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StartseiteUmwelt und VerbraucherIn Europa verboten, in Afrika erlaubt31.01.2020

Pestizid-Einsatz in KeniaIn Europa verboten, in Afrika erlaubt

Auf Kenias Äckern werden Pestizide eingesetzt, die in anderen Ländern nicht verwendet werden dürfen. Landwirte beachten die Schutzmaßnahmen häufig nicht, weil ihnen die Risiken nicht bekannt sind. Konzerne wie Bayer weisen die Vorwürfe von sich.

Von Antje Dieckhans

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Die Region am Horn von Afrika war einst grün, jetzt ist sie nach der schlimmsten Dürre in 60 Jahren vertrocknet und staubig (dpa / Yann Foreix)
Ackerbau in Kenia: Der Pestizid-Einsatz hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt (dpa / Yann Foreix)
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Ein Spezialgeschäft für Landwirte etwas außerhalb von Nairobi. Eines von vielen, in denen Pestizide zu kaufen sind. Verkäuferin Regina Muthuka arbeitet schon lange in der Branche und kennt sich aus. Das Geschäft mit Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmitteln läuft gut, sagt sie.

"Der Gebrauch hat zugenommen. Ich bin seit zehn Jahren hier. Jetzt haben wir die nächste Generation von Landwirten und sie setzen die Mittel sehr viel ein."

Pestizid-Einsatz in vier Jahren verdoppelt

Dieser Eindruck wird durch Zahlen bestätigt. Dem agrochemischen Verband in Kenia zufolge hat der Import von Pestiziden sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Aus Deutschland kommen Mittel von BASF und Bayer.

"Ja, wir verkaufen ihre Produkte, wie zum Beispiel Roundup."

Das Pestizid mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat hat Bayer in den USA zahlreiche Prozesse eingebracht - wegen angeblicher Krebsgefahren. Fest steht: Roundup sollte nur mit der entsprechenden Schutzkleidung eingesetzt werden.

Risiken sind oft nicht bekannt

Doch kenianische Kleinbauern kennen die Gesundheitsgefahren oft nicht, sagt Silke Bollmohr, Direktorin der Beratungsfirma Eco-Trac in Deutschland.
 
"Das können natürlich einerseits akute Effekte sein. Da sind sich die Bauern oft bewusst, okay, wenn mir schwindelig wird oder wenn ich Rötungen in der Haut habe oder wenn ich Schmerzen in den Augen habe, dann sind das akute Effekte von den Pestiziden. Aber die wenigsten wissen, dass Pestizide eben auch chronische Krankheiten hervorrufen können, dass sie krebserregend sein können, dass sie einen Einfluss auf die Fortpflanzung haben."

Silke Bollmohr hat unter dem Titel "Route to Food" – der Weg zur Nahrung – eine Studie über den Gebrauch von Pestiziden in Kenia veröffentlicht. Viele Mittel, die in Kenia zu bekommen sind, dürfen demnach in anderen Ländern nicht mehr verkauft werden. Die Forschung wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung finanziert. Deren Vorstand Barbara Unmüßig erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hersteller.  

"Was in Europa verboten ist, kann doch nicht für kenianische Farmer zugelassen werden. Diese Wirkstoffe kommen ins Grundwasser, diese Wirkstoffe sind in der Nahrungskette, das kann nicht sein. Es ist eher skandalös, dass deutsche Firmen diese Wirkstoffe immer noch in ihren Produkten exportieren."

Firma Bayer: Passende Mittel für die Region

Das richtet sich gegen Bayer und BASF, und die Kritik geht noch weiter. Die Konzerne würden für einige Pestizide gar keine Zulassung in Europa mehr beantragen. Wohl wissend, dass sie die nicht bekommen würden.

Die Konzerne widersprechen diesen Vorwürfen. Der geschäftsführende Direktor von Bayer in Ostafrika, Laurent Perrier, sagt, es gebe eben manche Mittel, die nur für diese Region der Welt geeignet seien.

"Die meisten Produkte, die wir in Afrika und speziell in Kenia verkaufen, findet man auch auf dem europäischen Markt. Manche sind aber nur hier erhältlich, weil sie auf Anbauprodukte oder auf Schädlinge ausgerichtet sind, die es in Europa gar nicht gibt."

Auch was den Vertrieb von Roundup angeht, sieht der Bayer-Vertreter keine Probleme. Es sei nicht erwiesen, dass das Mittel Krebs verursachen könne. Hinweise zu Schutzkleidung sollen auf den Flaschen zu finden sein. Weil kenianische Bauern Pestizide aber meist in kleinen Mengen kaufen, sind die Aufschriften auf den Behältern oft nur mit Lupe zu entziffern.

Verkäuferin: Alternativen gibt es

Verkäuferin Regina Muthuka weiß über all diese Probleme gut Bescheid. Sie will die Produkte zwar nicht aus den Regalen nehmen. Aber als eine von wenigen bietet sie auch Alternativen an.

"Heutzutage haben wir biodynamische Produkte, die zum Beispiel auch gegen Insekten eingesetzt werden können. Ich bin sicher, dass der Gebrauch dieser Mittel in den nächsten Jahren zunehmen wird."

Doch dafür braucht es, genau wie für den richtigen Einsatz von Pestiziden, noch viel Aufklärung.

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