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StartseiteKommentare und Themen der WocheRyanair steht ein heißer Herbst bevor10.08.2018

Pilotenstreik Ryanair steht ein heißer Herbst bevor

Spätestens jetzt können die Kunden nicht mehr behaupten, vom Risiko möglicher Streiks bei Ryanair, nichts gewusst zu haben, kommentiert Mischa Ehrhardt. Bei Ryanair koste ein Ticket im Durchschnitt unter 40 Euro. Da darf man sich schon fragen, wer die Zeche zahlt.

Von Mischa Ehrhardt

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Flugzeuge der Ryanair auf dem Flughafen Brüssel-Charleroi, aufgenommen am 10.8.2018: Die Piloten der irischen Billigfluggesellschaft streiken in mehreren Ländern Europas. (picture alliance / dpa / Virginie Lefour / BELGA)
Flugzeuge der Ryanair auf dem Flughafen (picture alliance / dpa / Virginie Lefour / BELGA)
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Für alle die, die heute eigentlich mit Ryanair in den Urlaub fliegen wollten, war der Tag enttäuschend. Da ist es auch kein Trost, dass Ryanair pflichtgemäß Umbuchungen angeboten oder das Geld zurück erstattet hat. Der wohlverdiente Urlaub wurde für die Menschen etwas teurer, die das Geld genommen und kurzfristig auf eigene Faust nach einer alternativen Transportmöglichkeit gesucht haben. In den meisten Fällen aber dürften die Ferien nun kürzer ausfallen, und wenn auch nur für einige Stunden. Denn Ryanair hat ja angeboten, auf eigene Maschinen umzubuchen. Die verkehren morgen wieder planmäßig – hoffentlich.

Kaum Aussicht auf Entschädigung für die Kunden

Auch in Sachen Entschädigungen sieht es mau aus, urteilen Reiserechtsexperten und die Verbraucherzentralen. Man kann zwar versuchen, Entschädigung vor Gericht geltend zu machen. Doch die Experten rechnen nur mit geringen Chancen auf Erfolg solcher Klagen. Ryanair wird sich wohl darauf berufen können, dass der Streik unter die Rubrik  außergewöhnlicher Umstand fällt – und der schließt Entschädigungen aus.

Deswegen sollte der Gesetzgeber nachlegen. Denn wenn bei Streiks der Belegschaft Entschädigungen drohen, werden Manager wie Ryanair-Chef Michael O’Leary schnell lernen, dass sie die Anliegen der Beschäftigten ernst nehmen müssen. Spätestens dann wird das Management wirklich mit allen Kräften versuchen, einen Streik zu verhindern.

Ironischerweise ist das übrigens einer der Hebel, die Ryanair ansetzen kann, wenn mögliche Entschädigungen von Kunden vor Gericht landen. Denn wenn der Billigflieger darlegen kann, dass er alles in seiner Macht stehende getan hat, um die Streiks und deren Auswirkungen zu verhindern, dann sorgen die außergewöhnlichen Umstände des Streiks dafür, dass Entschädigungen mit ziemlicher Sicherheit ausbleiben werden.

Jedenfalls würde eine verschärfte Drohung von Entschädigungen dazu führen, dass das Management in Zukunft ganz sicher alles in seiner Macht stehende tun wird, um Arbeitskonflikte zu verhindern. Vermutlich würde das zu besseren Arbeitsbedingungen für Kabinenpersonal und Piloten führen.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Und hier schließt sich die Frage an, ob die Arbeitsbedingungen bei Ryanair so schlecht sind, ob also die Streiks berechtigt sind. Die Antwort lautet teils, teils. Es gibt verschiedene Arten und Verträge, wie Piloten bei Ryanair fliegen. Festangestellte ebenso, wie Scheinselbstständige, die viele Kosten selbst tragen müssen. So kann der Billigflieger behaupten, er bezahle mehr als seine Konkurrenten in der Branche. Das mag in dem ein oder anderen Fall sogar stimmen. Im Großen und Ganzen wird dem aber nicht so sein. Ein einfaches Argument spricht nämlich dagegen: Bei Ryanair kostet ein Ticket im Durchschnitt unter 40 Euro. Da darf man sich schon fragen, wer die Zeche zahlt. Vor allem angesichts der Tatsache, dass Rayanair im letzten Quartal noch rund 320 Millionen Euro Gewinn gemacht hat.

Doch auch die Kunden sollten umdenken. Wer für einen Flug in den Süden nur ein paar Euro zahlt, kann spätestens ab heute nicht mehr behaupten vom Risiko möglicher Streiks bei Ryanair nichts gewusst zu haben. Die Fronten zwischen Management und gewerkschaftlich Beschäftigten nämlich sind unverändert verhärtet. Es sieht so aus, als stehe Ryanair ein heißer Herbst bevor. Kunden sollten das im Hinterkopf haben, wenn sie an die Planung ihrer nächsten Reise gehen.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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