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StartseiteKommentare und Themen der WocheRusslands Abschied von der Kohle ist überfällig19.07.2019

Petersburger DialogRusslands Abschied von der Kohle ist überfällig

"Fridays for Future" finden in Russland nicht statt, kommentiert Sabine Adler. Statt auf mehr erneuerbare Energien zu setzen, würden Klimaschützer in Russland diffamiert. Darum sei es richtig, dass beim Petersburger Dialog auch die Themen Klimawandel und Kohleausstieg auf der Tagesordnung gestanden haben.

Von Sabine Adler

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Die Außenminister Maas und Lawrow auf einer Terrasse. Im Hintergrund ist der Rhein zu sehen (Marius Becker / dpa / Pool / dpa)
Die Außenminister Maas und Lawrow vor Beginn der Gespräche (Marius Becker / dpa / Pool / dpa)
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Eine Außenpolitik von unten sieht Heiko Maas im Petersburger Dialog. Doch die Teilnehmer schafften Jahr für Jahr nicht viel mehr als die Chefdiplomaten auf internationaler Bühne: sich gegenseitig zu erklären, wie weit die russischen und deutschen Positionen auseinanderliegen. Wie befreiend, dass endlich eine frische Brise durch die Tagungsräume wehte.

Der Grüne, Ralf Fücks, sowie der russische Greenpeace-Chef, Sergej Zypljonkow, brachten ein neues, drängendes Thema auf den Tisch, von dem man sich wundert, warum es nicht längst diskutiert wurde. Der Klimawandel und Russlands Anteil daran. Konkret: die Nutzung von Kohle.

Guter Austausch zwischen Nicht-Regierungsorganisationen

Gleich mehrere Vertreter, der deutsche Vorsitzende des Petersburger Dialogs, Ronald Pofalla, aber auch die ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich, haben den Kohleausstieg in Deutschland mitverhandelt. Sie waren bereit, die Erfahrungen zu teilen, die für Russland interessant sein könnten. Denn das Land ist der drittgrößte Kohleexporteur der Welt.

Laut den russischen Umweltaktivisten, die auf diesem Forum der Zivilgesellschaften regelmäßig zusammentreffen, geht der Abbau mit einem gigantischen Raubbau einher, rücksichtslos gegen Mensch und Natur in den Kohlegebieten des Kusbass, wo über die Hälfte gefördert wird.

Von klimaschädlichen Energieträgern verabschieden

Wenn von Kohleausstieg die Rede ist, zieht die russische Führung bislang vor allem eine Schlussfolgerung: die Chance, mehr Gas zu verkaufen. Was nicht falsch ist. Doch dass auch sie gemeint ist, wenn es heißt, sich von diesem besonders klimaschädlichen Energieträger zu verabschieden, kommt bislang noch nicht an. Statt dessen werden Umweltaktivisten, die ein Ende der ungeheuren Schäden fordern, drangsaliert, auf Schwarze Liste gesetzt, sollen sich selbst als feindliche Agenten bezichtigen, als die sie die russischen Behörden sehen.

"Fridays for Future" finden in Russland nicht statt. Die, die für eine lebenswerte Zukunft eintreten, stehen fast allein auf weiter Flur. Dabei liegt es in Russlands eigenem Interesse, endlich unabhängiger von den Energieexporten zu werden. Sie machen noch immer über 60 Prozent, weit mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen, aus. Doch statt auf mehr erneuerbare Energien zu setzen, die Wirtschaft grundlegend zu modernisieren, werden Klimaschützer diffamiert. Noch bleibt Zeit zur Zusammenarbeit. Das Ende der russischen Kohleimporte im Westen, für die die Menschen in den sibirischen Weiten derart bluten müssen, ist überfällig. Wenn sich diese Erkenntnis herumspricht, war der Petersburger Dialog doch ausgesprochen konstruktiv.            

Sabine Adler (©Deutschlandradio / Bettina Straub )Sabine Adler (©Deutschlandradio / Bettina Straub )Sabine Adler, Journalistin und Buchautorin. Journalistik-Studium Universität Leipzig, danach Sender Magdeburg, radio ffn, Deutsche Welle. Seit 1997 beim Deutschlandradio, u.a. als Russland-Korrespondentin, Leiterin des Hauptstadtstudios. 2011-2012  Leiterin Presse und Kommunikation Deutscher Bundestag. Danach Osteuropakorrespondentin, derzeit Leiterin des Reporterpools.

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