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StartseiteVerbrauchertippSicherheit mit Tücken21.11.2019

PfändungsschutzkontoSicherheit mit Tücken

Wenn auf dem Bankkonto Flaute herrscht oder Schulden vorhanden sind, droht eine Pfändung. Um genug für Miete und Essen zurückzuhalten, bieten Banken sogenannte Pfändungsschutzkonten an. Die Regelungen sind allerdings kompliziert.

Von Julia Weigelt

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Eltern sitzen mit ihrem Kind auf dem Sofa. AUf dem Couchtisch liegen unterlagen und Bargeld, der Vater hat einen Taschenrechner in der Hand, das Kind ein Sparschwein. (imago/Panthermedia/A. Popo)
Wer finanziell am Minimum kratzt und ein Gemeinschaftskonto hat, sollte das rechtzeitig in zwei Einzelkonten überführen, raten Schuldnerberater (imago/Panthermedia/A. Popo)
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Kerstin Föller, Finanzberaterin bei der Verbraucherzentrale‌ ‌Hamburg erinnert sich noch gut an die Alleinerziehende, die völlig verzweifelt zu ihr kam. Das Konto war gepfändet, Geld für Essen oder Miete hatte die verschuldete Frau keins mehr. Sie dachte, ihre Sozialhilfe sei nicht pfändbar - ein Irrtum, weiß Föller. 

"Und dann wars weg."

Als die Frau sich dann bei der Verbraucherzentrale nach einem P-Konto mit Pfändungsschutz erkundigte, erhielt die nächste Hiobsbotschaft. 

"Das war sehr unschön, vor allem, weil die Frau so spät kam, dass noch nicht mal die Vier-Wochen-Frist gegriffen hat."

Rückwirkender Schutz muss beantragt werden

Denn nach der Beantragung eines P-Kontos sind Geldeingänge bis zu einer Höhe von knapp 1.200 Euro vier Wochen rückwirkend geschützt. Eine wichtige Information, mit der Banken allerdings nicht offensiv auf ihre Kunden zugehen, weiß die unabhängige Finanzberaterin. 

Das P-Konto ist eine Art Zusatzmodul zu einem bestehenden Konto. Man muss den Zusatz persönlich bei seiner Bank beantragen und das nur für ein Konto. Daraus sind dann bis zur Pfändungsgrenze alle Eingänge geschützt. Allerdings: 

"Das Problem ist häufig, dass die Regelung zum P-Konto so kompliziert sind, dass viele Mitbürger das nicht gänzlich durchdringen können."

Höhere Pfändungsgrenzen nachweisen

Kompliziert wird es etwa beim Thema Freibeträge. Ist ein Schuldner unterhaltspflichtig, erhöht sich der Freibetrag um knapp 450 Euro für die erste Unterhaltspflicht und um rund 250 Euro für jede weitere. Schuldner müssen den Banken Bescheinigungen einreichen, um höhere Pfändungsgrenzen eintragen zu lassen. Die stellen unter anderem Familienkassen und anerkannte Schuldnerberatungen aus – Listen dafür gibt es bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Kerstin Föller rät außerdem, bei der Bank nachzufragen, wie lange die Bescheinigung gültig ist., Denn das lege jede Bank lege selbst fest - meist ohne die Betroffenen rechtzeitig vor Ablauf zu informieren. 

Und es gibt noch weitere Missverständnisse in Sachen P-Konto, weiß Kerstin Föller.

"Ein anderes Problem ist, dass die Leute im Kopf haben: Ok, man soll nicht so viel Geld auf dem Konto haben, heben dann das Ganze ab, stellen dann aber fest: Oh, da kommen ja noch ein paar Überweisungen, dafür brauch ich ja ein bisschen Geld auf dem Konto. Und zahlen das dann bar wieder ein. Und das gilt für den Computer dann als Geldeingang."

Einzelkonten sind besser für Paare

Das P-Konto ist auch bei Karin Bauer von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Hamburg häufig Thema. Sie rät vor allem Paaren: Wer ein Gemeinschaftskonto hat, sollte das rechtzeitig in zwei Einzelkonten überführen.

"Damit im Falle der Pfändung jeder für sich auch Kontopfändungsschutz in Anspruch nehmen kann."

Ist das vorhandene Konto im Minus, forderten Banken ihre Kunden beim Antrag auf ein P-Konto oft auf, das Geld in Raten zurückzuzahlen. Karin Bauer weiß: 

"Darauf muss sich der Betroffene nicht einlassen. Trotzdem muss dieser Schutz eingerichtet werden. Aber man kann dann auch davon ausgehen, dass die Bank dann von dem Kündigungsrecht Gebrauch machen wird und spätestens nach zwei Monaten das Konto dann gekündigt wird."

Und wenn man dann ohne Konto da steht, kann man ein neues eröffnen. Denn jeder hat das Recht auf ein sogenanntes Basiskonto. 

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