhebliche Probleme bereiten, sagt Rechtsanwalt Marko Tidow aus Gelsenkirchen.

"Wenn die zusammenlebenden Partner in einer Patchwork-Familie weder durch Eheschließung noch durch Verpartnerung miteinander verbunden sind und es kein Testament gibt, wird die gesetzliche Erbfolge gelten. Das bedeutet, dass der Partner des jeweiligen versterbenden Partners nichts erben würde, sondern die Kinder der jeweiligen Lebenspartner wären dann alleinige Erben."

Das Gut geht mit dem Blut

In der gesetzlichen Erbfolge gilt die Devise: Das Gut geht mit dem Blut.

"Das bedeutet, dass jeweils die Abkömmlinge des Erblassers in der Erbfolge, also die Kinder, die Enkel nach unten hin erben."

Rechtzeitig vorsorgen

Der überlebende Partner und dessen Kinder gehen in dem Fall leer aus, erläutert Rechtsanwalt Tidow, da zwischen unverheirateten Partnern keine rechtliche Beziehung besteht. Darum ist es ratsam, rechtzeitig Vorsorge mit einem letzten Willen, einem Testament, zu treffen. Das klassische Berliner Testament, in dem sich Ehepartner gegenseitig zu Alleinerben einsetzen, kommt allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht.

"Ein Berliner Testament können die Partner nur abschließen, wenn sie verheiratet sind oder eine gesetzlich eingetragene Lebenspartnerschaft bilden."

Bei einem Berliner Testament von Ehegatten sind Kinder einer Patchwork-Familie im Erbfall jedoch nicht gleichgestellt. Denn:

"Setzt sich das Ehepaar wechselseitig als Erben ein, sind die Kinder des erstversterbenden Ehegatten letztendlich enterbt. Sie bekommen zunächst nichts. Da sie aber ein Recht auf ihren Pflichtteil haben, könnten sie aus dem Pflichtteil Zahlungsansprüche gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen. Das kann durchaus problematisch sein."

Und wenn der verbliebene Ehegatte verstirbt, dann würden nur dessen leibliche Kinder das Erbe erhalten. Um derartige Konflikte von vornherein zu vermeiden, empfiehlt sich die Adoption der Kinder des Partners.

"Die Adoption der Kinder führt dazu, dass letztendlich die Kinder die gleiche Stellung haben wie eigene Kinder."

Ein Erbvertrag kann Unklarheiten beseitigen

Um im Todesfall familiäre Auseinandersetzungen bei der Auslegung eines Testamentes zu vermeiden, rät Rechtsanwalt Tidow darum zu einer juristisch verbindlichen Alternative.

"Um diesen Problematiken der Vererbung in einer Patchwork-Familie entgegenzuwirken, hat es durchaus Sinn, über einen Erbvertrag nachzudenken. Im Erbvertrag kann genau das, was man möchte, geregelt werden, so dass dann die leiblichen Kinder und die des Partners gleichberechtigt behandelt werden. In dem Fall müssen natürlich die einzelnen Kinder, "unsere Kinder", genau namentlich bezeichnet werden. Und es muss genau festgelegt werden, wer was bekommen soll."
Erbvertrag kann nicht einseitig geändert werden

Für einen gültigen Erbvertrag ist übrigens eine notarielle Beurkundung gesetzlich vorgeschrieben. Und für die Hinterbliebenen ganz wichtig: im Unterschied zu einem Testament kann ein Erbvertrag nicht einseitig nachträglich geändert werden kann.

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