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StartseiteCampus & KarriereFettnäpfchen durch gute Aussprache vermeiden18.02.2020

PhonetikFettnäpfchen durch gute Aussprache vermeiden

Während wir eigene Aussprachefehler im Englischen als weniger oder nicht störend wahrnehmen, fallen uns die Fehler anderer umso stärker auf. Das hat ein Forschungsteam nun herausgefunden. Das Erlernen der korrekten Aussprache sollte auch im Unterricht stärker berücksichtigt werden, so die Forscher.

Von Simon Schomäcker

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Drei Freunde reisen mit Rucksäcken. (imago stock & people)
Die Probandinnen der Studie durften nicht länger als ein halbes Jahr im englischsprachigen Ausland gewesen sein (imago stock & people)
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Die Spiegel-Journalistinnen Lena Greiner und Carola Padtberg-Kruse haben Lehrpersonen nach ihren witzigsten Schüler-Antworten gefragt. Einige haben die Autorinnen für ein Hörbuch aufbereitet. Im Englischunterricht gab es etwa diese kreativen Satzschöpfungen:

"Vor dem Museum sind lange Warteschlangen" - "There are long waiting-snakes in front of se museum"

"In Berlin gibt es das Brandenburger Tor" - "In Berlin you can see se Brandenburger Goal"

Solche Übersetzungen sorgen im Lehrbetrieb immer wieder für Kopfschütteln. Gleichzeitig lässt besonders das "th" zu wünschen übrig. Die Aussprache werde im Unterricht oft vernachlässigt, meint Eva Reinisch von der Ludwig-Maximilians-Universität München:

"Ich habe auch schon von vielen Leuten die Meinung gehört: Ja die Aussprache ist ja egal, erst mal müssen die Leute Wörter und Grammatik lernen."

Studie mit verfremdeten weiblichen Stimmen

Die Phonetik-Professorin sieht das anders und hat eine Studie initiiert. Darin wollte sie mit einem Team untersuchen, wie wir auf Englisch als gesprochene Fremdsprache reagieren – und wie wir unsere eigene Aussprache pflegen:

"Also, wenn zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln Durchsagen gemacht werden und die sind auf Englisch, klingen aber doch eher deutsch, dann sieht man alle Leute um sich herum grinsen oder lachen. Und das Interessante ist, wir hören jetzt einen Akzent bei anderen, aber oft machen wir selbst noch immer die gleichen Fehler. Und die Frage war dann, wieso ist das so?"

Das Forscherteam lud 24 Studentinnen von seiner Universität dazu ein, an der Studie teilzunehmen. Bedingung war, dass die Probandinnen nicht Anglistik studierten und nicht länger als ein halbes Jahr im englischsprachigen Ausland waren:

"Grundsätzlich wurde bei dem Experiment gar keine Betonung auf Aussprache gelegt. Also die Probandinnen wurden einfach gebeten, 60 kurze englische Sätze vorzulesen. Und wir haben sie dann aufgenommen."

Dass die Phonetik-Experten ausschließlich Frauen an der Studie teilnehmen ließen, hatte zwei Gründe, erklärt Holger Mitterer aus dem Forschungsteam. Ein Grund war, dass der Frauenanteil in den Sprachwissenschaften meist höher ist. Außerdem wollten die Wissenschaftler alle Stimmen elektronisch verfremden und männlich klingen lassen. Schließlich sollte niemand seine eigenen Aufnahmen erkennen. Holger Mitterer sah den Vorteil, "dass die Verfremdung von weiblich nach männlich etwas besser funktioniert, weil dann das Sprachsignal heruntergesampelt wird. Und in die andere Richtung müsste man das raufsampeln. Da muss ein bisschen geschätzt werden, wie das aussehen würde"

Mit einer speziellen Software hat Mitterer so sämtliche Aufnahmen bearbeitet. Jede Kandidatin bekam 240 Sprechproben zu hören. 60 davon waren ihre eigenen – und der Rest von drei anderen Teilnehmerinnen. Auf einer Tastatur konnten die Studentinnen Schulnoten für die jeweilige Aussprache vergeben. Tatsächlich bewerteten alle Versuchspersonen ihre eigene Aufnahme am besten. Holger Mitterer:

"Wir sind es sehr gewohnt, unseren eigenen Sprechrhythmus zu hören, wie ich das Timing meiner Silben herstelle. Wenn wir ihn dann bei jemandem anderen hören, ist es tatsächlich so, dass wir das angenehmer finden."

Gute Aussprache ist wichtig

Das gilt auch für unsere Sprachfehler oder Akzente, die uns so vertraut sind, dass wir sie selbst oft nicht als störend wahrnehmen. Die Münchner Forscher appellieren deshalb an Lehrpersonen und an Lernsoftware-Firmen: Unbedingt noch mehr auf die Aussprache hinweisen. Und das nicht nur beim "th":

"In jeder Sprache gibt es bestimmte Lautkontraste oder Laute, die besonders viele Wörter unterscheiden. Da ist es dann wichtig, dass diese Laute dann auch unterschieden werden können.", denn mit manch falsch gesetztem Laut kann man ganz schön ins Fettnäpfchen treten. Zum Beispiel:

"In Kalifornien sind viele sonnige Strände" - "In California there are a lot of sunny bitches"

Eine gute Aussprache lässt also Fremdsprachen nicht nur besser klingen. Sie erleichtert es gleichzeitig, mit anderen zu kommunizieren – und sorgt für weniger Missverständnisse.

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