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StartseiteUmwelt und VerbraucherPhosphatdünger kann große Mengen Uran enthalten16.02.2005

Phosphatdünger kann große Mengen Uran enthalten

<strong>Uran, das ist nicht nur der Stoff, aus dem die Atombombe gemacht wird, es ist das schwerste natürlich vorkommende Element. Uran ist nicht nur radioaktiv, es ist auch ein giftiges Schwermetall, das Krankheiten von Nierenstörungen bis hin zum Krebs verursachen kann. Die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig hat jetzt herausgefunden, dass Phosphordünger größere Mengen an Uran enthalten kann. </strong>

Von Michael Engel

Landwirt beim Düngen (AP)
Landwirt beim Düngen (AP)

Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenernährung und Bodenkunde trauten ihren Augen nicht: Rund 0,2 Gramm Uran pro Kilogramm fanden sie im Super- bzw. Triple-Superphosphat. Phosphatdünger werden in erster Linie aus sedimentären Lagerstätten gewonnen. Hierbei handelt es sich um fossile Knochenmasse, die große Mengen an Begleitelementen, insbesondere Uran enthält, erklärt Institutsdirektor Prof. Ewald Schnug:

Diese sedimentären Phosphate sind in Kontakt gekommen mit Meerwasser, und Meerwasser enthält Uran, und dieses Phosphat in den Knochenbestandteilen saugt das Uran auf und reichert es dort an.

Rohphosphate aus dem Sedimentabbau enthalten zunächst aber nur 13 bis 75 Milligramm Uran pro Kilo. Erst bei der Aufarbeitung zu "Superphosphat" reichert sich das Uran auf nahezu 200 Milligramm an, weil zwischen Phosphor und Uran eine hohe Affinität besteht. Auf den Düngemittelverpackungen findet sich hierzu allerdings kein Hinweis, kritisiert Prof. Schnug die Hersteller. Den Landwirten empfiehlt der Chemiker eine "angepasste Phosphatdüngung":

Das heißt strikt, das was die Pflanzen entziehen, führt man an wasserlöslichem Phosphat wieder zurück. Das ist auch eine Möglichkeit, den Eintrag an Schwermetallen zu begrenzen, also nicht zu überdüngen. Oder gegebenenfalls herumzugucken, in der Nachbarschaft, ob es dort Betriebe mit Gülleüberschuss gibt und das eventuell abzunehmen.

Gülle und insbesondere auch Mist, die als "Wirtschaftsdünger" bezeichnet werden, enthalten nämlich große Mengen an wertvollem Phosphat. Schädlich wirkendes Uran hingegen ist in diesen organischen Düngemitteln kaum enthalten: Maximal sind es zwei Milligramm pro Kilo Wirtschaftsdünger, oftmals liegen die Werte noch weit darunter, wie die Messungen in Braunschweig gezeigt haben.

Es gibt zwar Methoden, das Uran aus dem mineralischen Phosphatdünger herauszuholen, doch die Verfahren sind aufwendig und würden die Düngemittel erheblich verteuern. Insbesondere deswegen ist bis heute kaum etwas passiert. Zehn bis 22 Gramm Uran pro Hektar landen mit einer einzigen mineralischen Düngung auf dem Acker. Letztlich gelangt das Uran über die Pflanzen in die Nahrungskette. Auch Kleingärtner sollten deshalb vorsichtig sein:

Dem Kleingärtner ist zunächst mal zu empfehlen, den Boden auf Pflanzenverfügbares Phosphat untersuchen zu lassen. Tendenziell ist durch die viele Organik, die in den Kleingärten verwendet wird, die Phosphorgehalte in Kleingartenböden schon so hoch, dass in vielen, vielen Fällen eine zusätzliche Phosphatdüngung gar nicht mehr erforderlich ist. In 80 Prozent der Fälle brauchen die Böden eigentlich kein Phosphat mehr.

Rein rechtlich ist an dem Uran im Dünger wenig zu beanstanden: bis heute gibt es keine gesicherten Grenzwerte. Schnug will sich damit aber nicht zufrieden geben. Seine Schadstoffphilosophie heißt: Minimierung! Und: Offenlegung der Urangehalte. Auch mit Blick auf unser Trinkwasser. Verbraucher finden keinerlei Angaben zum Urangehalt auf den Etiketten vieler Mineralwasserflaschen, obwohl dort erhebliche Mengen bis zu 10 Mikrogramm pro Liter enthalten sind. Vier Mikrogramm Uran pro Tag nehmen wir mit der Nahrung auf und noch einmal soviel mit dem Wasser:

Es gibt etwas, was mir als Verbraucher zusteht, und das ist das Recht, persönliche Maßnahmen zur Risikominderung durchzuführen. Und dazu brauche ich Informationen. Informationen, die mir so nicht gegeben werden.

Kontaktadresse:

Zumindest für die Urangehalte in Düngemitteln gibt es jetzt erstmals öffentlich zugängliche Informationen, die von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig im Internet eingestellt wurden: Uran - Umwelt - Unbehagen

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