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Philosoph Philipp HüblEkelgefühl bestimmt politisches Denken

Philipp Hübl, Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart (9.5.2015). (Philipp Hübl)
Der Philosoph und Autor Philipp Hübl (Philipp Hübl)

Politische und moralische Entscheidungen werden nach Aussagen des Philosophen Philipp Hübl stark von der eigenen Gefühlswelt bestimmt.

Die emotionale Disposition sei ausschlaggebend dafür, ob man der Welt eher offen oder verschlossen gegenüber trete, sagte Hübl im Deutschlandfunk. Wer ein stark ausgeprägtes Mitgefühl habe und Wert auf Fairness und Freiheit lege, tendiere beispielsweise auch eher zu einer positiven Einstellung gegenüber Einwanderung und einer multikulturellen Gesellschaft. Wer dagegen eine starke Angst und Ekelneigung habe, tendiere dazu, eher fremdenfeindlich zu sein, erläuterte Hübl.

Eine zentrale Rolle spiele vor allem das Gefühl des Ekels, das zeigten empirische Untersuchungen. "Es hat sich herausgestellt, dass man weltweit Traditionalismus vorhersagen kann - anhand von Ekelneigungen." Die verschiedenen Ausprägungen des Ekels korrelierten mit der Sichtweise bei politisch-moralischen Themen. Dies ermögliche auch Vorhersagen über Wahlentscheidungen der Menschen.

Hübl betonte, Ekel sei nicht "naturgegeben", sondern habe anders als Emotionen von Angst oder Zorn sehr stark mit Erziehung zu tun. Man könne auch "durch Nachdenken, Selbstkontrolle lernen, mit diesen archaischen Impulsen umzugehen". Ein gefestigtes Weltbild bei Erwachsenen sei nur schwer zu ändern. Bei Kindern aber könne man mit Bildung und Erziehung Einfluss auf deren spätere Weltsicht nehmen.