Mittwoch, 18. Mai 2022

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Paul Dessaus Oper "Lanzelot"
Drachenköpfe wachsen nach

1943 verfasste Jewgeni Schwarz seine Märchenkomödie "Der Drache". Das Stück thematisiert das Zusammenspiel von Tyrannei und Untertanengeist. Paul Dessau und Heiner Müller machten in der DDR eine Oper daraus. Was hat uns diese heute zu sagen, wenn Peter Konwitschny sie wiederentdeckt?

Von Irene Constantin | 21.12.2019

DNT WEIMAR / LANZELOT von Paul Dessau (Koproduktion von DNT Weimar und Theater Erfurt) / Musikalische Leitung: Dominik Beykirch, Regie: Peter Konwitschny, Bühne und Kostüme: Helmut Brade / Premiere: 23.11.2019, DNT Weimar, Großes Haus / Szenenfoto v.l.n.r. mit Máté Solyom-Nagy (Lanzelot) und Matthias Bettighofer (Lanzelots Alter Ego) / Foto: Candy Welz
In Peter Konwitschnys Regie kämpft Lanzelot auch mit sich selbst (Candy Welz)
Unter dem Eindruck der Leningrader Blockade verfasste der russische Autor Jewgeni Schwarz 1943 seine Märchenkomödie "Der Drache". Mit Blick auf Nationalsozialismus und Stalinismus thematisierte sein Stück gleichnishaft das Zusammenspiel von Tyrannei und Untertanengeist.
1965 gelang Benno Besson am Ostberliner Deutschen Theater eine legendäre Inszenierung in deutscher Sprache. Paul Dessau regte diese zu seiner Oper "Lanzelot" an. Heiner Müllers Libretto erweitert den geschichtsphilosophischen Denkraum darin zu jener geradezu ewigen Idee, die Beherrschten von ihrer Herrschaft befreien zu können. Sinnbildlich nun wird der nie zu entscheidende Kampf zwischen Drache und Ritter von der Steinzeit bis zum Luftkrieg durch alle Epochen getragen. Wobei den Untertanen des Drachen, für die Lanzelot ringt, die vielleicht entscheidende Rolle zukommt: Sie bleiben passiv, wollen nicht befreit sein.
Nach der Uraufführung 1969 wurde es auffallend still um das Werk. Ein halbes Jahrhundert danach haben Regisseur Peter Konwitschny und Dirigent Dominik Beykirch Dessaus "unbekannteste" Oper am Nationaltheater Weimar im Herbst 2019 wiederentdeckt.
Diese Sendung finden Sie nach Ausstrahlung sieben Tage lang in unserer Mediathek.